Nichts entzweit ein Volk so sehr wie Steuern und Orden. Von den einen nimmt man an, dass sie zu Unrecht verlangt, von den andern, dass sie zu Unrecht gegeben werden. Terence Frisby, *1932, englischer Schriftsteller

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Wer länger lebt, kann länger arbeiten

Die Rechnung ist simpel: Lebt man länger, erhält man entsprechen länger Rente. Was erfreulich für den Einzelnen ist, belastet unsere Rentenkasse. Denn bleibt bei steigender Lebenserwartung das Rentenzutrittsalter unverändert, entspricht die längere Bezugsdauer de facto einer Rentenerhöhung, die wir uns kombiniert mit niedriger Geburtenrate aber leider nicht mehr leisten können. Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 war deshalb ein richtiger Schritt. Konsequenterweise müsste man aber noch weitergehen. Denn wer länger lebt, kann auch länger arbeiten.

Positiv ist: Die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zwischen 50 und 64-Jahren hat in Deutschland  deutlich zugelegt. Doch im OECD-Vergleich steigen die Deutschen früher aus dem Berufsleben aus als Erwerbstätige in vielen anderen Staaten. Männer gehen hierzulande mit 61,8 Jahren und Frauen mit 60,5 Jahren in Rente. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 63 Jahren für Männer und 62 Jahren für Frauen. Bemerkenswert ist: In Mexiko und Südkorea hören Männer erst mit über 70 Jahren auf zu arbeiten. Angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland sollten wir 2029 nicht bei 67 Jahren aufhören, sondern schrittweise das Zutrittsalter weiter anheben.

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Surp

    Grundsätzliche stimem ich Ihnen zu. Man sollet aber selbst entscheiden wieviel man noch arbeitet ohne gleich Eistenzängeste zu bekommen.

    Ich kann mich nur wiederholen: Wo ist der Unterschied zwischen einem Pensionär, einem Rentner und einem Arbeitslosen?

    Warum bekommen aber alle unterschiedlich hohe Einkommen vom Staat?

  • Markus

    Werte Frau Döttling,
    und wo ist ihrer Statistik die zweite Seite: Das Eintrittsalter? Ist es doch nicht auch so, dass gleichzeitig die Menschen erst später ins Berufsleben einsteigen, im Saldo also kürzer im Leben arbeiten? Ist nicht auch dies unser Problem – oder sind nun alle Frührentner schuld?

    Als Akademiker lässt sich leicht sagen, länger arbeiten ist richtig. Als körperlich arbeitener Anbgestellter sind Grenzen rein biologischer Natur – wenn dei Bandscheiben versagen. Und die halten sicher nicht bis 67! Bieten Sie doch diesen körperlich arbeitenden Menschen, die uns Akademiker die Mühen für wenig Geld abnehmen, eine echte Alternative!
    Die Gesellschaft ist eben nur so stark, wie die schwächsten Mitglieder. Ihr Beitrag ist demnach nicht nur einseitig, sondern auch ungerecht und eben unvollständig. Schade, es ist nämnlich ein wichtiges Thema – und von Ihnen hätte ich eigentlich mehr Differenzierung erwartet als schnöde ökonomische Rechenleistung…es geht Ihnen doch lediglich um die Rentenansprüche und nicht das tatsächliche Ende der Arbeitszeit – benennen Sie es doch dann auch uns bleiben Sie ehrlich.

    Aber nett, dass Sie uns mit Mexiko und Südkorea vergleichen – sind wir uns doch auch so ähnlich… ;-)

  • Frau Döttling haben sie sich auch mal mit den Tatsachen auseinander gesetzt?

    “kombiniert mit niedriger Geburtenrate aber leider nicht mehr leisten können”
    Warum? Steigt die Produktivität etwa nicht. Haben wir keine Arbeitslosen? Müssen Kinder nicht auch versorgt werden? Produzieren wir so wenig, dass wir die zusätzliche Arbeitskraft benötigen?

    “Die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zwischen 50 und 64-Jahren hat in Deutschland deutlich zugelegt.”
    Könnte dies primär daran liegen, dass das Durchschnittsalter der Arbeitnehmer insgesamt gestiegen ist?

    “In Mexiko und Südkorea hören Männer erst mit über 70 Jahren auf zu arbeiten. ”
    Ist Mexiko nicht ein Widerspruch zu ihrer ersten These. Dort ist die Geburtenrate deutlich höher als in Deutschland und dennoch müssen die Menschen dort länger arbeiten. Könnte es nicht eher mit dem Umverteilungsmechanismen zusammenhängen? mexiko mit Deutschland zu vergleichen ist unsinnig. Mexiko ist ein Schwellenland und Deutschland ein Industrieland. Südkorea ist wenigstens fast ein passender Vergleich. Dort arbeiten die Menschen in meinen Augen aus kulurellen Aspekten länger. So lange 9 Millionen Menschen in Deutschland gerne länger arbeiten wollen, es aber aufgrund eines Mangels an Stellen nicht können, braucht man doch das Renteneintrittsalter nicht erhöhen. Seit Jahren ist Höhe der geleisteten Gesamtarbeitsstunden rückläufig.
    Was passiert also, wenn sie das Eintrittsalter erhöhen? Sie steigern die Arbeitslosigkeit und haben nichts gewonnen. Auch diese Menschen werden durch den Staat finanziert. Das heißt sie sparen in der linken Tasche und geben es in der rechten wieder aus. Das ist nachhaltiges Wirtschaften.

  • Wo kommt eigentlich das Eintrittalter in Südkorea her? Diese Quelle sagt aus, dass es bei 60 Jahren und mittelfristig bei 65 liegt.

    http://www.deutsche-im-ausland.org/sozialversicherung-im-ausland/laender-mit-sozialversicherung/suedkorea/land/asien/suedkorea.html#c1680

  • Markus

    “Die Rechnung ist simpel: ”

    ….ist es eben nicht…siehe Kommentare…mehrfach widerlegt.

  • Milchmädchenrechnungen sind immer simpel…und falsch.

  • Markus

    @ Fleur
    falsch würde ich nicht sagen, angesichts der zugrunde liegenden “simplen” Thesen. Eben nur eine Halbwahrheit. Schön gerechnet…

  • Linsel

    @Markus
    Teil Ihres Beitrages:
    Bieten Sie doch diesen körperlich arbeitenden Menschen, die uns Akademiker die Mühen für wenig Geld abnehmen, eine echte Alternative!
    Die Gesellschaft ist eben nur so stark, wie die schwächsten Mitglieder.

    Das klingt schon etwas herablassend . Ich glaube nicht das sich der Maurer der Ihr Haus baute,der LKW Fahrer der Ihnen die Lebenmittel in den Supermarkt fährt oder die Krankenschwester die Sie versorgt wenn Sie übers PC Kabel fallen sollten sich als die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft fühlen.
    Klar sie werden schlechter bezahlt als Akademiker. Das hat aber nichts mit Schwäche zu tun!

    Im Bezug auf eine Differenziertere Betrachtung stimme ich Ihnen aber zu.

  • Markus

    @ Linsel
    Ich habe mich schon auf das Gehalt bezogen. Und Sie stimmnen mir doch sicherlich zu, dass das Vermögen auch Einfluss auf das persönliche Umfeld und die Chance hat – ungeachtet der tatsächlichen Qualifikation. Vermögende Menschen werden immer eine grössere Lobby haben, Menschen mit mittleren und niedrigen EInkommen sind dagegen schwach.
    ich meinte nicht die Personen als solche – sondern ihren Einfluss, ihre Stellung in Relation. Die Anerkennugn der Gesellschaft ggü. einem Arzt ist wesentlich höher als ggü einem Krankenpfleger. Und das wird nicht anhand der vollbrachten leistung bewertet. So meine ich das.
    Desweiteren – je einfach im Sinne der Komplexitiät der Tätigkeit – die Arbeit ist, desto auswechselbarer ist man. Ein LKW Fahrer kann schnell “ersetzt” werden, ein Ingenieur nicht. D.h., dass der LKW Fahrer immer als Erstes dran glauben muss. Egal, wie Leistungsfähig er ist. Das meine ich miot “schwächste”.

    Ich erkenne idei Berufe durchaus an, ich sehe die Leistung, ich bin mir bewusst dass die körperlich arbeitende Bevölkerung den Akademikern (und die sich dafür halten) den hohen Lebenstandard überhaupt erst ermöglicht.

    Es mag herablassend klingen. Meine Position gewährt jedoch nicht die Ansicht von oben. Ich persönlich stehe nicht darüber (aufgrund meines Einkommens, deshalb berechtige ich mich so zu urteilen – ich bin nichts besseres in diesem SInne) Klassische Schichten Diskussion eben….

  • Karl-Heinz

    “Positiv ist: Die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zwischen 50 und 64-Jahren hat in Deutschland deutlich zugelegt.”

    Supi!
    Und von den 63 und 64 jährigen gelten jeweils 10% als beschäftigt.
    Die Arbeitsplätze teilen sich dann noch auf in Vollzeit , Teilzeit , Minijob , 1 Euro Job und Ruhephase bei Altersteilzeit.

    “Männer gehen hierzulande mit 61,8 Jahren und Frauen mit 60,5 Jahren in Rente.”

    Auf gut Deutsch muss es heissen:
    Sie sind zumeist gegangen worden.
    Jeder der frühzeitig in Rente geht, muss Abschläge hinnehmen.
    Sie stellen das so dar , als wenn alle Frührenter eine so hohe Rente bekommen , dass sie gerne auf einen hohen Anteil verzichten um die Rente länger zu geniessen.
    Das ist doch Quatsch , quätscher geht’s nicht.
    Meine Rente ab dem 61. Lebensjahr lag Netto um ca. 350 Euro niedriger als die prognostizierte Regelaltersrente mit 65.
    Das heisst auch , dass der Verlust bei Rentenerhöhungen immer weiter zunimmt.
    Man kann natürlich sagen, 350 Euro ist nicht die Welt , aber mit dem Speiseplan von Sarrazin, könnte ich mich damit 3 Monate lang vollwertig ernähren, oder hier am Ort die Kaltmiete für eine 70 qm aufbringen.

    Aber der deutsche Michel geht laut Frau Döttling lieber früher in Rente , holt sich noch liebend gerne Wohngeld bzw Grundsicherung im Alter vom Staat , als noch ein paar Jährchen dranzuhängen.

    MaL WIEDER ein Beitrag , den kein Mensch braucht.
    Oder wie mein Freund Albert (80) immer zu sagen pflegt:
    Wie Ökonnomen arbeiten , so möchte ich mal meinen Urlaub verbringen.

    PS:
    Albert hat mir bei Renovierungsarbeiten geholfen und in der Küche Fliesen verlegt sowie die Elektroinstallation ausgeführt.
    Durch meine Rente mit Abschlag , war ich nicht in der Lage ein Handwerksunternehmen zu bezahlen.
    So sorgen niedrige Renten halt für mehr Schwarzarbeit
    Ob das Frau Döttling als Mitglied der Rürup-Kommission alles mit berücksichtigt hat , wage ich zu bezweifeln.j

  • Surp

    Die Rente mit 67 war immer als Rentenkürzung vorgesehen, grundsätzlich spircht auch nichts dagegen, dass bestimmte Personenkreise eine weit geringe Altersvorsorge beziehen sollten.

    Aber die Rente mit 67 trifft genau die Gruppe (Handwerker etc.), die sie nicht treffen sollte. Ich halte bei der Altersvorsorge einen Haircut bei Pensionen oder Rentenber 2000 Euro für absolut notwendg. Gleichzeitig darf man aber soviel hinzuverdienen wie man möchte.

    Ohe Altersbezüge sidn nichts anderes als Diebstahl an den nachfolgenden Generationen. Grundsätzlich lehen ich eigentlich Pensionen als auch Renten komplett ab, sie sind schreiend ungerecht.

  • Markus

    @ Surp
    dann müsste man doch ganz anders ansetzen: Nach 40 Arbeitsjahren (oder ähnlich) steht der volle Rentensatz zu.

  • Linsel

    @ Markus

    Auf der Basis können wir uns vertragen!