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Ein Sanierungskonzept für Griechenland

Die Probleme in Griechenland scheinen endlos. Zu den offen ausgewiesenen Staatsschulden in Höhe von etwa 350 Milliarden Euro bzw. 150 Prozent des BIP kommt nach Berechnungen der EU-Kommission noch einmal mehr als das doppelte in Form von zukünftigen demografischen Lasten oben drauf. Die wahre griechische Staatsschuld beläuft sich auf weit mehr als 400 Prozent des BIP. Dazu kommt ein laufendes Defizit von 10,5 Prozent und eine kaum wettbewerbsfähige Wirtschaft. Kurzum: Das Land ist bankrott. Aus eigener Kraft, kommt Griechenland aus diesem Desaster nicht mehr raus. Und immer mehr gutes Geld dem schlechten hinterherzuwerfen ist nicht länger tragbar.

Dabei gäbe es einen gangbaren Weg: Die Idee ist ein Rückkauf der griechischen Schuldtitel am Markt zum aktuellen Kurswert durch die EZB. Da der Kurswert unter dem Nominalwert liegt, reduziert sich damit automatisch die Schuldenlast des Landes, wenn die EZB auf einen Teil der Rückzahlung verzichtet. Die EZB hat ohnehin Staatsanleihen im Gesamtwert von 47 Milliarden zum jeweiligen Tageskurs erworben. 20 Prozent des Nennwerts könnten ohne einen Cent Verlust erlassen werden. Auch die noch im Umlauf befindlichen Anleihen, wie auch die als Sicherheit für Kredite an griechischen Banken hinterlegten Papiere könnte die EZB zum Kurswert aufkaufen und die Differenz zum Nennwert den Griechen ergebnisneutral gutschreiben. Die Risiken für den Steuerzahler mit diesem Sanierungskonzept sind deutlich niedriger als mit einem „Haircut“ oder der Fortsetzung der bisherigen, rein reaktiven Politik. Die griechische Staatsverschuldung könnte so um 50 Milliarden sinken.

Das Konzept ist nur als Notfallplan zu verstehen. Sünden ohne Reue ist ordnungspolitisch ein ernstes Problem. Soll der hier vorgeschlagene Rettungsweg tragfähig sein,  muss er mit knallharten Vorkehrungen für die Zukunft verbunden sein. Zudem muss Griechenland die Entschuldung dazu nutzen, um fiskalisch oder ökonomisch wieder auf Dauer Fuß zu fassen. Und natürlich ist auch eine eigene Beteiligung an den Kosten der Sanierung unerlässlich.


Das Sanierungskonzept wurde gemeinsam mit Prof. Thorsten Polleit und Dr. Anton Wiegers entwickelt. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie hier.

6 Kommentare zu “Ein Sanierungskonzept für Griechenland”

  1. Dieter Graef sagt:

    Schön das es diesen Blog gibt. Aber rein auf die Finanzen bezogene Maßnahmen werden wohl nicht ausreichen um die Griechenlandkrise zu lösen. Dazu muss etwas “kulturformendes” kommen das über die Zeit die Ansichten zu Schmiergeld, Steuerhinterziehung und Ähnlichem bei einem signifikantem Teil der Bevölkerung ändert.Dies könnte z.B. sein: – Erhöhung des Anteils der Bevölkerung mit Fremdsprachenkenntnissen um Austauschprogramme zu erleichtern.
    – erhöhter Verfolgungsdruck und Aufklärung
    – Belohnungssysteme die vor Ort wirken d.h. zumindestens ein Teil der zusätzlichen Einnahmen muß für den Bürger positiv spürbar sein ala “wir konnten 2 km Straße bauen weil 250 Bürger ehrlich ihre Steuern bezahlt haben”

    Da gibs bestimmt noch mehr.
    Es gibt übrigens einige Blogs die sich fair mit Griechenland befassen
    http://klauskastner.blogspot.com/ dies ist auch einer lol.

  2. Die Risiken für den Steuerzahler mit diesem Sanierungskonzept sind deutlich niedriger als mit einem „Haircut“ oder der Fortsetzung der bisherigen, rein reaktiven Politik.

    Gibt es dafür auch eine wissenschaftlich plausible Begründung? Bislang konnte die Volkswirtschaftslehre stets nur nachträglich prognostizieren, warum bestimmte Dinge so gekommen sind, wie sie gekommen sind.

  3. Feinbau sagt:

    Gute Idee !!
    Worum geht es beim Griechenlandproblem?
    1. Griechenland muß sparen und seine Wirtschaft strukturell umbauen. Hierzu gibt es die Pläne und Vorgaben des IMF und der EU.
    2-. Die Umsetzung dieses Konzeptes wird erschwert durch den hohen Schuldenstand. Ratingagenturen und Märkte glauben deshalb den Versicherungen der Politik nicht. Folge sind extrem hohe Zinsen als Folge starker Kursverluste (bis zu rd. 50 %) bei bestehenden Anleihen. Die für 2013 angestrebte Kaptalmarktfähigkeit rückt dadurch in weite Ferne,
    3. Als Folge werden immer mehr Anleihen fällig. Je länger man deren Zinsen und Tilgung durch Garantien absichert, umso mehr verlagern sich die Schulden weg von Banken, Versicherungen und Privaten hin staatlichen Institutionen. Die Privaten verdienen ohne Risiko, solange die Staaten sich an ihre Versprechungen halten.
    4. Die freiwillige Laufzeitverlängerung löst das Problem nicht. Selbst wenn dieses ordnungspolitisch problematische Vorgehen gelingen sollte, wird das Problem nur verschoben. Die Schuldenlast Griechenlands bleibt unverändert. Das Rating unverändert schlecht und die Kapitalmarktfähigkeit ist weiter nicht absehbar.
    5. Der Vorschlag von Polleit, van Suntum und Wiegers in der Financial Times vom 08.07 geht dagegen in die richtige Richtung. Er reduziert die Verschuldung Griechenlands in einer Größenordnung die voraussichtlich über dem Volumen der Einsparungen liegt, die Griechenland auf extremen Druck und unter Inkaufnahme von politischen Unruhen gerade beschlossen hat.
    6. Bei aktuellen Kursen von 50 % für längerfristige griechischen Anleihen, dürften sowohl die Volumen als auch unterstellten durchschnittlichen Kurse von 80 % durchaus sehr realistisch sein. Das zeigen auch die Käufe der EZB im vergangenen Jahr. Die auch den Markt nicht überfordert haben. Heute ist die Angst der Marktteilnehmer ja sogar noch größer. Die Chance ist also noch lange nicht vertan!!!

    7. Das Konzept nutzt die Kräfte des Marktes und die Mechanismen der Ratingagenturen. Beim Aufkauf zahlen im Ergebnis die privaten Gläubiger. Der europäische Steuerzahler wird dagegen nicht oder kaum belastet. Das wollen doch alle zu Recht, oder? Und das ist ordnungspolitisch gut so.
    8. Durch die Aufkäufe steigen die Kurse. Griechenland kann dann sich wieder früher über den Markt selbst zu vernünftigen Zinsen refinanzieren und dadurch werden die Risiken nicht immer weiter auf die europäischen Steuerzahler verlagert. Gleichzeitig sinkt die Verschuldung Griechenlands, war bei den Ratingagenturen nach deren Systematik zu einer besseren Bonitätseinschätzung führt. Ein sich selbst verstärkenden Prozess wird in Gang gesetzt.
    9. Problematisch sehe ich allenfalls das man nur auf Aufkäufe durch die EZB und dann auf einen Forderungsverzicht setzt. Das ist zwar ökonomisch darstellbar, faktisch könnten darin aber die Ratingagenturen einen Credit Event sehen. Was man ja verhindern will und muß. Aber auch das Problem ließ sich leicht lösen. Am einfachsten gibt man Griechenland im Rahmen des ohnehin geplanten Stabilisierungspaketes von über 100 Mio. Euro Geld für den Rückkauf der Anleihen. Dabei können dann auch die bisher schon von der EZB erworbenen Anleihen von dieser an Griechenland verkauft werden, sobald das Aufkaufprogramm zu Kursen führt, die dem durchschnittlichen Einstandskurs der EZB entsprechen. Dieses würde keinen Credit Event auslösen und sogar denen entgegenkommen, die die bisherigen Aufkäufe als ein Fehler ansehen. Ein Ansicht, die ich sonst nicht teile.
    Zusammengefasst. Ein sehr gutes und realistisches Konzept.!!! Noch dazu ein sehr naheliegendes. Aber offensichtlich sehen viel beim Thema Griechenland den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr oder wollen – aus welchen Gründen auch immer – keine Lösung, sondern lieber eine Pleite mit nicht absehbaren Folgen.

  4. Kommt hier irgendwann noch mal ein empirischer Beleg für die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahme? Oder eine Simulation des Finanzmarktes für den Fall, daß die Maßnahme eingeleitet wird?

    Noch mal die Frage: Wie plausibel ist Ihr Vorschlag aus wissenschaftlicher Sicht? Oder ist das einfach nur mit Bauchgefühl begründet?

  5. @ Tim

    Sowas wird es nie geben, außer Zeitreisen werden möglich, das sollte ihnen als Antwort genügen.

    Alles was wir unser gesamtes Leben lang tun ist raten und schätzen, sonst würden wir glaube ich auch verblöden.

    Wissenschaft ist raten und schätzen, egal welche sie nehmen, irgendwann sagt man dann, joa könnte stimmen und damit isses mainstream, bis wer kommt der was anderes sagt^^.

    Ich habe mal für mich festgelegt: alles was jemand mir erklären kann, so dass ich es verstehe, macht zumindest für mich Sinn und könnte mir helfen.

  6. @ Surp

    Wissenschaft bedeutet normalerweise: Vorhersagen machen und daran gemessen werden, wie gut sie eingetroffen sind.

    Wirtschaftswissenschaft bedeutet offenbar: a) nachträglich prognostizieren, warum etwas so gekommen ist, wie es gekommen ist, b) irgendwelche Aussagen über die Zukunft treffen, für die man sich später nicht mehr interessiert.

    Entweder fängt die Wirtschaftswissenschaft langsam mal an, Wissenschaft zu werden, oder sie sollte gleich eine Unterabteilung des Instituts für Märchen an der Sprachwissenschaftlichen Fakultät werden.

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Der Autor:

Prof. Dr. Ulrich van Suntum

ist geschäftsführender Direktor des Centrums für angewandte Wirtschaftsforschung der Universität Münster (CAVM).

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