Um zwei Dinge kommen wir nicht herum: um die Steuerzahlung und um den Tod. Ein Glück, daß man nicht beides zur gleichen Zeit erleben kann. Hans Albers, 1891-1960, deutscher Schauspieler

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Keynes 2.0 statt Konjunkturpolitik

ÖkonomenBlog-Autor Prof. Dr. Ulrich van Suntum äußert sich in ZEIT-ONLINE zu den Konjunkturprogrammen in den Industriestaaten: „Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass die Pakete eher geringe Effekte zeitigen. (…) Wir brauchen eine Weiterentwicklung, gewissermaßen einen Keynes 2.0. (…) Ich schlage deshalb vor, dass die Notenbank die Möglichkeit enthält, im Notfall auch zu negativen Zinsen Geld an die Banken zu verteilen.“

Im ÖkonomenBlog erklärt van Suntum, wie die Unternehmenskredite an das aktuelle BIP-Wachstum und den langfristigen Realzins gekoppelt werden können: Mit Negativzinsen aus der Rezession.

  • Autor

    Prof. Dr. Ulrich van Suntum

    ist geschäftsführender Direktor des Centrums für angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Münster (CAVM) und stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa).

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  • Ein sehr vernünftiger Vorschlag, den Herr Prof. Suntum da macht. Es würde mich freuen, wenn auch andere Ökonomen mal darüber nachdenken, ob das Gleichgewichtszinsniveau nicht zeitweilig tiefer liegt, als es unser Geldsystem erlaubt – denn Geldbasis ist selbst nominal fix mit 0% verzinst – und ein Substitutionsgut für Geldanleger.

    Auch Formeln, wie die Taylor Regel, die der FED Hinweise auf die Leitzinshöhe gibt, deuten auf ein tief negatives Zinsniveau hin. Interessenten können auch in diesem Zusammenhang mal nach Prof. Mankiw (Harvard), Prof. Illing (Uni München) und Prof. Buiter (London School of Economics) und deren Aussagen über negative Zinsen recherchieren.

    Ohne etwas am Geldsystem selbst zu ändern, wird es aber nicht gehen. Lösungsansätze gibt es da viele. Aus Neuverschuldung finanzierte Konjkunkturprogramme gehören nicht dazu.

  • Rico Schaf

    Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie weit der Irrglaube an die positive Wirkung planwirtschaftlicher Maßnahmen als Antwort auf die Krise voranschreitet. Es scheint sich tief in das kollektive Bewusstsein der Ökonomen gebrannt zu haben, dass die Ursachen dieser Finanzkrise in einem Marktversagen zu suchen sind, das durch den Mangel an staatlicher Regulierung verursacht wurde. Man könnte ja eventuell auf den Gedanken kommen, dass Niedrigzinspolitik und fast unbegrenzte Kreditexpansion auch einen Teil zu den Fehlentwicklungen der letzten Jahre beigetragen hat. Was ist bloß mit den Wirtschaftswissenschaften passiert, dass ernsthaft der Gedanke diskutiert wird, man könne nachhaltige Investitionen mittels negativen Zinsen anregen? Auf welchem theoretischen Fundament basiert der Glaube, dass man den wichtigsten Preis eines jeden Wirtschaftssystems, nämlich den Preis des Geldes, beliebig manipulieren kann ohne das dies mit langfristigen Konsequenzen verbunden ist?
    Aber sie haben recht, langfristige Perspektiven sollten in der aktuellen Debatte unberücksichtig bleiben. Wir haben ja einen Ausnahmezustand! Lassen sie uns alle das Geld verschenken und hoffen, dass alle Menschen besoffen genug sind, um Kredite aufzunehmen und bloß ihr Geld auszugeben. Paul Krugman hat ja in seinem Blog schon wenig subtil beschrieben was den Menschen droht, falls sie sich weiterhin weigern ihr Geld aus dem Fenster zu schmeissen. Wir inflationieren es ihnen einfach weg – und zwar zum Wohle uns aller!
    Billiges Geld hat diese Krise verursacht, billiges Geld holt uns wieder aus ihr raus. Was in den nächsten Jahren passiert, darum kümmern wir uns wenn es so weit ist…

  • An meinen Vorredner: Wenn durch ein Überangebot irgendeines Konsumgutes der Gleichgewichtspreis unter Null fällt – z.B. weil auch Entsorgungskosten anfällt – würde auch kein Ökonom auf die Idee kommen, den Anbietern die Produktion abzukaufen. Bei Kredit aber, ist das faktisch so, den Geldbasis ist nominell mit 0% verzinst und in der Rezession bei einer Inflation von ca. 0% auch real zu 0% verzinst. Der Gleichgewichtzins aber kann nunmal unter der Nullinie liegen.

    Außerdem sind die meisten Ökonomen wohl noch eher Ihrer Meinung, und nur ganz wenige Vordenker, wie Herr Prof. van Suntum oder auch der Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Paul Krugman, erkennen, dass der Gleichgewichtszins derzeit negativ ist und nur ein Festpreis (0% auf Geldbasis) den Marktpreis darüber hält.

  • Rico Schaf

    Die Diskussion über einen (fiktiven) Gleichgewichtszins ist obsolet. Wir beobachten gerade, wie Banken das billige Geld dafür verwenden um an Finanzmärkten mit Aktien, Rohstoffen und sogar Staatsanleihen (Geld mit 0% leihen und zu 3% beim Staat anlegen!) enorme Gewinne zu erzielen und keineswegs die Kreditvergabe auszuweiten. Und man könnte ja auch mal darüber nachdenken, ob die Kreditkonditionen deshalb so schlecht sind, weil alle Banken die durch Niedrigzinsen ausgelöste erwartete Inflation einpreisen. Glauben Sie ernsthaft, dass diese Liquiditätsflut eingesammelt werden kann ohne das es zu enormen Inflationsraten kommt?

  • Erstaunlich also nicht zu billiges Geld hat den ganzen Ballon zum Platzen gebraucht und wohl auch nicht die Tatsache das überhaupt nicht mehr gespart wurde.

  • Sebastian

    Ich stimme SChaf zu. Aus folgender Überlegung heraus.

    Der Zins ist in jedem Fall ein Preis. Abstrakt ist er der Preis für die Verfügbarkeit von Kapital. Konkret ist er der Preis für das Leihen von Geld, was dann zum Kauf von Kapitalgütern dient. (daher ist es trotz der korrekten Trennung von Geldmarkt- und Kapitalmarktzinsen, zwischen denen ein fließender Übergang in Form der yield-curve besteht korrekt möglich, den Zins als PREIS für etwas anzusehen).

    Ein Preis ist immer dann positiv, wenn etwas knapp ist, also ein Bedarf besteht. Ist der Preis einmal negativ, dann hieße das, dass eine negative Nachfrage also das Gegenteil von Knappheit herrscht – das bsp. von Müll ist nicht schlecht. Müll hat einen negativen Preis – nichts anderes als negative PReise sind die Kosten, die bei der Entsorgung entstehen.

    Doch nun kommt die Frage, die uns Herr Prof. van Suntum beantworten könnte: Wo gab es jemals in der Weltgeschichte einen Überfluss an Kapital (dessen Preis der Zins ja abbildet) ??? Kapital ist definitonsgemäß der Teil des sozialproduktes der gespart und nicht konsumiert wird. Der “Überschuss” sozusagen.
    Doch solange die menschheit noch keinen Garten Eden bewohnt – und mit sicherheit zu aller Zeit bis einschließlich 2009 – wird kapital knapp sein!

    Solange wir in einer Welt der Knappheit leben, wird der natürliche Zins (Wicksell, aber auch Mises) positiv bleiben.

    Freilich hält das die Notenbanken nicht davon ab, ihren Leitzins für eine Zeitlang ins Negative abzusenken. Doch eines sollte klar sein: dadurch kann der natürliche Zins nicht hinabgedrückt werden. Und die Diskoordination zwischen dem gesetzlichen Preis der Notenbank (Leitzins) und dem Marktpreis (natürlicher Zins) wird unweigerlich zur nächten Krise führen.

    Doch womöglich müssen wir gar nicht auf die Feldversuche dieser neuen Generation von Gesellianern warten. Die Staatsanleihen übernehmen sukzessinve den Status den früher die Subprime-KRedite hatten….

  • Rolf

    Wenn ein “Gleichgewichtspreis” für Kredit tatsächlich im negativen Bereich läge (also wenn das “Gut” Kredit in Wahrheit ein “Schlecht” wäre und keinen “Nutzen” sondern “Kosten” bringen würde), dann würde der Markt eben genau das widergeben und man würde einen Marktzins von unter null beobachten können!

    Unternehmen möchten aber auf wundersame Weise dennoch dieses “Ungut” namens “Kredit” erwerben. Sie sind sogar dazu bereit einen Positiven Preis (Zins) zu bezahlen – obwohl unser Studiosus sagt, Kredit sollte derzeit einen negativen Preis haben.

    Beschämend im Land der Dichter und Denker so einen Nonsens erspähen zu müssen.