Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren. Andre Kostolany, 1906-1999, US-amerikanischer Finanzexperte

2 Soziales

Rentenreform: “Großer Unfug”

Die Eckpunkte für die Rentenreform der großen Koalition stehen fest. Mütterrente, Rente mit 63 und die Lebensleistungsrente sollen bis 2020 mit über 63 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Kritik hagelt es von fast allen Seiten. Die ÖkonomenBlog-Redaktion hat einige Ökonomenstimmen zusammengetragen.

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“Rente mit 63 und Mütterrente sind rückwärtsgewandt und teuer.”

sagt der Rentenexperte und Direktor des Munich Center for the Economics of Aging (MEA), Prof. Axel Börsch-Supan. Die abschlagsfreie Rente sei nicht nur abschlagsfrei, sondern auch zuschlagsfrei. Das heißt, für die, die länger arbeiten wollen, gibt es keine höhere Rente mehr.

Als “großen Unfug” bezeichnet der Freiburger Rentenexperte und ÖkonomenBlog Autor Prof. Bernd Raffelhüschen die Rentenpläne der großen Koalition.

“Es ist alles falsch, was gemacht wird.”

Nach Raffelhüschens Berechnungen fallen weitaus höhere Kosten an, als von der Bundesregierung veranschlagt.

„Werden all diese Wahlgeschenke realisiert und nicht wieder kassiert, entstehen Kosten in einem Gegenwartswert von etwa 500 Milliarden Euro. Auch ohne die Geschenke der Arbeitsministerin wird der Beitragssatz auf 25 Prozent steigen – mit ihnen sogar auf 28 Prozent“

prophezeit Raffelhüschen.

Prof. Klaus Zimmermann, Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) glaubt, dass die Reformen Deutschland auf lange Sicht schwächen könnten. Gegenüber dem Handelsblatt sagt er:

“Statt die Rentenbeiträge wie sonst möglich senken zu können, werden diese Entlastungen von immerhin gut 30 Milliarden Euro, die Konsum und Arbeitsnachfrage gestärkt hätten, zur Ruhigstellung der Klientel der Großkoalitionäre verpulvert. Damit wird die jüngere Generation, die das langfristig bezahlen muss, weiter belastet anstatt von einem Teil der wachsenden demographischen Herausforderungen befreit zu werden.”

Der frühere Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Prof. Bert Rürup, sieht vor allem die Rente mit 63 problematisch und fürchtet um die Rente mit 67:

“Die Rente mit 63 ist grottenfalsch. […]. Sehr viele werden in den Genuss der abschlagsfreien Frührente kommen.[…]. Die Rente mit 67 wird so zu einem Papiertiger.”

  • Dan Chris

    Bernd Raffelhüschen der Versicherungslobbyist meint es ginge um 500 Milliarden Euro. Wenn ich den Zeitraum hinreichen lange wähle und nicht objektiv darstelle, dass Versicherungssubventionen für private Rentenverischerungen ebensoviel kosten, dann kann ich ohne Probleme den Weltuntergang an die Wand malen.
    Es ist im übrigen interessant das nur über Kosten argumentiert wird. Der Nutzen wird nicht einmal betrachtet. Weiterhin ist interessant, dass Professor Raffelhüschen, Professor Rürup, Professor Zimmermann, Professor Bösch-Supan alle keine Rente bekommen. Sie erhalten Pensionen und zwar ziemlich hohe. Das ist dann nicht rückwärtsgewandt. Die Rente mit 67 wird zum Papiertiger. Die Lebenswirklichkeit der Menschen wird nicht in Betracht gezogen. Die Rente mit 67 ist eine Rentenkürzung. Schon heute müssen Menschen die Hartz 4 erhalten in Frührente mit allen abschlägen gehen. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland stagniert, obwohl die Zahl der Menschen in Arbeit steigt. Die Löhne stagnieren auch. Das alles hat einen Einfluss auf den Bedarf nach Arbeitskräften und die Rente allgemein. Höhere Löhne führen zu höheren Beiträgen und somit der Möglichkeit die Rente zu finanzieren.

    Ein letzter Punkt was kostet eigentlich die Subvention der privaten Rentenverischerungen? Nicht nur Riester + Rüruprente, sondern auch die Rettung des Banken- und Verischerungssektors durch den Staat sollten anteilig mit in diese Rechnung eingehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es preiswert ist. Aber da sowohl Herr Rürup als auch Herr Raffelhüschen gut dotierte Vorträge bei diesen Versicherern halten, sind objektive Analysen wohl nicht zu erwarten.

  • Ralph Krachen

    es gibt keine wahlgeschenke für rentner!
    es werden kleine geschenke gemacht um dann viel wegzunehmen.
    nachdem das nettorentenniveau bis 2030 auf 43 % stufenweise gesenkt wird kann man kaum von geschenken reden.