Es ist beispielsweise in höchstem Maße widerspruchsvoll, wenn der Staatsbürger über die unerträgliche Höhe der Steuerlast klagt, gleichzeitig aber vom Staate Hilfen erwartet, die diesem das moralische Recht geben, noch immer höherer Steuern einzuheben. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

3 Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel begegnen – Talente nutzen

Über 2 Millionen ungenutzte Potentiale könnten durch gute Reformen am Arbeitsmarkt noch gehoben werden.Um den Wohlstand in Deutschland auch bei alternder und schrumpfender Bevölkerung zu erhalten, müssen vorhandene Talente bestmöglich genutzt werden. Die gute Nachricht: Deutschland hat noch ungenutztes Potenzial.

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Im Zuge des demographischen Wandels droht der Wirtschaft ein Arbeits- und Fachkräfteengpass. Fakt ist: eine höhere Geburtenrate oder Einwanderung können das Problem allenfalls langfristig lösen. Denn selbst wenn sich heute in neun Monaten die Geburtenrate verdoppeln würde, hilft das dem Arbeitsmarkt frühestens in 20 Jahren. Und die Einwanderung bringt unterm Strich durchschnittlich rund 100.000 zusätzliche Menschen pro Jahr. Prognosen gehen davon aus, dass dem Arbeitsmarkt bis 2030 rund 6 Millionen weniger Personen im Erwerbsalter zur Verfügung stehen. Um den Arbeitskräftemangel zu bekämpfen wird jede Hand gebraucht.

Tatsächlich hindern aber in Deutschland Regulierungen und falsche Anreize mehr als 2 Millionen Menschen daran, aktiv am Arbeitsmarkt teilzunehmen. Zum Beispiel weil sich die Aufnahme einer Arbeit nicht lohnt oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schlichtweg unmöglich ist.

Das größte Potential liegt bei den nicht berufstätigen Müttern und den älteren Mitbürgern. Durch den Ausbau ganztägiger Betreuung und Bildung, sowie die de facto Erhöhung des Renteneintrittalters könnten allein 1,3 Millionen Menschen für den Arbeitsmarkt aktiviert werden.

Wir werden zwar immer weniger, wir werden aber auch immer älter und bleiben länger gesund. Viele ältere Arbeitnehmer wollen gar nicht in Rente gehen. Einiges spricht dafür, die Renteneintrittsphase zu flexibilisieren und das Renteneintrittsalter durch die Kopplung an die Lebenserwartung systematisch zu erhöhen. Heute lohnt sich für viele Menschen im Rentenalter die Aufnahme einer Tätigkeit nicht, weil sie kaum zusätzliches Einkommen bringt.

Darüber hinaus dürfen wir nicht nachlassen, den Sockel der Langzeiterwerbslosen weiter abzubauen. Durch eine Stärkung der Brückenfunktion von Zeitarbeit und geringfügiger Beschäftigung sowie die Erschließung von Berufsfeldern mit hoher Arbeitskraftnachfrage, wie z.B. der Pflege, könnten unter Langzeiterwerbslosen weitere 300.000 Arbeitskräfte zusätzlich mobilisiert werden. Weitere nennenswerte nicht ausgeschöpfte Potenziale bestehen unter verheirateten Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Akademikern und jungen Menschen.

2 Millionen mehr Arbeitskräfte, die Werte schaffen, Einkommen generieren und Wohlstand sichern, ohne dass dadurch der Staatshaushalt mehr belastet wird. Diese Chance sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen.


Eine ausführliche Berechnung der zusätzlichen Arbeitskraftpotentiale und Maßnahmenkataloge zu deren Aktivierung können Sie in der HWWI Studie „Ungenutzte Arbeitskräftepotentiale in Deutschland: Maßnahmen und Effekte“ nachlesen.

  • Autor

    Dr. Christina Boll

    ist Forschungsdirektorin am Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), wo sie seit März 2008 als Senior Economist das Themenfeld „Erwerbstätigkeit und Familie“ leitet.

  • Kammerjäger

    Die schlechte Nachricht: Die Berufe mit der höchsten Wertschöpfung (Produktion, Entwicklung, IT, Ingenieure, Bildung) sind schlechter bezahlt als die parasitären Berufe (Banker, Makler, Notare, Manager, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Lobbyisten etc) die nicht wertschöpfend tätig sind.

    Die Gehaltsfindung ist das Ergebnis von Machtverhältnissen bei den Vertragsverhandlungen. In den letzten 2 Jahrzehnten hat die Politik diese Machtverhältnisse durch die Gesetzgebung zuungunsten der produktiven Berufe verschoben. Die hier im Blog vorgeschlagenen Lösungen (Greencard, Höhere Anteil von Frauen in diesen Berufen, Verspäteter Renteneintritt) ignorieren diese Ursache für den Fachkräftemangel, sind eher kontraproduktiv (und nebenher nicht besonders intelligent) und werden das Problem noch eher verschärfen als verbessern.

    (Das Sie gerade als Frau es fordern, dass Frauen in diese eher perspektivlosen Berufsbilder abgedrängt werden, lässt mich ebenfalls etwas verwundert zurück.)

  • Guest

    Deregulierung ist wieder eure lachhafte Antwort, in einem Land in dem jemand wie ich, mit einem IQ von 169 sozial selektiert wurde. Ja genau viel Spaß in der Hölle ihr Lobbywichser….. Ihr arbeitet nicht wissenschaftlich, ihr arbeitet nur gefällig. Marionetten….. Warum hat keiner von euch Klugscheißern die Bankenkrise vorhersehn können, keiner von diesen feinen Professoren ? Hinterher haben sie alle kluggeschissen….. Jede Vorlesung war ein Witz……
    http://www.youtube.com/watch?v=gNnEgU7tVL4

  • Guest