Was Wachstum schafft, darf sehr wohl mit Schulden finanziert werden. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

6 ArbeitsmarktBildungSteuern und Finanzen

Wenig Jobs für einen Euro

Der Bundesagentur für Arbeit geht die Arbeit aus. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt sorgt dafür, dass die BA rund 10 Prozent der Stellen abbauen kann. Gut so, denn auch die BA muss sparen. Seit Jahren werden Zuschüsse aus dem Steuersäckel benötigt.

Richtig ist auch, dass das Bundesarbeitsministerium nun die milliardenschweren Ausgaben für Ein-Euro-Jobs zusammenstreicht. Allein dafür wurden 2009 rund 1,7 Milliarden Euro vom Steuerzahler benötigt. Den Sprung in eine ungeförderte, sozialversichungspflichtige Anstellung 6 Monate nach Ende der Maßnahmen schafften trotzdem nicht einmal 9 Prozent. Viel schlimmer noch: Ein-Euro-Jobs können die Arbeitssuchenden bei der Suche nach einem richtigen Arbeitsplatz sogar noch einschränken. Und die Arbeit, die in den kommunalen Werkstätten von Ein-Euro-Jobbern erledigt wird, kann genauso gut von privaten Anbietern erledigt werden.

Ohnehin scheint es erfolgreicher zu sein, Eingliederungszuschüsse an Arbeitgeber zu zahlen,  die schwer vermittelbare Arbeitslose einstellen. In Zwei-Drittel der Fälle resultierte das in einer festen und sinnvollen Beschäftigung.

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Markus

    Naja Frau Döttling, dann haben Sie sicher auch die Mühe gemacht, die Opportunitätskosten auszurechnen, um ihre Aussagen auch faktisch belegen zu können.

  • Seit Jahrzehnten werden Unsummen für Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik ausgegeben. Weil in der Regel Maßnahme A nichts bringt, werden die Mittel nach einiger Zeit in Maßnahem B umgeschichtet, die auch nichts bringt, ergo folgt Maßnahme C und so weiter. Niemand kommt mehr auf die Idee, aktive Arbeitsmarktpolitik als solche in Frage zu stellen, was ich mir nur so erklären kann, dass der Eingriff von Regierungen in den Arbeitsmarkt mittlerweile nicht mehr gerechtfertigt werden muss, sondern als normal angesehen wird, selbst von denen, die sich als Verfechter einer Marktwirtschaft ansehen. Folglich fände ich es sinnvoller, anstatt ständig das Scheitern einer neuen Maßnahme zu dokumentieren, zu beklagen oder zu feiern, sich mit der Idee aktiver Arbeitsmarktpolitik auseinanderzustzen und sich der alten Studien von z.B. Scarpetta (1997, p.72) zu erinnern, in denen bereits gezeigt wurde: „Active labour market programmes (ALMPs) appear to have a negative impact on unemployment. However, the Evidence suggests that increases in spending on ALMPs do not translate into equi-proportional falls in unemployment since the programmes give rise to large substitution and displacement effects on employment“.

    Aber wie immer, wird die Macht des “Glaubenwollens” alle empirischen Belege einfach nur wegschwemmen.

    Scarpetta, Stefano (1997). Assessing the Role of the Labour Market Policies and Institutional Settings on Unemployment: A Cross-Country Study. OECD Economic Studies 26: 43-96.

  • @Michael Klein
    Ich denke auch, dass eine Arbeitsmarktpolitik wie sie heutzutage betrieben wird nur sehr begrenzt wirksam ist. Bei den Ein Euro Jobs zeigt sich, dass die Kosten nicht annähernd den Nutzen decken. Arbeitsplätze werden zerstört oder durch welche mit Dumpinglöhnen ersetzt. Es sind eben versteckte Subventionen. Deutlich effektiver ist es durch Investitionen die Nachfrage zu erhöhen und dadurch die Arbeitsplätze indirekt zu erschaffen. Auch vernünftig wäre es den öffentlichen Dienst auf den OECD Durchschnitt auszubauen. Mehr Lehrer, Steuerfahnder, etc. sind sicher nicht verkehrt. Dies wäre billiger und effektiver. Die Hälfte der Hartz 4 Kosten gehen für die Verwaltung drauf. Dabei sollten ursprünglich dort die Kosten sinken.

  • @chriwi
    Ist Ihr Beitrag eigentlich ironisch gemeint? Vor allenm der Abschnitt mit dem Ausbau des öffentlichen Dienstes? Wenn Sie das ernst meinen, dann widerspreche ich Ihnen energisch. Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die Mittelschicht haben ebenso wie die Steuergeschenke ein Ausmaß angenommen, das selbst den so schön euphemistisch benannten European Financial Stability Fund (interessanter Weise ein SPV nomen est omen!) in den Schatten stellt.

  • @Michael Klein
    “Ist Ihr Beitrag eigentlich ironisch gemeint?”
    Nein eigentlich nicht. In Schulen gibt es zu wenig Lehrer, in Krankenhäusern und bei der Polizei gibt es ebenfalls zu wenig Personal. Warum sollte man dies nicht aufgreifen und dort Arbeit schaffen? Im Pflegebereich wird immer wieder der Notstand ausgerufen, weil es zu wenig Personal gibt. Warum kann man es dann nicht einfach einstellen? Mehr Arbeit bedeutet automatisch, dass mehr Geld in Löhne fließt was der restlichen Wirtschaft nützt.

    “Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die Mittelschicht”
    In vielen Verwaltungen gebe ich ihnen Recht. Der Verwaltungsapparat der nach der Agenda entstanden ist, ist deutlich zu groß und zu teuer. Dort kann man von mir aus Stellen kürzen. In vielen anderen Bereich sehe ich allerdings Bedarf. Da ich nicht glaube, dass die Qualität der Schulen, Krankenhäuser, Universitäten oder der Sicherheit durch Privatisierung steigt und/oder die Kosten sinken, bleiben nur Neueinstellungen.

    “wie die Steuergeschenke ein Ausmaß angenommen”
    Natürlich kann man Steuergeschenke nur denjenigen geben die Geld haben und Steuern zahlen. Somit bleibt nur die Mittelschicht und/oder das oberste Drittel der Gesellschaft. In diesem Bereich sehe ich ein Problem, aber nicht das Hauptproblem. Das Hauptproblem ist das Fehlen von Vollzeitstellen, welche halbwegs gut bezahlt werden.

  • Surp

    Am aller effektivsten ist es grundsätzlich auf Erwerbsarbeitsplätze fast überhaupt keinen Wert zu legen und zu versuchen jeden unproduktiven Arbeitsplatz abzubauen.

    Ein Anfang dafür wäre ein BGE (oder wie man es auch nennen möchte).

    Kostet aber viele gut bezahlte Arbeitsplätze in der Armutsindustrie und bei einer weitreichenden Steuerreform, werden dann auch gleich alle Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Finanzbeamte etc. arbeitslos.

    Dieses Spiel kann man bis in die Spitze treiben, wenn man jedes Gesetz, jede Subvention etc. auf den Prüfstand stellt (wird zu einem radikalen Abbau führen) und dann werden auch in diesem Bereich alle arbeitslos.

    Ich bin der Meinung, wenn das BGE sehr hoch wäre, kann man den Wohlstand für fast jeden Bürger erheblich erhöhen, da die Ressourcen DIREKT an die Bürger fließen und nicht in Verwaltung etc. investiert werden müssen, damit jemadn einen Einkommensberechtigungsplatz erhält.