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20.11.2012 Umwelt

EEG oder Quote?

Wie gelingt die Energiewende in Deutschland? Die Debatte, welches das geeignetere Fördersystem zum Ausbau der Erneuerbaren ist, wird emotional geführt. Einigkeit besteht aber darüber, dass die meisten erneuerbaren Energietechnologien nicht wirtschaftlich sind und ohne Förderung nicht am Markt bestehen können. Die Frage ist also nicht ob, sondern wie die Förderung aussehen muss.

Als alternatives Finanzierungsinstrument wird das sogenannte Quotenmodell heiß diskutiert. Es setzt im Gegensatz zum EEG nicht auf Preis- und Abnahmegarantien. Nach dem Quotenmodell werden die Versorger dazu verpflichtet, einen bestimmten Anteil ihres verkauften Stroms aus Erneuerbaren Energien zu beziehen. Wie hoch der Anteil sein soll, gibt der Gesetzgeber vor. Wer die Quote nicht erfüllt, muss Strafe zahlen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften Acatech, die Monopolkommission, das Bundeskartellamt und auch wir vom RWI sprechen uns dafür aus. Warum?

Ziel sollte es sein, den Ausbau der Erneuerbaren so kostengünstig wie möglich zu erreichen. Das geeignete Instrument zur Hebung von Effizienzpotentialen ist Wettbewerb. Beim EEG wird indes technologischer Wettbewerb durch technologiespezifische Preisgarantien ausgeschaltet. Im Quotenmodell gäbe es keine solchen Preisgarantien. Infolgedessen würden die Versorger ihre Grünstromverpflichtung möglichst günstig einhalten wollen und würden daher die kostengünstigsten Technologien nachfragen. Grüner Strom würde so möglichst günstig produziert, indem an den geeignetsten Standorten die jeweils kostengünstigsten Technologien eingesetzt werden.

Doch gibt es auch Stimmen, die einen Systemwechsel scheuen und stattdessen lieber am EEG und damit an den Subventionsgarantien festhalten wollen. Es ist indessen nicht verwunderlich, wenn gerade bei der Argumentation der Profiteure des EEG die Fakten oft auf der Strecke bleiben.

Häufig zitiertes Beispiel für ein vermeintlich gescheitertes Quotenmodell ist das Britische. Richtig ist: Das britische Modell hatte Probleme, die auf ein schlechtes Marktdesign zurückzuführen sind, aber nicht darauf, dass das Quotenmodell an sich schlecht ist. Man darf sich nicht darüber wundern, dass die vorgegebene Quote verfehlt wird, wenn die Strafzahlungen für die Nichterfüllung billiger sind als grüner Strom. Wie ein Quotenmodell idealtypisch funktioniert, zeigt Schweden. Das schwedische Modell wurde kürzlich auf Norwegen ausgeweitet.

Überdies wird argumentiert, dass Technologien wie Off-Shore-Windkraftanlagen vor der Küste im Quotenmodell vom Markt verdrängt würden. Doch ein enormer Zubau Offshore wäre kein Erfolg, da dies voraussichtlich der größte Preistreiber in der Zukunft sein wird. Die Systematik des EEG ist es, ineffiziente Technologien möglichst stark zu fördern, um deren Ausbau trotz ihrer Unwirtschaftlichkeit zu garantieren. Für das Gelingen der Energiewende sind aber keine technologiespezifischen Ausbauziele sinnvoll.

Dies alles macht die Energiewende teurer als notwendig. Die Kostenbremse muss jetzt getreten werden, wenn die Energiewende gelingen soll. Es ist höchste Zeit, dass das EEG abgeschafft und ein marktbasiertes Quotenmodell eingeführt wird.


Weitere Informationen zum marktbasierten Quotenmodell und zum EEG finden Sie hier.

Weitere Beiträge zum Thema im ÖkonomenBlog:

Energiewende: Mehr Europa – mehr Markt – Von Prof. Justus Haucap
Das EEG belastet vor allem Geringverdiener – Von Dr. Hubertus Bardt

  • Tim

    Noch viel besser wäre die sinnvolle Fortführung des Emissionsrechtehandels mit sinkendem CO2-Emissionsvolumen. Dann hätte man sofort eine breite Marktwirkung auf europäischer Ebene. Alle Energieanbieter wären gezwungen, in möglichst effiziente Technologien zu investieren. Welche am besten geeignet wären, müßten die Anbieter entscheiden, nicht der Staat.

    Man könnte zudem nach und nach weitere Staaten in den Emissionsrechtehandel einbinden, was im Quotenmodell deutlich schwieriger und unwahrscheinlicher ist.

  • taubenvergifter

    Tja, die Franzosen haben NULL Wettbewerb und zahlen für ihren Strom knapp die Hälfte.

    Zudem ist in Deutschland der Strom v.a. so teuer, weil die Industrien, die mit Strom am verschwenderischsten umgehen von den Zulagen befreit werden und jeder Privathaushalt somit die Party der boomenden konzerne mitfinanziert.

  • chri

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    Bildschirmfoto 2012-11-22 um 14.26.57
    Erneuerbare Energien
    “#Energiewende zügig und sozial voranbringen” – Antwort auf die #INSM

    22. November 2012 von Fritz Mielert
    1566 mal gelesen · 1 Kommentar

    Die sogenannte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft GmbH hat uns einen Brief anlässlich der gemeinsamen Plakataktion von Campact und .ausgestrahlt in Bahnhöfen geschickt. Unsere Antwort dokumentieren wir an dieser Stelle.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 16. November. Lassen Sie uns im Folgenden auf einige der von Ihnen angesprochenen Punkte näher eingehen.

    Sie behaupten in ihrer Werbekampagne, Sie seien für die Energiewende. Doch Ihre Forderungen zielen in die entgegengesetzte Richtung. Sie polemisieren einseitig gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), verlieren aber kein Wort darüber, dass Atom- und Kohlekraft gigantische externe Kosten verursachen. Diese erscheinen im Gegensatz zu den Kosten der EEG-Umlage nicht auf der Stromrechnung, müssen aber gleichwohl bezahlt werden – und zwar nicht nicht nur von den heutigen Steuerzahlern, sondern auch noch von unzähligen Generationen nach uns.

    Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums die nicht im Strompreis enthaltenen Umweltschäden den fossilen Energien zugerechnet. Eine Kilowattstunde Braunkohlestrom würde sich so um 10,8 Cent pro Kilowattstunde verteuern, die Steinkohle um 8,9 Cent, Öl um 8 Cent und Erdgas um 4,9 Cent. Die Erneuerbaren Energien verringern zudem unsere Abhängigkeit von Energieimporten – nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sparen wir dadurch 6 Milliarden Euro jährlich. Die Einsparungen durch weniger Energieimporte und vermiedene Umweltschäden übersteigen bereits heute die Kosten der Förderung erneuerbarer Energien durch das EEG bei weitem.

    Der Umweltsachverständigenrat der Bundesregierung geht davon aus, dass die Erneuerbaren Energien bis 2050 zu den kostengünstigsten Energieträgern für Europa werden. Würden die Strompreise die ökologische Wahrheit sagen, wäre das schon heute so. Das alles verschweigen Sie.

    Der Einspeisevorrang und die verlässliche Vergütungen im Rahmen des EEGs haben eine beeindruckende Wachstumsdynamik bei der Erneuerbaren Energien entstehen lassen und ihren Anteil am Strommarkt von sechs auf 25 Prozent gesteigert. In Zeiten, in denen Technologien noch sehr weit von einer wirtschaftlichen Anwendung entfernt waren, hat das Gesetz bereits einen Markt für Erneuerbare Energien geschaffen. Es erzeugte für Investoren Planungssicherheit und trug dadurch zu einem dynamischen Markt bei, der die Herstellungskosten der Erneuerbaren Energien massiv sinken ließ – bei Fotovoltaik um 75 Prozent.

    “Diese Erfolgsbilanz ist der Grund, warum mittlerweile bereits über 50 Staaten das EEG übernommen haben – und damit weltweit die Erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch sind. Ihre Lobbyorganisation propagiert hingegen einen Vorschlag, der bereits in der Erprobung im Ausland katastrophal gescheitert ist – das Quotenmodell. So wurden in Großbritannien die vorgegebene Quoten des Zubaus der Erneuerbare Energien immer wieder unterschritten – und der Ausbau kommt nicht voran. Und weil das Quotenmodell unnötig teuer ist, wurde es auf der Insel wieder abgeschafft und durch ein Einspeisegesetz nach dem Vorbild des EEG ersetzt.”

    http://blog.campact.de/2012/11/energiewende-zugig-und-sozial-voranbringen-antwort-auf-die-insm/

  • LiFe

    Mittelständische Unternehmen sind von der Preissteigerung nicht befreit und die, welche eine Insolvenz gerade noch abwenden konnten oder überstanden haben werden künftig einige Probleme auf sich zukommen sehen. Es ist ein Desaster!

Der Autor:

Prof. Dr. Manuel Frondel

ist Diplom-Physiker und Diplom-Wirtschaftsingenieur und seit Oktober 2003 Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI.

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