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Weekender-Themen: Außenhandel, Impfung, Europa, Klimaschutz, Schulden

Jedes Wochenende empfiehlt der Weekender fünf Vertiefungen zu wirtschaftspolitisch interessanten wie relevanten Themen.

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Wie wird die Zukunft der deutschen Außenhandelspolitik aussehen? Eine klare Strategie wird von Gabriel Felbermayr (IfW), Stefan Liebing (Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft) und Bodo Liesenfeld (Lateinamerikaverein) im aktuellen „Kiel Policy Brief“ vom Institut für Weltwirtschaft aufgezeigt. Für ein Wiedererstarken der Exportindustrie sei eine effektive Verzahnung außenpolitischer Instrumente essenziell. Ein neu geschaffenes Staatsministerium für Außenhandel solle Zuständigkeiten bündeln und das „Team Deutschland“ nach außen proaktiv vertreten. Internationale Abkommen sollten multilateral verhandelt und beschlossen werden, wobei ein Klimaklub die zentrale Rolle bei der Bekämpfung der Erderwärmung einnehmen solle. Weiteren Handlungsbedarf gebe es bei der Durchsetzung deutscher und europäischer Interessen. Dazu zählen Verträge zur Sicherung des geistigen Eigentums, aber auch Finanzierungshilfen und Garantien für exportierende Firmen. Der Welthandel stehe vor großen Transformationen, die von gut durchdachten politischen Entscheidungen mitgestaltet werden müssten, so die Autoren.

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Die Ökonomik von Impfungen: Joseph E. Gagnon, Steven Kamin und John Kearns bewerten im aktuellen Policy Brief des Peterson Institute of International Economics die wirtschaftlichen Kosten und Erträge schneller Impfungen. Die Wissenschaftler haben den amerikanischen und europäischen Weg studiert und neben den geretteten Leben den ökonomischen Vorteil durch Impfungen quantifiziert. Was die Studie klar macht: Impfungen sind der entscheidende Faktor bei der wirtschaftlichen Erholung. Vor allem aber zeigt sich, wie groß die ökonomischen und menschlichen Verluste sind, die das verhaltene Vorgehen Europas zur Folge hat. Die Autoren legen nahe, dass sowohl die USA als auch Europa den Herstellern noch größere Garantien hätten geben müssen. In Zukunft könnte ein schneller Aufbau von Produktionskapazitäten noch schneller den Ausweg aus einer Pandemie ebnen.

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Europa zwischen boomenden Fronten? Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt – China und die USA – boomen nach der hoffentlich zu Ende gehenden Pandemie. Chinesische Konsumenten haben eine ungestillte Nachfrage nach Luxusgütern, was Bernard Arnault, CEO des französischen Luxusgüterkonglomerats LVMH, zum reichsten Mann der Welt machte. Auch die USA erholen sich mit zunehmender Geschwindigkeit, befeuert von den großen Konjunkturpaketen der Biden-Administration und einer fast komplett geöffneten Wirtschaft. Der Hunger nach Rohstoffen kommt also von beiden Seiten des Pazifiks, was Preise in die Höhe schnellen lässt und europäische Hersteller unter Druck setzt. Welche Parallelen und Unterschiede es zwischen China und den USA gibt und was das mit dem Immobilienmarkt zu tun hat, lesen Sie im Kommentar von Martha C. White bei NBC News.

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Klimaschutz per Gerichtsurteil? „Gerichten fehlt die Kompetenz, um über eine aus ökonomischer Sicht kosteneffektive Klimapolitik zu entscheiden“, schreibt Karen Pittel vom ifo Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen in der FAZ. Anlass der Bewertung: Das Urteil gegen den Ölkonzern Shell, der von Klimaschützern als „monumentaler Sieg“ gefeiert wird. Doch die Sache hat mindestens einen Haken: Die Richter zwingen einen einzelnen Konzern, Emissionen zu senken; die Möglichkeit, Markt und Preise als Mittel des Klimaschutzes einzusetzen, bleibt außen vor. Klimaschutz wird so mindestens teurer als nötig, falls die Ziele nicht sogar verfehlt werden.

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Investitionen auf Pump finanzieren? Die Ökonomen Lars Feld und Jens Südekum führen im Handelsblatt ein Streitgespräch um die Frage, wie Deutschland Zukunftsinvestitionen finanzieren soll. Feld, Vorsitzender des ordoliberalen Walter-Eucken-Instituts aus Freiburg, betont die zentrale Bedeutung der Schuldenbremse und ihre implizierten Möglichkeiten öffentlicher Investitionen. Der schuldenfinanzierte Staat wird dabei scharf kritisiert. Wenn Investitionen beispielsweise von der Schuldenbremse ausgenommen würden, könnte leicht der Anreiz entstehen, alle möglichen Ausgaben als Investitionen zu betiteln. Jens Südekum, Professor am DICE und SPD-Mitglied, hält dagegen und sieht wegen der aktuell günstigen Konditionen am Finanzmarkt kein Problem einer höheren Staatsverschuldung. Zukunftsausgaben für Digitalisierung und Klimaschutz sollten von Fiskalregeln ausgenommen werde, so Südekum. Bei aller Rivalität: Feld und Südekum, die sich übrigens duzen, führen eine der brisantesten wirtschaftswissenschaftlichen Debatten unserer Zeit entschlossen, aber fair.


Gute Kommentare, interessante Hintergründe – jeden Freitag präsentieren wir (Link zum Archiv) fünf Vertiefungen zu den wirtschaftspolitisch interessantesten und relevantesten Themen der Woche. > Keinen Blogpost verpassen