INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 

Die grandiose Wohlstandsillusion

Die Hiobsbotschaften von den Finanzmärkten reißen nicht ab. Immer mehr Schuldnerstaaten in Europa müssen hohe Zinsen als satte Risikoaufschläge bezahlen, um weiter Kredite zu erhalten. Immer größer wird der Druck auf die Europäische Zentralbank, mit der Notenpresse dagegen zu halten und die Staatsschulden zu monetarisieren.

 

Die Wallstreet und die amerikanische Politik machten in den vergangenen Monaten vor allem die Europäer für die Krisenstimmung im weltweiten Finanzsystem verantwortlich. Doch die USA steuern selbst schnurstracks auf ein Staatsdefizit von 100% der US-Jahreswirtschaftsleistung zu. Amerika ist also Teil des Problems, nicht die Lösung. Selbst in China häufen sich die Warnsignale. Der graue Kapitalmarkt, auf dem sich viele Chinesen für horrende Zinsen Geld geliehen haben, weist ein Volumen auf, das dem des offiziellen chinesischen Bankensystems entspricht.

Ob es uns passt oder nicht: Wir erleben in diesen Monaten und erst recht in den nächsten Jahren das Platzen einer grandiosen Wohlstandsillusion. Der kreditfinanzierte Konsum ist an seine Grenzen gestoßen. Kein Wirtschaftswachstum der Welt wird die Zinseszins-Dynamik mehr  ausgleichen können. Der Pumpkapitalismus in Amerika und Europa hat ausgespielt.

Die Alternative ist brutal: Wenn wir so weitermachen wie in den vergangenen Jahrzehnten, dann provozieren wir entweder eine Währungsreform, die mit einem Schlag die liquiden Vermögen entwertet. Die sanftere Variante heißt Inflation, die denselben Effekt über die Jahre erzielt. Ein dritter Weg wird bereits in der politischen Linken diskutiert: Lastenausgleich oder Vermögensabgabe. Wer etwas hat, wird vom Staat mit einer Zwangsabgabe belegt.

Die Aussichten sind höchst unerfreulich. Wir werden unserer Wohlstandsillusionen beraubt. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

24 Kommentare zu “Die grandiose Wohlstandsillusion”

  1. Dieter Limberger sagt:

    Es ist doch unhaltbar das täglich über 600Milliarden Euro an den Börsen um den Globus laufen, wo nur Spekuliert wird. Damit wird kein Volkswirtschaftlicher Mehrwert geschaffen. Diesem Handeln muss ein ende gemacht werden. Diese
    Spiele haben bereits über 40 Millionen Menschen in die Armut getrieben. Was ist das nur für eine gewissenlose Gier sich ständig auf Kosten der Ärmsten zu bereichern. Investmentbanken gehören aus dem normalen Bankengeschäft ausgegliedert, und müssen für Ihre Risikogeschäfte voll die Verantwortung alleine tragen. Wenn ich sehe das Länder wie China in der ganzen Welt Landflächen aufkauft, wird doch die Verarmung in diesen Ländern zunehmen moderner Neokapitalismus. Die Erde ist doch schon lange am Limit, Raubbau, Überbevölkerung zu hohe Militarisierung Korruption , Ausbeutung, Unterdrückung

  2. @ Autor

    Wir haben keine Wohlstandsillusion, wir habe eine gefühlte Armutsillusion, weil wir einfach nicht bereit sind die Dinge mal anders zu denken.

    Das ist alles und das ist das erschrecken de wir lassen uns von ein paar Pseuoeliten so dermaßen vearschen, dass man es nicht mehr in Worte fassen kann.

  3. Kammerjäger sagt:

    Wir hören jetzt alle auf uns zu verschulden und sparen stattdessen. Die Summe aus Sparen und Verschuldung ist zwar immer gleich 0, deshalb wird Herr Metzger sicher den nächsten Wirtschaftsnobelpreis gewinnen, weil er “unmögliches möglich gemacht hat”

    Außerdem verbessern wir alle gleichzeitig unsere Wettbewerbsfähigkeit. Hat Herr Röseler letztens gesagt. War sogar im Fernsehen.

  4. Kan man sehen wie man will.
    Aber wer wenn diie Ausgaben höher sind als die Einnahmen muss es kollabieren. Eine etwaige Krise in China ist nichts Neues. Die Erkenntnis schon lange vorhanden, nur der Zeitpunkt noch offen. Aber diese asiatische Krise hat durchaus auch andere Gründe.

  5. Ich glaube es war Bernd Hansjürgens, der in einem Beitrag über die Ordnungspolitik Walter Euckens im Jahre 2002 geschrieben hat, dass ein Staat, der sich zum aktiven Mitstreiter im Markt macht, der umverteilt, sich zum Diener unterschiedlichster Interessen macht, letzten Endes zwischen den verschiedenen und widerstreitenden Interessen zerrieben wird. Ich halte das, was derzeit passiert, deshalb nicht für einen Raub der Wohlstandsillusion, sondern für das natürliche und zwangsläufige Ende dessen, was man in Deutschland “soziale Marktwirtschaft” nennt. Wenn Regierungen Anreize dafür setzen, dass Interessengruppen nicht an Märkten konkurrieren, sondern alle ihre Energie dafür einsetzen, um Sonderrechte und Privilegien mit der Regierung zu feilschen, dann führt dies genau in das Chaos, das derzeit herrscht. Die derzeitige Krise ist so etwas wie das Epitaph auf die “steuernde Marktwirtschaft” eines Karl Schiller.

  6. @ Kammerjäger
    Immer für die Extreme gut. Die Verschuldung muss abnehmen, das Sparen muss ansteigen. Von einer Nullverschuldung hat niemand etwas gesagt. Aber auch Sie müssen doch zugeben, dass unsere Verschuldung – wenn es so weiter geführt wird – ein Problem in der nächsten Generation verursachen wird. Und ebenfalls müssen Sie eingestehen, dass wir eine recht hohe Verschwendung unnützer “Investitionen” haben. Genau das ist gemeint. Nicht das Extrem.

    Aber Sie haben recht. Nein, haben Sie nicht. Hätten Sie aber gerne. Sie sind schliesslich Vollblutökonom und glauben an das Übergeordnete.

  7. Das Problem in den USA wie auch in Deutschland ist hausgemacht. Erst senkt der Staat massiv die Steuern im Spitzenbereich und bei den Unternehmen und dann wundert er sich, dass er kein Geld hat. Der Wohlstand ist da nur unglaublich ungleich verteilt. Dies wird bei der Diskussion ebenso oft vergessen, wie die Tatsache, dass den Schulden Gläubiger gegenüber stehen. Diese Gläubiger sind eben jene Spitzenvermögen, welche durch Steuern entlastet wurden. Geringere Staatsverschuldung kann gar nicht im Interesse dieser Gruppe liegen, denn dann müssten sie ihr Vermögen deutlich riskanter anlegen.

  8. Kammerjäger sagt:

    @Markus: Von einer Nullverschuldung habe ich auch nicht gesprochen. Das die Summe aus Krediten und Guthaben immer Null ist, ist eine zwingende Logik aus der VGR-Buchhaltung.

    Jeder Euro, den der Staat, oder wer auch immer, als Schulden hat, hat ein irgendein Gläubiger als Forderung in der Bilanz. Eine Rückführung der Verschuldung des Staates muss zwingend zu einem Rückgang des Sparens im Privatsektor führen. (Oder zu einer Erhöhung des Exportüberschusses in einer offenen Volkswirtschaft, und damit zur Verunmöglichung des Sparens zum Beispiel in Griechenland).

    Ich kann entweder für die Riesterrente sparen, weil sich der Staat verschuldet, oder ich kann es nicht, weil sich niemand Geld leiht, der Staat sich nicht mehr verschuldet und alle anderen auch riestern wollen. Was nun? Sich einen Future auf den steigenden Reispreis kaufen?

    “Aber auch Sie müssen doch zugeben, dass unsere Verschuldung – wenn es so weiter geführt wird – ein Problem in der nächsten Generation verursachen wird. ”

    Nein, nicht zwingend. Ich hatte das hier einmal an anderer Stelle dargelegt dass sich der Staat im Vergleich zu privaten ungleich günstiger verschulden kann. Entscheidend ist, wofür er sich verschuldet.

  9. @ Kammerjäger

    Sie sehen Staatsverschuldung sehr positiv (grundsätzlich ist das was sie sagen auch korrrekt), ich sehe sie kritisch, da viele Verteilungskämpfe so in die Zukunft vertagt werden können, zumindest solange niemand die Bonität des Staates anzweifelt.

    Das die Riesterrente grundsätzlich total daneben ist, ist ein anderes Thema. Aber hat natürlich indirekt auch mit unser falschen Sparmentalität zu tun. Sparen ist für eine Volkswirtschaft genauso schlecht wie verschulden, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

    Grundsätzlich sollte gelten, wer nicht konsumieren will, muss investieren. Aber dafür brauchen wir erstmal eine andere Finanzwirtschaft.

  10. @ Kammerjäger
    Genau das ist der Knackpunkt, welcher hier immer debattiert wird. Die unnötige Verschuldung.
    Denn einen Faktor benennen Sie hier gar nicht, nämlich die anwachsende Zinslast. Und diese, sowie das Kapital, müssen die nächsten Generationen stemmen. Wenn also de facto der Staat die Ausgaben erhöht, muss die Einnahme entsprechend sein – denn auch soweit muss das Saldo stimmen. Sonst haben wir den klassischen Fall der gegebenen Überschuldung. So, und jetzt mal ernsthaft: bei einer stark abnehmenden Bevölkerung muss doch die Produktivität – damit die Einnahmen – überproportional steigen. Diesen Trend kann ich jedoch gar nicht erkennen. Jeden euro, den der Staat ausgibt, muss er irgendwo einsammeln. Und finanziert er sich über Steuern, müssen diese steigen (Über Erhöhung oder über etwaig höhere Einkommen der Zahler). Finanziert er sich über Kredite, müssen diese steigen und verzinst werden. Und je höher die Kreditlast desto höher die Zinsen da Bonität niedriger. Faktisch können Sie also nciht den Status Quo beliebig linear betrachten. Dass die Bilanz ausgeglichen ist, hat damit jedoch nichts zu tun. Das ist schliesslich das Wesen einer Bilanz. Aber es lohnt doch der Blick in die einzelnen Posten. Und um diese geht es.

    Ob es “Sinn” macht, einen Bahnhof in Stuttgart zu bauen, eine Oper in Hamburg oder sonst etwas sei dahingestellt. Dafür haben wir das Schwarzbuch von Bund der Steuerzahlen, wo die unfähigen Entscheidungen dargestellt werden.

    was glauben Sie, wer die Bürgschaften für Griechenland bezahlt, sollten diese genutzt werden? Was wäre die Folge? Das werden die jetzt 20-jährigen ableisten müssen. Und diese Generation hat auch ohne dies nichts zu lachen.

    Wir müssen uns klarmachen, dass Deutschland den aktuellen Status in der Welt nicht halten kann. Wir gehören zu den Verlierern der Zukunft. Nicht weil wir schlecht sind, sondern weil andere besser werden, und gleichzeitig billiger sind. Unser alltäglicher Luxus und unsere mangelnde EInsatzbereitschaft (Gewerkschaftlich abgesegnet bei 38 Stunde/ Woche und 30 Urlaubstage, Kündigungsschutz, etc.) wird uns zum Verhängnis, in rund 30–50 Jahren wird es sehr deutlich werden. Mit diesem System haben wir langfristig keinen Erfolg, und deshalb müssen die Ausgaben des Staates gesenkt werden, umd wenigstens diese Last zu mindern.
    Oder man schiebt es ewig weiter, bis es irgendwann nicht mehr geht. Und dann hoffen wir auf einen Schuldenschnitt von China und Indien.

  11. @Markus
    “Und diese, sowie das Kapital, müssen die nächsten Generationen stemmen”

    Dann werden also Vermögen nicht weitervererbt? Schulden müssen eben nicht von der ganzen nächsten Generation getragen werden. Der Staat könnte sich sehr einfach seiner Probleme entledigen, wenn er zum Beispiel eine Unternehmens-, Vermögens- und Erbschaftssteuer wie in den 70er-80er Jahren einführt. Das möchte man nicht, da es die Anreize angeblich zerstört. Dabei waren zu diesen Zeiten die Wachstumsraten deutlich höher als heute. Es ist also ein Märchen, dass niedrige Steuern mehr Anreiz zum arbeiten geben. Wieso sollte ich auch mehr arbeiten, wenn ich für die gleiche Arbeit mehr Geld bekomme?

    “(Gewerkschaftlich abgesegnet bei 38 Stunde/ Woche und 30 Urlaubstage, Kündigungsschutz, etc.)”
    Da werden ihnen die Hotels aber widersprechen. Irgendwann muss man das Geld was man verdient schließlich auch ausgeben. Deutschland ist wirtschaftlich erfolgreich und hat viele Urlaubstage. Offensichtlich ist der Zusammenhang viel Urlaub=schlecht doch nicht so kausal.

  12. @ chriwi
    “Irgendwann muss man das Geld was man verdient schließlich auch ausgeben”
    Eben nicht.

    “Deutschland ist wirtschaftlich erfolgreich und hat viele Urlaubstage”
    Aber nicht effizient. Und das ist eben nicht nachhaltig. Dafür muss man auch weiter in die Zukunft blicken. Der kausale Zusammenhang wurde so von mir nicht aufgestellt. Ausserdem habe ich keine Wertung gut/schlecht vorgenommen.

    Vermögen werden vererbt. und zwar individuell. Die Schulden werden solidarisiert. Oder wollen Sie nun die Vermögen antasten um die Defizite anderer auszugleichen? Na herzlichen Dank. Dann bezahlt letztlich der erfolgreiche Unternehmer für das unfähige wirtschaften Anderer. Oder besser gesagt. Erfolg lohnt sich nicht, Misserfolg und Fehlverhalten wird nicht geandet. Warum genau soll ich also nun mehr Leistung erbringen? Was hatte Adam Smith erzählt?

  13. “Eben nicht.”
    Dann habe ich den Sinn des Geldes nicht verstanden. Geld ist eine Art potentielle Kaufkraft. Geld an sich bringt gar nichts. Nur wenn es zirkuliert, d.h. verwendet wird bei Konsum, oder in Form von Investitionen bringt es etwas. Wenn ich arbeite konsumiere ich sehr wenig. Fahre ich in Urlaub, dann konsumiere ich mehr. Somit sind Urlaubstage durchaus ein Vorteil.

    “Aber nicht effizient. Und das ist eben nicht nachhaltig.”
    Was ist denn bitte schön effizient unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten? Auf dem Binnenmarkt ist das für eine Volkswirtschaft sehr schwer zu bestimmen. Beim Außenhandel ist Deutschland sehr wettbewerbsfähig. Genau deshalb gibt es ja die Probleme innerhalb der EU. Da Frage ich mich was wir gewinnen, wenn man länger arbeitet? Schon jetzt sind Millionen Arbeitslos, bzw. würden gerne mehr arbeiten, können es aber nicht. Wo ist es effizient die wenigen mehr arbeiten zu lassen, welche Arbeit haben und viele nicht arbeiten zu lassen?

    “Dann bezahlt letztlich der erfolgreiche Unternehmer für das unfähige wirtschaften Anderer. ”
    Wenn der erfolgreiche Unternehmer seine Lobbygruppe in den Bundestag schickt und Gesetze durchdrückt, welche ihm niedrige Steuern und geringere Verantwortung, bzw. Subventionen gewähren, ist er dann erfolgreich oder bereichert er sich beim Rest der Bevölkerung?
    Denken sie mal darüber nach wer von der Bankenrettung am meisten profitiert. Sicherlich nicht diejenigen, welche nichts gespart haben. Nun kommen aber alle für diese Rettung auf.

  14. @ chriwi
    Also wie weit sind Sie von der Realität entfernt?
    Ich kenne niemanden, der 100% seines Einkommens in den Konsum zurückbringt. Ein gewisser Rest wird immer gespart. Und wenn Sie so nett vom Urlaub reden: Nicht jeder verbringt seinen Urlaub am Mittelmeer. Manche bleiben auch zu Hause und machen rein gar nichts.

    Effizient:
    Halten Sie es für effizient, wenig zu arbeiten, damit weniger zu leisten? Und vergessen Sie doch mal das volkswirtschaftliche Geplänkel. Es geht darum, dass diejenigen mehr arbeiten, die etwas beitragen können. Es geht nicht darum, möglichst viele anzustellen. Das ist blanke Theorie – Sie können nicht die ARbeitskraft beliebig austauschen. jeder Volkswirt erzählt, dass Arbeit gleich Arbeit ist, also ein Ingenieur gleich eines Bäckers ist. Sie auch mit Ihrem Kommentar.

    “Dann bezahlt letztlich der erfolgreiche Unternehmer für das unfähige wirtschaften Anderer. ”
    Gehen Sie doch darauf ein. Das hat mit dem Bankensektor nur bedingt etwas zu tun, denn Dautschland hat auch andere Branchen. Und nicht jeder – eher die wenigsten – erfolgreichen Unternehmen haben eine Lobby. Der Mittelstand ist hier beispielhaft gemeint.

  15. @ chriwi
    Für die Bankenrettung kommt nur der Steuerzahler auf. Und das sind nicht alle. Und es profitieren wesentlich mehr, als man annimt. Schauen Sie sich nur an, wieviele Privatinvestoren bei der Lehman-Pleite betroffen waren – und da ging es oft um wirkliche Peanuts, also um Anlagen um die 10-50 TEuro.

    Das mit der Lobby kann ich ich wirklich so nicht stehen lassen: Denn Sie setzen den Einzelunternehmer mit 300.000 Jahresumsatz mit internationalen Konzerngiganten gleich. Diese Pauschalisierung ist für jeden engagierten Unternhemen einfach nur frech.

  16. “Ich kenne niemanden, der 100% seines Einkommens in den Konsum zurückbringt.”

    Bei ungefähr 30-40% der Bevölkerung ist das so. Diese Menschen haben 0 Euro an erspartem, bzw. Schulden. Einfach mal die Einkommens- und Vermögensstatistiken beim statistischen Bundesamt nachlesen.

    “Halten Sie es für effizient, wenig zu arbeiten, damit weniger zu leisten?”
    Die Menge der Arbeit sagt nichts über die Leistung aus. Das ist schon in der Physik so. Da entspricht Leistung Arbeit/Zeit. Wird in wenig Zeit genug gearbeitet, dann ist die Leistung hoch. Die Länge der Arbeitszeit sagt nichts über die Effizienz der Arbeit aus. Wie lange kann ein Programmierer, ein Bauarbeiter, etc. 100% seiner Fähigkeiten abrufen? Sicherlich nicht 20 Stunden am Tag und sicher auch nicht 10 Stunden. Die Erholungsphasen verlängern die 100%. Das heißt, dass längere Pausen durchaus in der Summe mehr bringen und effizienter sind als längeres arbeiten.

    “Es geht nicht darum, möglichst viele anzustellen. Das ist blanke Theorie – Sie können nicht die ARbeitskraft beliebig austauschen.”
    Darum geht es ja auch nicht. Wenn sie vorher 100 Leute brauchen, welche 100 Stunden arbeiten müssen um A zu produzieren und sie verlängern deren Arbeitszeit, dann brauchen sie nur noch 80 Leute bei gleichem Lohn. Was hat sich geändert? Das Ergebnis ist das gleiche bei geringeren Kosten für den Unternehmer. Die Gesellschaft verliert das Einkommen und die Kaufkraft von 20 Personen und muss mittels Sozialleistungen diese Abfangen. Wer bezahlt das? Natürlich die 80 Personen. Das heißt diese 80 Personen werden mit mehr Arbeit und zusätzlichen sozialen Kosten belastet. Grandiose Efiizienz.

    “Der Mittelstand ist hier beispielhaft gemeint.”
    Der Mittelstand ist auch nur Spielball der Politik und der Großkonzerne wie es die Arbeitnehmer sind. Viele der Unternehmer dort würden höhere Löhne zahlen. Sie müssen sich aber dem Druck der Großen beugen. Dort wird auch wenig durch Steuern entlastet.

    “und da ging es oft um wirkliche Peanuts, also um Anlagen um die 10-50 TEuro.”
    Suchen sie Menschen in diesem Land die 50 TEuro auf der hohen Kante haben. Da sind sie schon in der oberen Hälfte der Vermögensstatistik. Das heißt die Hälft profitiert nur sehr indirekt.

    “Denn Sie setzen den Einzelunternehmer mit 300.000 Jahresumsatz mit internationalen Konzerngiganten gleich.”
    Das war nicht meine Absicht. Diese Unternehmer haben von den Steuergesetzen der letzen 10-20 Jahre faktisch nicht profitiert. Eher wurden sie bestraft. Diese Menschen leiden ebenso wie die Arbeitnehmer unter der Allianz der Konzerne und der Politik.

  17. @ chriwi
    “Bei ungefähr 30-40% der Bevölkerung ist das so. ”
    – Das ist richtig und mir durchaus bekannt. Aber für unsere Diskussion hinfällig, da diese “Gruppe” keine Steuern bezahlt und simit auch zB die Bankenrettung o.Ä. nicht tragen. Weiterhin generiert die Gruppe kein Einkommen und trägt somit auch nicht zum Steueraufkommen bei. Diese Gruppe arbeitet nicht und geht nicht in Urlaub. Diese Gruppe kann also hierbei nicht berücksichtigt werden. Für mich stellt Hartz IV kein EInkommen im klassischen Sinne (natürlich ist es dennoch Einkommen).

    “Halten Sie es für effizient, wenig zu arbeiten, damit weniger zu leisten?”
    Dann lesen Sie doch meinen Kommentar: 38 Stunden/ Woche, 30 Tage Urlaub. Ich halte das für zu gering, vergleichen Sie doch mit anderen, aufstrebenden Ländern. Vergleichen Sie das mit jedem Selbständigen. Und kommen Sie mir nicht damit, dass diese (tariflichen) Rahmenbedingung die Grenze der physischen und psychischen Belastung darstellen. Ich sehe eine ganz klare Tendenz zur Minderarbeit aus Bequemlichkeit, viel haben wollen, relativ wenig Leistung erbringen. Das sehe ich bei Arbeitnehmern, und auch schon bei Studenten. Und diese Entwicklung, das Ausruhen auf Wohlstandsbasis, auf den Leistungen voriger Generation, das ist enorm gefährlich!

    ““Es geht nicht darum, möglichst viele anzustellen. Das ist blanke Theorie – Sie können nicht die ARbeitskraft beliebig austauschen.”

    An Ihrer Antwort erkenne, ich, dass Sie noch nie Mitarbeiter gesucht und eingestellt und geschult haben. Wissen Sie, wir suchen seit 4 (!) Jahren Mitarbeiter und finden keine geeigneten. Es liegt nicht an der Bezahlung, sondern an mangelder Eingung der Bewerber. Die Suchkosten sind derweil schon astronomisch und die Umsatzausfälle enorm.

    Über Ihr Beipsiel weiterhin: Es wäre schön, wenn jeder so sozial denken würde. Aber eine wirtschaftliche Unternehmung hat nur einen Sinn: Nämlich Geld zu verdienen, und zwar zu Gunsten des Unternehmers. In Wahrheit wird Ihnen jeder Angestellte in den Rücken fallen, wenn es um Jobsicherung oder Geld geht. Kein Angestellter würde wie St. Martin auf die Hälfte seines Einkommens verzichten, damit ein andere nicht gekündigt wird. Da ist sich in der Praxis jeder selbst der nächste.

    “Der Mittelstand ist auch nur Spielball der Politik und der Großkonzerne wie es die Arbeitnehmer sind.”
    Ohen den Mittelstand wären wir längst am Ende. Der Mittelstand ist nciht Spielball, sondern Zuschauer. Und das ist gut so.

    “Suchen sie Menschen in diesem Land die 50 TEuro auf der hohen Kante haben”
    Nur wer Geld hat, kann auch anlegen. Und nur wer anlegt, kann auch verlieren. Ist doch logisch. Und wer nichts hat, dem kann man auch nichts nehmen.

    “Diese Unternehmer haben von den Steuergesetzen der letzen 10-20 Jahre faktisch nicht profitiert”
    Im letzten Kommentar haben Sie sich wieder qualifiziert.

    Fazit: Ihre Theorie ist m.E. durchaus korrekt, sehe ichz ebenfalls so. Aber Ihre Übertragung auf die Praxis scheint mir sehr realitätsfremd. In der Wirtschaft kommen alle ökonomische Modelle und Überlegungen schnell ans Limit. Und das würde ich gerne mehr in Ihren Argumenten wiederfinden.

  18. Kammerjäger sagt:

    @Markus:

    Ich versuche es noch einmal formal aufzuschrieben: Die “Accounting Identity” zwischen Sparleistung, Haushaltsdefizit und Leistungsbilanz:

    S-D=NX (NX ist die Leistungsbilanz EX-IM)

    S-D-NX = S-D-Ex+Im = 0

    Wenn der Staat sich nicht im Inland Verschulden kann, dann muss er ein entsprechendes Leistungsbilanzdefizit haben, d.h. die Wirtschaft verschuldet sich im Ausland.

    Kann der Staat eigentlich sein Haushaltsdefizit beeinflussen? Wenn D sich verringert, also Defizit abgebaut wird, dann muss sich entweder die Sparquote verringern, oder die Leistungsbilanz verbessern. Wenn S und NX konstant bleiben, wird jeder Versuch des Staates, durch Sparentscheidungen den Haushalt zu verbessern, zu einer Veränderung der Steuereinnahmen und Ausgaben führen, zum Beispiel durch Schrumpfung des BIPs, die wieder zu einer exakt selben Verschuldung führen.

    Der Staat sollte stattdessen also, um Defizite effizient abbauen zu können, Maßnahmen ergreifen, die entweder das inländische Sparen oder die Außenhandelsbilanz beeinflussen. Das Staatsdefizit ist nur die resultierende Größe.

    Unsere Wohlstandsillusion ist diese, dass wir werthaltiges Sparvermögen besitzen. Diese kann man nur dann verbessern, in dem wir weniger sparen. Ein sparfinanziertes Rentensystem ist illusorisch. Die Lüge der Politik ist die, dass sie sagt, des Haushalt könnte gesundgespart werden. Er kann in einem Land wie Deutschland mit hoher Sparquote nur durch höhere Steuern gesunden.

  19. @ Kammerjäger
    Ich widerlege mal am praktischen Beispiel:

    Wenn der Staat keine Pensionen resp. verrignerte Pensionen ausgibt, dann ändert sich am Steueraufkommen nur marginal etwas, denn diese Einkommensgruppe gibt das geld nicht zu 100% für den Konsum aus, also auch kein Rückfluss.
    Sie haben natürlich völlig recht, mit der Illusion des gesundsparens. Aber ich kann als Staat nicht auf der einen Seite die Steuern erhöhen und auf der anderen Seite die Ausgaben erhöhen. Das Saldo ist null – also wirkungslos.
    Weiterhin bin ich der Meinung, dass unsere Steuerbelastung hoch genug ist, ja sogar am finanziellen Limit. Wenn ich meine Steuerbelastung betrachte, ist der Beweis gegeben.

    Auch ich sehe das Problem des Sparvermögens als das Hauptproblem. Aber selbst die aktuell niedrigen Zinsen führen nicht dazu, dass mehr Geld ausgegeben wird. Warum nicht? Weil ein Porsche in der Garage genügt. Einen zweiten benötigt man nicht.
    Es wäre m.E. wesentlich sinnvoller, wenn der Staat den Bürgern wesentlich mehr sichere Kredite für zB Immobilien anbietet. Dann werden keine Barvermögen mehr gespart, sondern gleich fürs Alter vorgesorgt. Zwei Vorteile. Problem: Diese Anreize gibt es für Einkommensgruppen (zB Ehepaar) bis Jahreneinkommen 52000 Euro. Wer so wenig verdient, sollte sich m.E. kein Haus im Wert von 400.000 Euro leisten – je nach Eigenkapital.
    Das Problem ist, dass wir die Spargelder nicht freisetzen können, sondern dass man verhidnern muss, dass Bargeld angespart wird. Und hier muss man ansetzen.

    Dass der Staat auch hierfür nciht geeignet ist, hat man bei der Emmission der Bundesanleihen gesehen. Der Bürger hat ganz einfach Angst vor der Zukunft und versucht sich mit Sparvermnögen abzusichern.

    Kammerjäger: Wir verdrehen uns in der Diskussion, es geht eher um die Ausgabenpolitik anstelle der grundlegenden Sparpolitik.

  20. “Diskussion hinfällig, da diese “Gruppe” keine Steuern bezahlt und simit auch zB die Bankenrettung o.Ä. nicht tragen.”

    So dann zahlt diese Gruppe also keine Mehrwertsteuer, keine Mineralölsteuer. Diese Gruppe zahlt auch nicht mehr Geld bei irgendwelchen Ämtern, wenn ein neuer Personalausweis beantragt wird, etc. Bloß weil jemand keine Lohnsteuer zahlt, heißt das noch lange nicht das er stark mitbelastet wird. Die Einsparungen im sozialen Bereich spare ich aus.

    “Wissen Sie, wir suchen seit 4 (!) ”

    Sie extrapolieren aus ihren Erfahrungen auf die gesamte Volkswirtschaft. In bestimmten Bereichen gibt es sicher Engpässe. Das wird aber eher die Ausnahme als die Regel sein. Sonst würde man versuchen Menschen weiterzubilden. Ältere Arbeitnehmer würden eigenstellt. Warum kann ein Ingenieur mit 50 nicht mehr als Ingenieur arbeiten. Wenn es ein breites Problem darstellt, dann werden Lösungen entwickelt.

    “Ein sparfinanziertes Rentensystem ist illusorisch. Die Lüge der Politik ist die, dass sie sagt, des Haushalt könnte gesundgespart werden.”
    So lange die Menschen nicht verstehen, dass sparen immer auch bedeutet, dass sich irgendjemand verschulden muss werden sie dieser Illusion aber folgen.

  21. “Diskussion hinfällig, da diese “Gruppe” keine Steuern bezahlt und simit auch zB die Bankenrettung o.Ä. nicht tragen.”
    Einkommen = Einkommenssteuer. Zzgl. mehr Geld für Konsum = wesentlich mehr MwSt. = wesentlich mehr weitere Ausgaben. Rechnen Sie doch selbst nach: Hartz IV sind ca 400 Euro. Wieviel MwSt können Sie hieraus maximal herausziehen? So, und nun bilden Sie das Saldo zu den gesamten Einnahmen des Staates. Das sind die dann die Arbeitnehmer und Rentner. Und Sie werden sehen, die MwSt durch Konsumausgaben von Hartz IV Empfänger ist nur marginal. Ebenfalls, weil auf viele Nahrungsmittel 7% gelten, und bei so wenig Geld einfach hierfür viel ausgegeben werden muss.
    LKauft ein Arbeitnehmer ein Auto – na dann lohnt sich das. Oder wieviele Hartz IV Bezieher besitzen ein Automobil?

    “Sie extrapolieren aus ihren Erfahrungen auf die gesamte Volkswirtschaft. In bestimmten Bereichen gibt es sicher Engpässe. Das wird aber eher die Ausnahme als die Regel sein.”
    Nein, definitv nicht. denn dies ist in vielen Branchen typisch. Haben Sie jemals ein Vorstellungsgespräch geführt? Die Ausnahme bilden höher qualifizierte Jobs. Aber in der Masse ist es zunehmend schwieriger und auch die Fluktuation hat zugenommen (bei einfachen Tätigkeiten).

  22. Kammerjäger sagt:

    @Markus:

    Gutes Beispiel, der Pensionär hat sicher eine geringe Sparquote. Wenn also an den Pensionen X Euro gespart werden, dann verringert sich die Konsumnachfrage um X, damit die Umsatzsteuereinnahmen und 0,19 mal X, ein paar Händler und deren Zulieferer verdienen auch ein klein wenig weniger und bezahlen weniger Steuern usw. usf. Aber wie groß ist daraus der Nettoeffekt auf den Haushalt?

    Wenn wir mal einfachhaltshalber annehmen, das die anderen Betroffenen trotz des leicht geringeren Einkommens ihre Sparleistung konstant halten, muss man nur noch die Verringerung der Importnachfrage herausrechnen. Wenn die Quote der importierten Konsumgüter 20% beträgt, wird sich das Außenhandelssaldo also um 0,2*X verbessern, und dann Steuereinnahmen zwingend um 0,8*X fallen, womit also effektiv nur 20% der Einsparmaßnahme sich tatsächlich im Haushalt niederschlagen.

    Das ganze hat ziemlich wenig mit Meinung zu tun, vielleicht kann man über die konkreten Zahlen noch einmal diskutieren. Das kommt aber schlicht aus der Buchhaltungslogik, so wenig intuitiv sich das Ergebnis auch anhört. In einem Lehrbuch der VGR sollte das ganze im ersten Kapitel zu finden sein.

    Leider hat der Autor offensichtlich noch nie ein Lehrbuch der VWL in der Hand gehabt. Seine Sichtweise ist zwar politischer Mainstream, aber im Grunde schädlich für die Wirtschaftsentwicklung.

    Was Ihre persönliche Steuerquote betrifft: Die ist sicher niedriger wie Sie glauben. Ziehen sie erst einmal die Abgaben ab (Renten und Krankenversicherung, denn dafür bekommen sie eine genau definierte Gegenleistung), und dann verwechseln Sie bitte nicht ihren Grenzsteuersatz mit ihrem Steuersatz. Der Steuersatz beträgt nämlich bei einem zu versteuerndem Einkommen (= Brutto minus Absetzbeträge) von 100.000 Euro 33%.

  23. @ Kammmerjäger
    und wir haben immer dasselbe Problem: Denn wir wissen nicht, wie hoch die Ausgaben in Prozent vom Einkommen sein werden.
    Fakt ist jedoch, und das steht sicher auch im ersten Kapitel, dass uns nur fliessendes Kapital hilft. Sobald jedoch “zuviel” Geld bei einer Person ist, ist es volkswirtschaftlich nciht wünschenswert, denn es entsteht ein Sparguthaben. Und genau dieses ist unser Ansatz. Dass wir es nicht verringern können ist die eine Seite, die andere Seite setzt jedoch an der Verhinderung eines Vermögensaufbaus an. Es ist zwar wünschenswert, adss jeder Mensche ein Vermögen aufbaut um eine Alterssicherung zu haben, aber am Tag des Ablebens muss auf dem Konto eine null stehen. Und genau hierfür benötigen wir die Instrumente. Und genau das meine ich doch. Und dieses Intstrument gibt es noch nicht.
    Ok, das steht vielleicht erst im zweiten Kapitel.

  24. Die Illusion geht weiter…

    Beim Verfassen des Artikels “Wirtschaftskrise: Die Illusion zerbricht” wären viele weitere Illusionen zu nennen gewesen, von denen jetzt einige in einem eigenen Artikel ihren Platz finden. Die Bürger sind seit langem nur noch Zuschauer eine…

Kommentieren Sie den Beitrag

Der Autor:

Oswald Metzger

ist Buchautor und ausgewiesener Haushalts- und Finanzexperte. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Deutschen Bundestag an.

Alle Beiträge von