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Familienfreundlichkeit importieren

Die Erwerbsquote von jungen Müttern in Deutschland ist sehr gering.

Deutschland wird älter- das wissen wir alle. Bis zum Jahr 2050 steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung von heute 42,6 auf 51,4 Jahre. Das wird sich extrem auf den Arbeitsmarkt auswirken – immer weniger Menschen stehen für den Arbeitsmarkt zur Verfügung. Noch gefragter werden sein: Mobilität und Qualifizierung.

Großes Potential, um die Arbeitsangebotslücke zu schließen, steckt in den deutschen Müttern. Von ihnen sind heute nur rund 36 Prozent erwerbstätig. Ein Vergleich mit anderen Ländern zeigt, dass dort Erwerbsquoten von Müttern bis zu 80 Prozent nicht unüblich sind. Deutschland hinkt also hinterher. Was wir brauchen ist eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf – qualitativ gute, zuverlässige Betreuung von Kindern ist daher eine zentrale Vorraussetzung, um dieses Potential zu erschließen. Aber auch die Unternehmen selbst sind gefordert. Mit flexiblen Arbeitszeiten, Telearbeit und Akzeptanz der besonderen Erfordernisse von Müttern müssen sie ihren Teil dazu beitragen, die Verbindung von Beruf und Familie im Alltag besser zu ermöglichen. Andere Länder machen es uns vor – Beruf und Familie schließen sich nicht gegenseitig aus. Importieren wir einfach mal mehr Familienfreundlichkeit!


Jeden Montag oder Dienstag werden im ÖkonomenBlog Beiträge aus der Reihe „Wohlstands-Bilanz-Deutschland“ veröffentlicht, mit denen die 60-jährige Erfolgsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft nachgezeichnet und auf neue Herausforderungen hingewiesen wird. Eine umfassende Übersicht über Wohlstands-Parameter wie Einkommen, Vermögen, Lebensqualität und Bildungschancen finden Sie auf der Internetseite http://www.wohlstandsbilanz-deutschland.de/

3 Kommentare zu “Familienfreundlichkeit importieren”

  1. “immer weniger Menschen stehen für den Arbeitsmarkt zur Verfügung. ”

    Eine Frage habe ich an den Autor. Wie viele Arbeitslose haben wie reell im Moment (vor der Krise). Irgendwas um die 5 Millionen schätze ich. Man sollte alle Menschen in “Maßnahmen” und Ein Euro Jobs nämlich abziehen. Das ist also der Stand. Das heißt also, dass genug Arbeitskärfte da sind und gar nicht gebraucht werden. Die nächste nicht ganz unwesentliche Frage ist warum schreiben sie hier? Schließlich müssen sie reich sein. Denn wer in die Zukunft schauen kann, kann auch im Lotto gewinnen und hat es nicht nötig diese Arbeit zu machen. Woher wollen sie wissen wie das Bevölkerungsbild 2050 aussieht. Ist das Fix? Man kann es steuern. Durch eine vernünftige Wohlstandssteigerung der mittleren und niedrigen Einkommen und einer Planbarkeit der Arbeitsverhältnisse gibt es auch wieder mehr Kinder. Auch kann man über Einwanderung einiges bewirken. Ich sehe überhaupt keine Probleme.
    Ein nächster Punkt ist, dass viele Mütter arbeiten wollen, aber die prieswerte Infrastruktur zur Kinderbetreuung nicht gegeben ist. Wenn der Staat das macht, dann (oh je) steigt die Staatsquote. Machen es die privaten steigt der Preis. In jedem Fall muss sie in vielen Teilen Deutschlands erst einmal aufgebaut werden. Ich erinnere nur an den Vorstoß von Frau von der Leyen. Gerade aus den konservativen Kreisen wurde gegengesteuert. Ich sehe nicht, dass sich dort etwas tut in den nächsten Jahren.

    Ein letzter Punkt und ein wesenlicher. Wo kommt die Arbeit für die Mütter her? Schon jetzt nimmt man lieber Männer als Frauen mit Kind. Kinder können krank werden. Wenn man solche politisch/gesellschaftlich durchaus gewollten Repressionen nicht ändert ist die Analyse nicht brauchbar.

  2. Als Familienvater mit vier Kindern und selbständiger Unternehmer, finde ich die vertretene Sichtweise sehr bedenklich.

    Es wird darüber nachgedacht, wie man diese vermeintlich unabänderbare Entwicklung der Überalterung finanzieren kann, anstatt diese umzukehren.

    Müttern mehr Arbeitsplätze zu versprechen, oder es ihnen einfacher zu machen ihre Kinder von morgens bis abends abzugeben, wird den Überalterungsprozess nur nach beschleunigen und ist die falsche Lösung.

    Was fehlt sind stabile Familien, in der Kinder unter dem liebenden Schutz von Mama und Papa aufwachsen können und die deutsche Gesetzgebung macht es nicht gerade leicht diese Familien zu bauen.

    Denken Sie doch einmal über die Aussage nach:

    Großes Potential, um die Arbeitsangebotslücke zu schließen, steckt in den deutschen Müttern.

    Deutschland überaltert, weil wir keine Kinder mehr bekommen.
    Anstatt Frauen dazu zu motivieren Mütter zu werden und Kinder zu bekommen und Väter zu motivieren Verantwortung für seine Familie zu übernehmen, überlegt man sich mit aller Kraft, wie man die Mütter von ihrer wichtigsten Aufgabe abbringen kann.

    Das Arbeitspotential der Mütter liegt nicht direkt auf dem Arbeitsmarkt, sondern indirekt, indem mehr Kinder als zukünftige qualifizierte Erwachsene als Arbeitskräfte dem Markt zur Verfügung stehen.

  3. @Ulf

    Ich sehe das genauso. Es ist in meinen Augen ja nicht falsch, dass man Frauen die Möglichkeit gibt zu arbeiten. Aber so lange es keine sicheren, planbaren Arbeitsverhältnisse gibt warum sollten man dann ein Kind kriegen. Hinzukommt wie oben beschrieben, dass wir sicher kein Arbeiterproblem haben, sondern ein Arbeitsplatzproblem. Wenn ich noch mehr Menschen Stuhltanz spielen lasse, aber keine neuen Stühle hinstelle wird sich jede Menge ändern.

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Der Autor:

Marco Mendorf

arbeitet als Diplom-Volkswirt bei der Initiative Neue Soziale Markwirtschaft und ist Projektleiter des ÖkonomenBlogs.

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