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26.08.2011 Finanzmarkt

Euro-Bonds: Die falsche Therapie!

Alle Vorgaben aus Maastricht konnten die europäische Schuldenkrise nicht verhindern. Erst mit dem Druck der Finanzmärkte kehrte auch die Haushaltsdisziplin zurück.  Deshalb mögen Finanzpolitiker die Finanzmärkte nicht. Denn deren Bewertungen legen die Finger in eine offene Wunde. Euro-Bonds würden diese disziplinierende Wirkung außer Kraft setzen.

Eine gesamtschuldnerische Haftung führt dazu, dass Defizitländer ihrer Verantwortung enthoben werden. Dagegen wird der Vorteil einer soliden Finanzpolitik vergemeinschaftet, was aber den Anreiz zu einer solchen Politik erodiert. Und über die Kosten, die verlässlichen Schuldenländern wie Deutschland durch die Bonitätsübertragung entstehen würden, kann nur spekuliert werden. Die vom EFSF ausgereichten Euro-Bonds liegen rund 0,8 Prozentpunkte über der Verzinsung der Bundesanleihe. Mit diesem Maßstab entstünden Deutschland Mehrkosten von jährlich 17 Milliarden Euro. Zugleich ist unklar, ob die wenigen AAA-Ratings der Mitgliedsstaaten infolge der gesamtschuldnerischen Haftung überhaupt erhalten blieben. Die Bereitschaft der soliden Euro-Staaten, sich für Europa einzusetzen, dürfte schwinden und der europäische Konsens droht zu zerbrechen.


Dieser Beitrag ist in einer längeren Fassung am 25. August 2011 in der Zeit erschienen.

7 Kommentare zu “Euro-Bonds: Die falsche Therapie!”

  1. Ich sehe zwar Ihren Punkt, Herr Hüther, aber was schlagen Sie denn im positiven Teil (der hier leider nicht abgedruckt ist) ihres Beitrags vor. Wenn man die Wahl zwischen Scylla (Eurobonds) und Charybdis (Insolvenz Griechenland) hat, welche Wahl ist dann die richtige?

    Zudem lässt sich Ihr Argument gegen Sie wenden, denn führen nicht höhere Kosten für deutsche Kredite auch oder selbst in Deutschland zu mehr Haushaltsdisziplin … ?

    Und was ist mit den Kosten für den bailout von Irland, Griechenland und Portugal, sind die Kosten nicht jetzt schon deutlich höher als die “läppischen” 12 Milliarden Mehrkosten durch den Eurobond?

    So oder so zahlen die solideren und reicheren Mitglieder des Euroclubs die Schulden der unsoliden und armen Mitglieder. So ist das, wenn man eine Währungsunion eingeht, es ist so wie beim Länderfinanzausgleich, dort zahlen auch BaWü und Bayern für die nicht vorhandene Haushaltsdisziplin in Bremen, Berlin oder im Saarland.

  2. Inzwischen finde ich Euro-Bonds richtig, wenn sie gut ausgestaltete werden.

    Sonst kann ich mich auch mit dem Zusammenbruch der gesamten Finanzwirtschaft anfreunden, wenn man de Realwirtschaft und die Bürger mit Liquidität versorgt. Aber derzeit glaueb ich eher das Häuser brennen und Straßenschlachten staafinden, fände ich zwar spannend, aber nicht sonderlich erstrebenswert.

    Der Zusammenbruch der Finanzwirtschaft wäre gut gestaltet sozialer, aber sehr schwer kontrollierbar. Außerdem würde klargestellt wer wirklich Werte erschafft und wer nur ein Parasit ist.

    @ Michale Klein

    Wenn man alle Budnesländer abschafft braucht man keinen Länderfinanzausgleich, wäre doch die beste Alternative.

  3. estersandro sagt:

    Is es wahr das die Deutsche Bank, Commerz Bank und viele andere deutsche Banken voll sind mit
    wertlosen “trush bonds” ? Die aber in Bilanz mit deren “Nennwert” eingetragen sind.

  4. Ulrich Meier sagt:

    Die FDP ist nicht wirklich glaubwürdig, wenn sie jetzt, unter der 5-Prozenthürde, damit anfängt, sich für die wirtschaftliche Realität im EURO-Raum und mit dem Willen des Volkes zu befassen:
    http://d-mark-volk.blogspot.com/2011/08/rettungskampagne-fur-heuchler-partei.html

  5. Mir stellen sich zwei Fragen.

    1. Sehen wir das mit dem “Ansporn zum Sparen” vielleicht nicht zu differenziert, nach dem Motto, mit Eurobonds sparen die Griechen nicht, aber mit einem superspitzen Maastricht(oder sonst ein Kaff)-Vertrag II schaffen wir das ? Im Endeffekt liegt es doch einzig und allein immer am Schuldner. Die Griechen ( und auch jedes andere Land ) können doch machen, was sie wollen, und sie werden es auch tun. Sprich: Es kann gut sein, dass die Griechen trotz Eurobonds die Sache in den Griff kriegen ( weil das kriegen sie, wenn sie es wollen und wenn man sie lässt ). Es kann aber ebenso sein, dass die Griechen, eines morgens aufstehen und sagen, die können uns alle mal, wir zahlen nix mehr. Dann ist es auch egal, welch “wohlüberlegte” und ausgefeilschte Lösung die anderen Europäer beschlossen haben.

    2. Ist Staatsverschuldung wirklich so schlimm ? Wenn man bedenkt, dass die gesamtwirtschaftlichen Schulden mit der Sparquote wachsen müssen, und weder die Unternehmen noch die Privaten diese Schulden machen können/wollen/brauchen, welche Alternative gibt es dann noch ? Und wäre es nicht mehr als fair, wenn man die Schuldenzahlen dann wenigstens um die Leistungsbilanzsalden berichtigen würde, da ein Land in dieser Höhe automatisch weniger bzw. mehr Schulden machen muss ?

    @ Estersandro : Banken können nach den geltenden Vorschriften Wertpapiere als Anlagevermögen behandeln, und müssen so eventuelle zwischenzeitliche Kursverluste nicht bilanzieren.
    Klingt zwar verrückt, wenn man aber bedenkt, dass die Tatsache, dass 11 von 10 Stammtischbesuchern zu 130 % davon überzeugt sind, dass Griechenpapiere “wertlos” sind, keinen Einfluss auf den tatsächlichen Wert ( auch der Marktwert hat damit nichts zu tun ) hat, macht es schon Sinn.

  6. @ Eric

    Ich finde Staatsverschuldung schlimm, nicht grundsätzlich, aber was mit ihr gemacht wird.

    Wir müssen sparen, weil wir soviele Schulden haben!
    Wo sparen wir denn und bei wem haben wir eigentlich die Schulden?

    Wenn man diese Frage beantwortet sieht man gleich das Problem von Staatsverschuldung.

    Gäbe es keine Staatsverschuldung müsste man damit der Kapitalismus funktioniert eh riesig umverteilen, ohne Staatsverschuldung könnte man sich dann zumindest die Zinsen sparen. Amerika hat schön gezeigt wo ein schuldenfinanziertes Sozialsystem hinführt und wem es eigentlich dient.

    Die meisten die glauben Umverteilung koste nur Geld sind echt ziemlich einfach gestrickt.
    Für Umverteilung bekommt man als Gesellschaft auch unglaublich viel, vorallem als Unternehmer und Vermögender.
    Das Problem unserer Zeit ist auch nicht die Umverteilung ansich, sondern wie wir umverteilen, ich finde die Art seh teuer und sehr dumm.

    ABer ich glaube nicht, dass sich bald etwas ändert, dafür sind unsere vermeintlichen Eliten, aber auch der Durchschnittsbürger zu stark intoktriert oder einfach zu belastet mit unnützem Wissen, dass sie die einfachsten Tatsachen nicht mehr wahrnehmen wollen/können.

  7. Kammerjäger sagt:

    Danke für den erschöpfenden Beitrag Herr Hüter.

    Haben Sie auch einen Vorschlag, was alternativ zu machen ist?

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Der Autor:

Prof. Dr. Michael Hüther

ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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