Das höchste Ziel des Kapitals ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens. Henry Ford, 1863-1947, US-amerikanischer Unternehmer

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Mehr Ältere in Lohn und Brot

Seit den Hartz IV Reformen ist die Beschäftigungsquote der älteren Erwerbspersonen wieder stark angestiegen. Grund für die niedrige Quote bisher, waren vor allem falsche Anreize.

Als die Große Koalition die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre beschloss, hagelte es Proteste. Der Hauptvorwurf: Die niedrige Erwerbsbeteiligung von Arbeitnehmern zeige, dass Ältere auf dem Arbeitsmarkt ohnehin kaum Chancen mehr hätten, angeblich aufgrund rasch sinkender Leistungsfähigkeit jenseits des 50. Lebensjahres.

Doch weit gefehlt: Die niedrige Beschäftigungsquote von älteren Arbeitnehmern war nicht das Ergebnis fehlender adäquater Arbeitsplätze, sondern das Resultat falscher Anreize. Seit durch die Hartz-Reformen ein frühzeitiger Berufsausstieg finanziell unattraktiv ist, erlebt die Beschäftigung der 55-64-Jährigen einen rasanten Anstieg.

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Bis 2003 lag die Beschäftigungsquote der 55-64-Jährigen in Deutschland laut OECD über einen langen Zeitraum stabil bei 39 Prozent. Sechs Jahre später waren es schon 56 Prozent. Nicht einmal die wirtschaftliche Krise konnte diesen Anstieg bremsen. Aktuell dürfte die Quote daher schon bei 59 Prozent angelangt sein. Deutschland ist damit auf dem besten Weg, wichtige Vergleichsländer wie Großbritannien und die USA zu überholen. Gleichwohl muss und kann noch einiges getan werden, damit dieser Trend auch in Zukunft noch anhält. Auch die älteren Arbeitnehmer sind gefordert. Sie müssen sich entsprechend den notwendigen Erfordernissen des Arbeitsmarktes konsequent weiterbilden.

Dass Deutschland in dieser Hinsicht bislang eher mäßig abschneidet, ist vermutlich ein Nachhall der bis vor kurzem noch gängigen Frühverrentungspraxis. Wer davon ausgeht, sich mit Mitte 50 aus dem Arbeitsleben zu verabschieden, hat schon mit Mitte 40 keinen großen Anreiz mehr, noch in Weiterbildung zu investieren. Den geänderten Rahmenbedingungen dürfte jedoch schon bald ein mentaler Wandel folgen. Zur Aufrechterhaltung von Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit gibt es dazu angesichts des rückläufigen Nachwuchses jedenfalls keine Alternative

  • Autor

    PD Dr. Hilmar Schneider

    ist Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA).

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