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Ölpreis gibt den Takt an

Den Bundesbürgern wird traditionell eine besonders enge Bindung zu ihrem Gefährt nachgesagt. Daran können auch hohe Benzinpreise nichts ändern. Im März 2012 erreichte der Preis für einen Liter Superbenzin in Deutschland seine bisherige Rekordhöhe. Schuld sind die nimmersatten Mineralölkonzerne, oder?

Pünktlich zu Ostern dieses Jahres hat der Preis für einen Liter Superbenzin die Marke von 1,70 Euro geknackt. Der Schuldige war schnell gefunden: Die Mineralölkonzerne, die vor Ostern die starre Nachfrage zu ihren Gunsten nutzen. Schaut man genau hin, entsteht aber ein anderes Bild.

Denn die Benzinpreise folgen ziemlich genau der Entwicklung der Rohölpreise. Dieser stieg zur gleichen Zeit ebenfalls auf einen Höchstwert von 95 Euro je Barrel. Die Beobachtung deckt sich mit den Erfahrungen in der Weltwirtschaftskrise 2008. Da sank der Ölpreis und mit ihm wurde auch die Tankfüllung wieder günstiger.

Beim jüngsten Anstieg kommt jedoch ein anderer Effekt hinzu: Öl wird größtenteils in Dollar bezahlt. Steigt der Dollarkurs gegenüber dem Euro, wird der Import von Öl teurer und somit auch das Benzin.  Umgekehrt gilt auch: sinkt der Dollarkurs, sinkt ebenso der Ölpreis. So führt die Eurokrise zu leicht steigenden Benzinpreisen.

Die Mineralölkonzerne geben also nur die gestiegenen Rohstoffkosten an ihre Kunden weiter. Am meisten kassiert beim Benzin ohnehin der Staat ab. Bei einem Preis von beispielsweise  1,63, was dem Durchschnittspreis im Juli entspricht, entfielen fast 92 Cent auf die Mineralöl- und Mehrwertsteuer.

Vielleicht können die Prognosen die aufgebrachten Autofahrer beruhigen: Mittelfristig wird die gefürchtete 2-Euro Marke nicht überschritten. Dazu müsste der Ölpreis auf 175 Euro je Barrel steigen. Diese Marke wird nur geknackt, wenn es aufgrund der Unruhen dort, kurzfristig zu Lieferausfällen in den Förderstaaten kommt.


Eine ausführliche Analsyse des Benzinpreises finden Sie hier.

  • Markus

    Was will uns der Autor wohl mit diesem Beitrag mitteilen?

    Vermutung: Dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Preisentwicklung von Rohöl und dem Preis des Kraftstoffs an der Tankstelle gibt. Nun gut, soweit die etwaige statistische Aufarbeitung. Wie kommt der Autor jedoch auf den Wert 175 Euro? Eine lineare Prognose?
    Dazu muss man wissen, dass bei der Berechnung der Bezinpreise prozentuale Zinseffekte auftreten, da hier Steuern besteuert werden und damit ein Anstieg der Bezinpreise überproportional ausfallen müsste – im Gegensatz zum Rohölpreis. Steigt also der Rohölpreis zB in Rotterdam, so steigtr der Bezinpreis überproportional (zumindest theoretisch). Leider hat der Autor hier keinerlei weiterführende Informationen bereitgestellt.

    Was will uns der Autor bzgl. der Steuerbelastung mitteilen? Dass diese zu hoch ist? Zu niedrig? Das diese so ist wie sie ist?

    Auch der Link zur “Ausführlichen Analyse” konnte hier nicht helfen – denn diese ist weder ausführlich noch ist es eine Analyse.

  • http://www.mcrass.de Michael Crass

    Die Menge an Steuern ist schon heftig. Man darf aber nicht vergessen, dass die meisten Verbraucher Preise nicht vergleichen. Sonst gäbe es Aral, Esso und co. nicht, zumindest nicht mit dem hohen Marktanteil!

  • Markus

    @ Michael Grass: Jein!

    “Die Menge an Steuern ist schon heftig”
    Tja, das ist doch die Frage: Sind 92 Cent/ Liter Kraftstoff viel? Warum ist das “heftig”? Wären dann 85 cent nicht “heftig”?

    Schauen wir doch mal eines an: Ein Fahrzeugführer benötigt Strassen. Er/ Sie verursacht Lärm und Abgase – diese Kosten werden grundsätzlich von der Allgemeinheit gertragen – egal ob man ein Fahrzeug besitzt oder nicht. Solidarisierung also. Die Begründung der Steuern ist durchaus gegeben. Stellt sich die Frage der Höhe.

    Weiterhin: Man kann davon ausgehen, dass je höher der Bezinpreis ist, desto weniger wird das KFZ benutzt und stattdessen verzichtet (Sonntagsausfahrt) oder auf zB öffentliche Verkehrsmittel ausgewichen. Beides ist wünschenswert zu Wohle der Umwelt bzw. Ressourcen (demeritorische Güter).

    Haben wir ein Anrecht auf niedrigere Benzinpreise? Nein, warum auch? Kraftstoff ist ein Gut wie jedes andere auch. Steigt die Nachfrage, steigt der Preis. Weil wir jedoch davon abhängig sind (wir glauben es jedenfalls), die Deutschen dem KFZ einen besonders hohen, persönlichen Stellenwert zukommen lassen und weil wir schlicht auch recht bequem sind – so ist der Aufschrei natürlich beim Tanken immer sehr gross. Wenn Sie aber mal schauen, wieviele Personen im Berufsverkehr durchschnittlich je Fahrzeug sitzen, dann erklärt sich vieles von selbst. Der Bürger ist leider nicht in der Lage, effizient zu denken (vielleicht aus oben genannten Gründen). Aber dies begründet nicht das Anrecht auf einen niedrigeren Preis.

    Preisvergleich: Doch, die Verbraucher vergleichen und reagieren teils heftig auf Preisunterschiede – aber die Preisunterschiede sind zu marginal und das Tankstellennetz ist zu dicht. Ebenfalls ist man in der Entscheidungsfindung limitiert – irgendwann ist der Tank leer und dann müssen Sie tanken – ob es günstig ist oder nicht. Diese Limitationen führen zu einer Modifikation im Nachfrageverhalten.
    Meine Behauptung (ohne wissenschaftliche Fundierung): Ab einem Preisunterschied von 5 Cent wechseln die Konsumenten die Tankstelle großräumig (20km). Bei einem Preisunterschied von 3 cent nur, wenn es auf dem Weg liegt. Bei einem Unterschied von 1 Cent speilt es keine Rolle. Dies setzt voraus, dass die Verbraucher die Preise anderer Tankstellen kennen (vollkommene Information)! Aber würde ein verbraucher auf dem Heimweg tatsächlich zu einer Tankstelle zurückfahren, weil dort der Preis 3 Cent niedriger war? Wir wissen – morgen ist der Preis ein Anderer – also muss die Entscheidung immer sofort fallen. Auch das eine Limitation im gewöhnlichen Nachfrageverhalten (erinnert mich an Aktienmärkte).
    Ansonsten sind die Transaktionskosten (ex ante) zu hoch und der Konsument tankt wo er ist. Gut zu beobachten war dies bis vor wenigen Jahren in Grenznähe zu Österreich, wo Verbraucher massiv von zB Lindau nach Bregenz gefahren sind – in der unbestätigten Annahme, der Kraftstoffpreis wäre dort wesentlich günstiger.

    Ich könnte nun noch mit Opportunitätskosten argumentieren, aber ich denke, bis hier ist mein Gedankengang soweit klar.

    Kleine Geschichte: Als vor ca 3 Jahren in Salzburg/ Österreich eine Tankstelle eines Discounters eröffnete, der Preis je Liter Diesel bei rund 95 cent lag (!!!) waren Verkehrchaos und Wartezeiten von 3 Stunden keine Seltenheit. Der Verbraucher reagierte heftig! Ich war damals zufällig in Salzburg und es war, naja, die Menschen haben vergessen, dass es “nur” um eine Tankfüllung geht. Die Polizei musste mehrfach eingreifen, weil teils heftiger Streit ausbrach, wer denn nun tanken darf. Bei diesem Preis spielten die Transaktionskosten auch keine Rolle mehr. Auch wissenschaftlich höchst interessant. Quelle: http://www.chiemgau-online.de/portal/lokales/trostberg-traunreut_Sturm-auf-Billig-Sprit-_arid,69967.html

  • Kammerjäger

    “Die Mineralölkonzerne geben also nur die gestiegenen Rohstoffkosten an ihre Kunden weiter.”

    Er erstaunt immer wieder, mit welcher Naivität manche Leute, sogar ausgewiesene Wirtschaftswissenschaftler, das Thema betrachten. Tatsächlich sind die Benzinpreise von zwei Märkten bestimmt, die Lehrbuchbeispiele für Marktversagen darstellen.

    Die Rohlölpreis ist der Preis aus einem Terminkontraktes minus den Cost of Carry. Wegen der hohen Hebelwirkungen können die Markteilnehmer auf diese Art den Preis gut manipulieren. Und die Marktteilnehmer der Terminmärkte sind nicht die Verbraucher, sondern die gleichen Teilnehmer, die an den hohen Preise verdienen.

    Der Tankstellenmarkt in Deutschland selbst ist von oligopolistischen Strukturen geprägt. Die Preisfindungsmechanismesn sind so ausgelegt, dass sie zwar nach den Kartellgesetzen nicht illegal sind, es aber es am Ende doch zu monopolartigen Preissetzungen kommt.

    Es ist das Versagen der Politik, dass sie es nicht schafft, Gesetze so zu gestalten, dass die Oligopole zerschlagen werden oder zu marktgerechten Preisfindungen zwingt.

    Und es ist ein Versagen der Wissenschaft, das sie das Thema so naiv marktgläubig modelliert, und damit den ideologischen Unterbau für die fehlende Marktregulierung liefert. Der Artikel ist klares Zeugnis dieses Versagens.

  • Surp

    @ Kammerjäger

    So seh ich das auch, aber unsere Welt ist auf Erdöl begründet.

    Vieleicht liegt da der Fehler, wenn man den behebt, brauch man über den ganzen anderen Shice nicht mehr diskutieren.

  • Markus

    Sie werden die Welt immer auf natürliche Ressourcen begründen. Und Kraftstoffe sind ein marginales Problem. Die Abhängigkeit von Öl spiegelt sich in vielen weiteren Produkten – ein Substitut ist nahzu unmöglich.
    Einzig die Allokation ist das Problem (Verschwendung).

  • http://web.de gustav

    gibt es noch einen deutschen grossen Mineralölkonzern
    (aral-bp, shell, esso-exxon/mobil usw. ) warum?
    esso gibt sein tankstellennetz in oesterreich und in der schweiz auf-warum?
    warum übernimmt der adac mit seinen milionen mitgliedern nicht
    eine Mineralöl-kette – ausser Kommentaren hört man vom adac nichts
    vom staat hört man zu diesem thema auch nichts.

Der Autor:

Dr. Hubertus Bardt

ist stellv. Leiter des Wissenschaftsbereiches II und Leiter der Forschungsstelle Umwelt- und Energieökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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