Bei der Steuererklärung merkt man, wieviel Geld man sparen würde, wenn man keins hätte. Fernandel (eigentlich: Fernand Joseph Désiré Contandin), 1903-1971, französischer Filmschauspieler

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Sinkende Kinderarmut in Deutschland

Die Nachricht der Bundesagentur für Arbeit gibt Grund zur Freude: Die Analyse der Grundsicherung für Arbeitsuchende vom Januar 2012 zeigt, dass weniger Kinder in Deutschland von Armut betroffen sind.  Das hat einen einfachen Grund: Immer mehr Eltern haben einen Job. Ein Arbeitsplatz für Eltern ist die beste Medizin gegen Kinderarmut. Dennoch: Weitere Reformen sind notwendig, um mehr Eltern in Arbeit zu holen.

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Weniger Kinderarmut – so titelten in der vergangenen Woche fast alle Tageszeitungen. Und verbreiteten damit eine eher ungewöhnliche Botschaft. Musste man in den vergangenen Jahren doch zunehmend den Eindruck erhalten, die Armut in Deutschland würde steigen – zumindest wenn man die veröffentlichte Berichterstattung verfolgt. Tatsächlich ist die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren, die den Hartz-IV-Regelsatz beziehen, im vergangenen Jahr um 210.000 gesunken. So veröffentlichte es zumindest die Bundesagentur für Arbeit.

Dem Präsidenten des Kinderschutzbundes ging diese positive Betrachtung allerdings zu weit. Im Vergleich zu früher gäbe es heute weniger Kinder – insoweit sei ein Sinken der Fallzahlen alleine noch kein Beleg für Besserung. Trotzdem: die dynamische Entwicklung des Arbeitsmarktes hat in den vergangenen Jahren auch zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Familien mit Kindern gesorgt. Denn alleine im Jahr 2011 konnten etwa 90.000 Alleinerziehende  den Weg in eine Ausbildung oder Beschäftigung finden. Arbeit ist und bleibt der Schlüssel gegen (Kinder-) Armut. Insoweit ist es richtig, die Flexibilität des Arbeitsmarktes zu schützen, die Angriffe auf Zeit- und Leiharbeit zu unterlassen und Abstand zu halten von Mindestlöhnen, die den Geringverdienern eher den Einstieg in Arbeit erschweren. Gleichzeitig hilft es, wenn die Angebote der Kinderbetreuung weiter ausgebaut werden, wodurch vor allem Alleinerziehende der Jobeinstieg wieder ermöglicht wird. Nur wenn Eltern Arbeit finden, kann die Kinderarmut weiter sinken.


Die “Statischtische Analyse der Grundsicherung für Arbeitsuchende”  der Bundesagentur für Arbeit vom Januar 2012 finden Sie hier.

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • katrin heimann

    ist ja alles schön aber noch schöner wäre es wennman auch einer fünf fachen mutter arbeit geben würde auch wenn sie allein erziehend ist damit sie vonm amt wegkommt und mit ihr ihre kinder

  • Uwe kargut

    Moin,
    das liest sich ja alles gut und hört sich auch toll an.
    Ich sehe das ein bißchen anders,es soll stimmen das immer mehr Eltern in arbeit sind und deshalb Geld verdienen.
    Richtig ist aberr auch das die Agentur für Arbeit schön brav,an viele Familien und Alleinerziehende und auch Singles Hartz IV zusätzlich zahlt (hieß früher unterstützende Sozialhilfe),weil der Verdienst zum Leben nicht ausreicht.
    Fazit:
    Allein mit Arbeitsplätzen ist die Kinderarmut nicht wirklich zubekämpfen,sondern auch durch Löhne und Gehälter die es ermöglichen ohne die Unterstützung durch die Agentur für Arbeit zuleben.
    Damit,in Familien,beide arbeiten können muß auch eine Lösung für die Kinderbetreuung gefunden werden.
    Ich sage dies alles,da ich zu den davon Betroffenen gehöre.

  • Warum machen sich Wissenschaftler in Deutschland immer einen Diskurs zu eigen, der ihnen von Institutionen aufgezwungen wurde. In Deutschland ist nicht die ARMUT, sondern die RELATIVE ARMUT gesunken. Dass es Armut im Sinne des Wortes in Deutschland gibt, würde nicht einmal das BMFSFJ behaupten. Schlimmer noch, ein wissenschaftlicher Beitrag von Andreas Kraußer zeigt, dass es nicht einmal die so furchtbare relative Armut von Alleinerziehenden in Deutschland gibt, denn bereits die Grundsicherung ist höher als die Grenze der relativen Armut.

    Dazu:
    http://sciencefiles.org/2011/10/28/von-der-macht-der-worte/

  • Surp

    @ Michael Klein

    Die Frage ist doch nicht was “sein muss”, sondern”was möglich wäre”.

    Das ist das traurige.

  • Markus

    @ Uwe
    Absolut. Das Problem ist die Kinderbetreuung. Was hilft ein 400 Euro Job, wenn die Kita 250 kostet und dann noch zusätzliche Kosten für Fahrkarten etc. anfallen. Was bleibt da am Monatsende übrig? 50 Euro? dadurch sinkt zwar die “Kinderarmut”, gewonnen wurde aber faktisch nichts!
    Und Alleinerziehende haben es noch schwerer, beides zu organisieren. Hier hat die Poltik massiven Nachholbedarf. , Uwe, auch ich kenne dies aus persönlicher Erfahrung und bin froh, wenn eine Lösung gefunden wird. Was jedoch meinbe Kinder nicht mehr betreffen wird, weil es sicherlich noch lange dauert.

    @ Michael Klein
    Armut klingt eben populistischer und reizt die Menschne. Da denkt jeder an Entwicklungsländer und extreme Umstände in Deutschland. Ein paar harte Bilder dazu und schon ist die Bildzeitung perfekt.

    Es geht uns allen besser als wir glauben. Aber das ist typisch Deutsch.