Noch immer Spitzenreiter

Von Dr. Ralph Brügelmann
Deutschland gehört noch immer zu der Spitzengruppe der teuersten Staaten, zumindest was die Steuer- und Abgabenbelastung angeht. Das hat die neue OECD-Studie wiederholt eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht. Das ist seit Jahren so: Selbst einem Durchschnittsverdiener knöpft der Staat über die Hälfte seines erwirtschafteten Einkommens ab. Das halten viele Bürger für nicht fair – zu Recht wie ich meine.
Apropos fair: Die Studie vermittelt den Eindruck, Spitzen- und Alleinverdiener würden im deutschen Steuer- und Sozialsystem ungerechtfertigt übervorteilt. Das stimmt aber nicht. Wer kritisiert, dass Doppelverdiener im Vergleich zum Alleinverdienerhaushalt zweimal Sozialabgaben entrichten müssen, verschweigt, dass dem zum Beispiel bei der Rente auch zwei Zahlungen gegenüberstehen. Wenn man will, kann man das Gutachten so verstehen, dass Menschen mit hohem Einkommen weniger Abgaben zahlen als Geringverdiener. Das stimmt ebenfalls nicht. Die Beitragsbemessungsgrenze führt lediglich dazu, dass der Anteil der Abgaben am Einkommen wieder sinkt. Absolut zahlen die Einkommensstärksten auch die höchsten Beiträge. Unberücksichtigt bleibt zudem die Leistungsseite. Denn mit den Beitragsbemessungsgrenzen werden ja auch die sozialen Leistungen nach oben gedeckelt. Jemand, der über 64.800 Euro im Jahr verdient, zahlt nur bis zu diesem Betrag seine Arbeitslosen- und Rentenbeiträge. Was soll daran unfair sein? Immerhin erhält diese Person auch nur für diesen Betrag Unterstützung, wenn sie arbeitslos wird oder in Rente geht.
Tags: Arbeit, Arbeitsmarkt, Debatte, Deutschland, Einkommen, Finanzen, Jobs, Konjunktur, Reichtum, Sozialausgaben, Wachstum, Wettbewerb

Am 17. Mai 2009 um 18:32 Uhr
[...] ärgert mich deshalb solch tendenziöse Kommentare wie diesen vom ÖkonomenBlog. Hier der in der jüngsten OECD-Studie enthaltene Vergleich der Belastung des Faktors Arbeit mir [...]
Am 17. Mai 2009 um 19:11 Uhr
Sorry, aber den Beginn finde ich äusserst tendenziös. Aus der Belastung von Arbeitseinkommen mit Steuern und Sozialabgaben abzuleiten, “Deutschland ist eines der teuersten Länder…” ist tendenziös und falsch. Die Steuerquote in Deutschland ist international sehr niedrig.
Näheres hier bei EconBusinessGermany:
http://tinyurl.com/p6obsa
Am 17. Mai 2009 um 20:34 Uhr
[...] immerhin sind mit seinem „Nein“ zu Steuererleichterungen so ziemlich alle anderen Länder Steuerparadise. Und die (wenn auch vermeintlichen) Paradise der anderen kann keiner [...]
Am 17. Mai 2009 um 22:16 Uhr
Mir erschließt sich nicht ganz, warum man Steuern (die per Definition keinen Anspruch auf Gegenleistung mit sich bringen) und Sozialabgaben (bei denen man konkrete Ansprüche erwirbt) einfach so zusammenzählen soll.
Bei der Krankenversicherung kann ich es noch halbwegs nachvollziehen, da man unabhängig von der mit steigendem Einkommen zunehmenden Beitragshöhe immer die gleiche Versicherungsleistung erhält.
Aber bei Arbeitslosen- und Rentenversicherung hat man ganz offensichtlich einen höheren Anspruch, wenn man mehr einzahlt. Man kann natürlich argumentieren, daß die langfristige Beitragszahlerrendite der Rentenversicherung schlecht ist, und sich insofern ein Steuerelement darin versteckt. Dennoch ist die Beitragszahlung nicht ganz “verloren”, sondern es kommt im Gegensatz zur Steuer zu einer proportionalen Gegenleistung.
Am 4. August 2009 um 03:51 Uhr
Also bei uns taucht jedes Jahr ein Versicherungsvertreter auf und verhaftet alle, die mit ihrem Einkommen über den Beitragsbemessungsgrenzen liegen. Ein Einzelfall? Sicher nicht. Die Beitragsbemessungsgrenzen führen dazu, dass sich Verdiener, die darüber liegen, endlich aus dem Sozialsystem verabschieden und weitaus günstiger für sich selbst sorgen. Ob deren Beiträge relativ zum steigenden Einkommen wieder sinken, ist für das soziale Netz – viele helfen einzelnen in der Not – dann nicht mehr relevant.