Wenn keine Notwendigkeit für ein Gesetz besteht, besteht die Notwendigkeit, kein Gesetz zu erlassen. Baron de Montesquieu, 1689 - 1755, französischer Schriftsteller und Staatstheoretiker

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Ingenieurmangel bremst Aufschwung

Im internationalen Vergleich bildet Deutschland vile weniger Ingenieure aus.

Deutschlands Wirtschaft boomt. Um 2,2 Prozent ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal gegenüber den ersten drei Monaten gestiegen. Getrieben wird dieser Aufschwung maßgeblich von den Exporten der so genannten hochwertigen Technologien: Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Chemischen Industrie. Aber schon heute verursachen fehlende Fachkräfte in diesen Branchen Wachstumsverluste. Besserung ist nicht in Sicht. Denn Deutschland mangelt es schlicht an wissenschaftlichen Nachwuchs, wie auch der internationale Vergleich offen legt.

Auf 1.000 erwerbstätige Ingenieure kamen im Jahr 2007 in Deutschland lediglich 35 Hochschulabschlüsse der Ingenieurswissenschaften. Im Vergleich dazu zählte Tschechien relativ zu den beschäftigen Ingenieuren mehr als sechsmal so viele Absolventen mit technischen Abschlüsse. In Frankreich waren es immerhin noch gut doppelt so viele wie in Deutschland. Verschärft wird das Defizit zudem noch dadurch, dass viele ausländischen Absolventen Deutschland nach dem Studium verlassen, hauptsächlich weil die bürokratischen und rechtlichen Hürden zu hoch sind, um sich hier niederzulassen. Die Politik könnte maßgeblich zur Lösung des Ingenieurmangels beitragen, indem sie beispielsweise das Bleiberecht für ausländische Absolventen, vor allem für Akademiker aus Nicht-EU-Ländern, vereinfacht.

  • Surp

    Wenn man einen Staat mit Bürokratie und überflüssigen Gesetzen, Subventionen, Berufsbildern (die auch noch besser verdienen) etc. zuflastert. Ist das denk ich logisch.

    Des Weiteren wird absichtlich eine riesige Unterschicht erzeugt, da man die dann schön betreuen und verwalten kann, das macht Sinn und schafft Arbeit!

    Dazu noch ein irrationales Umverteilungssystem, welches mit seinen ganzen Steuern, Gebühren etc. auch Unmengen an Arbeitsplätzen schafft, die auch noch interessanter sind, als am Fortschritt der Gesellschaft zu arbeiten.

    Als Krönung eine komplett geisteskrank Finanzwirtschaft, die nur Schaden anrichtet und niemals einen wirklichen Nutzen erbracht hat. Die Realwirtschaft kann ma nim Internetzeitalter auch eleganter mit Liquidität versorgen.

    Ingenieurmangel ist genau wie Ärtzemangel eine reine Erfindung, da man einfach nicht bereit oder evtl. auch nicht fähig ist die Ressourcen zu nutzen, aus welchen Gründen auch immer.

    In einer Geslleschaft, die nichtmal 50% der derzeitig Erwerbstätigen wirklich braucht, kann man mir nicht erzählen, das WIRKLICH in irgendeinem Bereich, der adäquat bezahlt wird Fachkräfte fehlen. Auch viele Ingenieure würden nicht gebraucht werden, da sie an Dingen forschen, die irrelevant sind, weil sie die obengenannten Negativleister betreffen.

    Die letzte Frage ist dann, wer soll eigentlich die ganzen tollen Produkte kaufen, wenn andere Länder auch über die Techologie verfügen und das werden sie bald. In einer Welt die rasend schnell extrem transparent wird, gibt es bald keien Betriebsgeheimnisse mehr (das ist schön für unsere Richter udn Anwälte). Somit kann ma nzwangsläufig nur den nnovationswettlauf (wenn er ansich überhaupt notwendig ist) nicht gewinnen, egal wieviele Ökonomen und Wissenschaftler darüber debadieren und ihre Statistiken dazu auswerten.

    Ich bin immer so polemisch, aber langsam ist auch mal gut mit Dummschwätzerei. Handeln ist gefragt, um diese Gesellschaft in ein rosige Zukunft zu führen oder ins Nichts (ich tippe mal auf für den Großteil wird leider das Nr. 2 gelten)

  • Karl-Heinz

    Ingenieurmangel find ich erstmal gut. Könnte dieses doch dazu führen , dass Ingenieure im Alter von 50+ nicht so häufig auf dem Abstellgleis landen und Einsteiger ihrer Ausbildung entsprechend entlohnt werden.

    “Denn Deutschland mangelt es schlicht an wissenschaftlichen Nachwuchs, wie auch der internationale Vergleich offen legt.”

    Diese Ableitung ist doch grotesk.
    2007 gab es in Deutschland ca. 650000 Ingenieure.
    Bezogen auf Tschechien mit 214 Abschlüssen auf 1000 erwerbstätige Ingenieure, hiesse das für Deutschland jedes Jahr knapp 140000 neue Ingenieure.
    Gestern habe ich irgendwo gelesen , dass bis 2017 200000 Ingenieure fehlen sollen.
    Da blieben aber in 7 Jahren 800000 frischgebackene Ingenieure auf der Strecke.

    Wie sagt dann der arbeitslose Ingenieur zu dem der Arbeit gefunden hat?
    Richtig.

    “Eine Currywurst und eine Pommes Majo bitte”.

  • Michael Klein

    @Surp
    Alles, was Sie bis hier schreiben: “Ingenieurmangel ist genau wie Ärtzemangel eine reine Erfindung, da man einfach nicht bereit oder evtl. auch nicht fähig ist die Ressourcen zu nutzen, aus welchen Gründen auch immer.” halte ich fuer richtig. Aber dass es zu wenige Ingenieure gibt, ist keine Erfindung, sondern eine Tatsache, da zu wenige entsprechende Faecher studieren, was kein Wunder ist, angesichts einer staatsfeminisierten Kuemmerkultur, die bereits in der Grundschule mit einem Lehrerinnenanteil von rund 75% beginnt. Wenn man dann noch hinzunimmt, dass so “kalte” Taetigkeiten wie Technologie (gar nicht zu reden von Gentechnologie, Kerntechnologie …) gesellschaftlich nicht gut angesehen sind und man sich verdaechtig macht, wenn man Entsprechendes studiert und – fuer den Fall dass man es dennoch tut, im Ausland lukrativere, angesehenere und bessere Arbeitsplaetze warten, warum sollte man dann in D. bleiben und sich zum gesellschaftlichen Aussenseiter machen, der – um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen – fuer diejenigen, die ihn zum Aussenseiter machen und schief ansehen, bezahlen darf.

    Der Ingenieursmangel ist nur ein Ausdruck fuer ein tiefer liegendes gesellschaftliches Problem!

  • Surp

    @ Michale Klein

    Sie haben recht, ich meinte meinen Satz anders. Ich wollte damit sagen, dass wir den Ingenieur- und Ärtzemangel selbst erzeugen.

    Da in unserer Gesellschaft unproduktive und gesellschaftsschädliche Berufsbilder einen höheren Stellenwert besitzen, entscheiden sich viele junge Menschen für einen Beruf in diesem Bereich. Des Weiteren kann man in unserer Kultur nicht einfach mit 40 nochmal studieren etc., obwohl dies dringend geboten wäre.

  • Kammerjäger

    Anzumerken wäre, dass es nach mikroökonomischer Theorie keinen Mangel gibt, da es nach einer entsprechenden Preisbildung immer zu einer Markträumung kommt. Ausnahmen sind Marktversagen oder z.B. politisch gesetzte Preisobergrenzen. Was ist also los auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure?

    Es gab vor etwa 2 Wochen zwei Artikel in der Online Ausgabe der FAZ zum selben Thema. Die Artikel sind nicht weiter erwähnenswert, da sie keine weiteren Inhalte über das auch hier gesagte beinhalteten, aber die Leserkommentare verdienen Beachtung. Praktisch ausnahmslos haben sich alle kommentierenden Ingenieure dahingehend geäußert, dass sie diesen Beruf nicht wieder ergreifen würden, und ihren Kinder von dieser Berufswahl abraten würden.

    Es wurden ähnliche Gründe genannt wie Herr Klein sie ebenfalls anführt: Schlechte Arbeitsbedingungen, hohe Arbeitsbelastung, schlechte Perspektiven zur beruflichen Weiterentwicklung, ab einem bestimmten Alter hohes Arbeitslosigkeitsrisiko durch soziale Diskriminierung, niedriges Sozialprestige des Berufs und im Vergleich mit kaufmännischen Tätigkeiten zu niedriges Gehalt. Man fühlt sich sozusagen ausgenutzt und als Prügelknabe in der Gesellschaft und in den Unternehmen.

    Wer hier also als erstes gefordert wäre Verbesserungen durchzuführen wären also die Unternehmen selber, da diese Punkte fast alle in ihrem ureigenen Einflussbereich liegen.

    Kurzfristig wird es nur helfen, die soziale Diskriminierung älterer Bewerber einzustellen und marktgerechte, d.h. merklich höhere Gehälter zu bezahlen.

  • Wenn wirklich ein Mangel herrschen würde, warum steigen dann die Gehälter nicht deutlich an im Ingenieursbereich?

    “staatsfeminisierten Kuemmerkultur”
    Wichtig ist, dass der Staat schuld ist im Weltbild des Herr Klein. Das in den 90er Jahren die Industrie keinerlei Ingenieure haben wollte spielt heute natürlich keine Rolle. Das man als BWLer ein vielfaches mit dem rumschieben von Aktienpacketen und dem spekulieren an der Börse verdienen kann natürlich auch nicht. Es mag sein, dass der Staat seinen Einfluss hat, allerdings kann die Wirtschaft (wenn sie denn so einen großen Mangel hat) mehr Stipendien vergeben, Duale Studiengänge anbieten, etc. Wo bleibt denn die Initiative?

  • Michael Klein

    @chriwi
    Warum solll ein rationaler Unternehmer im derzeitigen gesellschaftlichen Klima investieren, wenn er Ingenieure en masse, die motiviert, gesellschaftlich angesehen und darueber hinaus mit einem Arbeitsethos versehen sind, nach dem man sich als Unternehmer nur sehnen kann, in Indien, China oder Jordanien haben kann? Ein schlichtes outsourcen von R&D loest hier alle Knappheiten und lohnt sich – in jeder Hinsicht.

    Der Staat ist nicht einmal in meinem Weltbild an allem schuld. Aber solange in D. die Verantwortlichen nicht einsehen, dass sie im internationalen Wettbewerb stehen und dass es keine z.B. “genetisch vererbte Bindung an D.” gibt, die Unternehmer dazu veranlasst, hoehere Kosten in D. in Kauf zu nehmen, und daraus die Konsequenz ziehen, ihre staendigen Einflussnahmen in den Markt zu unterlassen, wird sich am Trend, weg von Deutschland, nichts aendern.

    Zudem: Wenn ein Staat die Bildung monopolisiert und auch ansonsten fuer sich in Anspruch nimmt, alle entscheidenden Lebensplanungen besser erledigen zu koennen, als Individuen, ist es dann nicht normal, dass man ihn auch an diesem Anspruch misst und da, wo er vollstaendig versagt hat, feststellt, dass er vollstaendig versagt hat. Das hat nicht zuletzt den Vorteil, dass man (also man – generell – deutsche Politiker eher nicht) lernen kann.

  • Surp

    @ chiwri

    michael klein hat doch Recht, der Staat ist schuld. Egal wie gut er es meint, er macht nur Schwachsinn bzw. Preveligiert kleine Gruppen von Menschen.

    Der Staat sollte ein Schiedsrichter und gerechter Umverteiler sein, kein Bürokratiemonster.

    Es gab mal ein Bild von unserem Staat, da waren 2 Arbeiter abgebildet, die ein Pferd mit Korn fütterten, die Auscheidungen des Pferdes wurden von Vögeln verspeist, die sich die letzten Körner suchten.

    Über dem Pferd stand “Staat” über den Vögeln “Volk”. Nun fragten der eine Arbeiter den Anderen: “Wieso verfüttern wird das Korn nicht direkt an die Vögel?” Daraufhin sagte der Andere: “Das Pferd will das nicht!”

    So ist unser Staat, nur das er den Vögeln als Pferd auch noch fliegen beibringen will.

  • @Michael Klein

    Wenn es so einfach ist Ingenieure aus Indien, China oder Jordanien zu bekommen, warum jammern denn dann die Unternehmen?

    “hoehere Kosten in D.”
    Das ist eines ihrer Hauptargumente. Die Kosten in Deutschland sind bezogen auf die Produktivität locker wettbewerbsfähig. Wieso sonst waren wir jahrelang Exportweltmeister? Dennoch ist das BIP im Vergleich zu den skandinavischen Ländern deutlich schwächer gewachsen (trotz hoher Steuern und Löhne). Hohe Kosten sind nicht per se schlecht. Es kommt darauf an, was man für diese Kosten erhält.

  • Michael Klein

    @chriwi
    soweit ich sehe, jammern die Unternehmen, weil sie keine deutschen Ingenieure bzw. keine Ingenieure in Deutschland bekommen und zumindest fuer KMU der Weg aufs internationale Parkett immer noch etwas Ungewohntes. Die KMU, die international taetig sind, sind laengst dabei, Ihre R&D zu verlagern, z.B. Meggle, das mit JV Interchem (Pharmaunternehmen aus der Ukraine, dort marktbeherrschend), in der Ukraine gemeinsam R&D im Hinblick auf die Anwendung von Laktose in Arzneimitteln macht. Im uebrigen ist es nicht einfach, die Ingenieure zu bekommen, wenn man nicht outsourcen will. Der Wettbewerb um die entsprechenden Ingenieure ist hart und Deutschland zaehlt nicht zu den Laendern erster Wahl, wenn es darum geht, sich als Ingenieur fuer einen Arbeitsplatz zu entscheiden.

    “hoehere Kosten”
    Richtig, nicht die Hoehe der Kosten ist entscheidend, sondern das Verhaeltnis von Kosten und Produktivitaet und dieses Verhaeltnis hat sich Jahr fuer Jahr in D verschlechtert. Ausserdem kommen noch weitere Variablen dazu, wenn ich eine Standordentscheidung treffe, z.B. die rechtlichen Verhaeltnisse, die Macht von Gewerkschaften, die Eingriffe des Staates in die Betriebsfuehrung usw. Und da steht Deutschland, wie der letzte “Doing Business” Report der Weltbank abermals zeigt, nicht gut da.

  • “sich Jahr fuer Jahr in D verschlechtert.”
    Zur steigenden Entwicklung.
    http://www.wko.at/statistik/eu/europa-lohnstueckkosten.pdf

    Komisch ist wohl auch, dass zwar in Frankreich die Lohnstückkosten 12 Prozent niedriger lagen, Frankreich dennoch seit Jahren mehr importiert als nach Deutschland exportiert. Wenn Deutschland weltweit so schlecht dastehen würde wie behauptet, warum waren wir jahrelang Exportweltmeister? Warum schaffen es nur die Chinesen besser zu sein und das bei 16 facher Bevölkerung?

    “weitere Variablen”
    Da stimme ich ihnen absolut zu. Das die Gewerkschaften zu stark seien kann ich nicht teilen. Die Streikstunden in Deutschland sind sehr gering. Die Löhne steigen auch nur sehr wenig. Andere Dinge wie Infrastruktur und Bildung werden sträflich vernachlässigt. Über den Einfluss des Staates kann man streiten. Sicher hat der deutsche Staat einigen Einfluss, allerdings ist dieser Einfluss in anderen Ländern meist nicht deutlich geringer.

    “Der Bericht unterstreicht ferner, welche Aspekte nicht berücksichtigt sind. Dazu gehören z.B. die Korruptionswerte auf dem jeweiligen Markt, Bildungsstand der Bevölkerung, Qualität der Infrastruktur. Des Weiteren konzentriert sich der Bericht auch nicht auf spezielle nationale Vorschriften über ausländische Investitionen. Der Bericht betont, dass es nicht alle Faktoren, sondern nur zehn Stufen im Lebenszyklus eines Unternehmens – von seiner Gründung bis zu seiner Auflösung – auswertet. Die Studie beruht auf Standardszenarien, so wird z.B. bei der Bewertung des Verfahrens zur Unternehmensgründung die Rechtsform der Gesellschaft mit beschränkter Haftung in der größten Stadt des Landes vorausgesetzt. Der Bericht versteht sich selbst als “Cholesterintest”, der nicht alle relevanten Daten über den Gesundheitszustand liefert, es aber bezweckt, durch die Umstellung bestimmter Verhaltensweisen den Allgemeinzustand zu verbessern.”
    http://www.gtai.de/fdb-SE,MKT201003158007,Google.html

    Einige wichtige Parameter werden also gar nicht angegangen. Wie viel sagt also diese Studie wirklich aus?