Der Untergang des Pumpkapitalismus
Am kommenden Donnerstag entscheidet der Deutsche Bundestag über den Europäischen Rettungsschirm. Nur wenige aufrechte Abgeordnete werden dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (EFSF) ihre Zustimmung verweigern, der die deutsche Volkswirtschaft ökonomisch und politisch auf viele Jahrzehnte belasten wird. Opposition gibt es in dieser Frage praktisch nicht.
Dabei spalten die „Euro-Retter“ Europa derzeit in atemberaubenden Tempo. Die Deutschen werden in den südeuropäischen Ländern verhasst, weil sie massive Sparauflagen durchsetzen. Die deutsche Bevölkerung lehnt dagegen mit Dreiviertelmehrheit Milliarden Euro schwere Rettungspolitik ab, weil sie nicht in Haftung genommen werden will für die Leichtlebigkeit anderer Euro-Länder.
In der Frühzeit des Kapitalismus gab es ein Wertefundament, das geprägt war von harter Arbeit und Sparsamkeit. Max Weber hat diese Mentalität in seiner brillanten Schrift „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ vor gut neunzig Jahren analysiert. Das Leben des Menschen bestand aus Arbeit und Sparen. Die Menschen erwarteten nicht, alle ihre Bedürfnisse unmittelbar befriedigt zu bekommen.
In Deutschland wandelte sich dieser Sparkapitalismus spätestens ab den sechziger Jahren – mit dem Wirtschaftswunder – zum Konsumkapitalismus. Materieller Konsum wurde zum Maßstab der gesellschaftlichen Stellung. Das Sparen, das Aufschieben von Bedürfnissen, der Verzicht gerieten zunehmend aus dem Blickfeld. Statt der persönlichen Vorsorge wurde die staatliche Rundumversorgung – in der Renten- und Krankenversicherung etwa oder in der Sozialhilfe – zum sozialpolitischen Gesellschaftsmodell.
In den Siebziger Jahren begann dann der exorbitante Anstieg der Staatsverschuldung. Weil der Öffentliche Dienst aufgebläht und teure Konjunkturprogramme mit Krediten finanziert wurden, begann der Marsch in den Schuldenstaat. Auch im privaten Konsumverhalten begann sich der Pumpkapitalismus einzunisten. Man leistet sich schicke Möbel genauso auf Pump, wie das neue Auto oder gar die Urlaubsreise.
Ein nachhaltiger Kapitalismus braucht eine Wiederbelebung von Begriffen wie Verantwortung und Haftung, Sparen und Investieren. Denn auf Dauer kann sich weder der Staat noch der einzelne Bürger mehr leisten, als er tatsächlich erwirtschaftet. Der Pumpkapitalismus hat ausgespielt! Auch Rettungsschirme können ihn nicht retten – im Gegenteil.

“In der Frühzeit des Kapitalismus gab es ein Wertefundament, das geprägt war von harter Arbeit und Sparsamkeit. ”
So wird der Mythos aufgebaut. Früher war schließlich alles besser nicht war. Das heißt aber auch, dass es nie wieder so gut wird wie heute.
Im Übrigen gab es auch im Frühkapitalsismus Spekulationen und Blasen.
Das Raumschiff Oswals Metzger fliegt weiterhin völlig unbelastet von wirtschaftlichen Kenntnissen durch die unendlichen Weiten der bekannten politischen Welten und darüber hinaus.
Vielleicht hilft einmal ein Blick in die Statistikseiten Wahlweise der Bundesbank oder des statistischen Bundesamtes oder der BIS oder oder oder. In Deutschland wird seit 50 Jahren mehr gespart als investiert, d.h. die Sparleistung liegt über dem Investitionsbedarf der Wirtschaft.
Das Problem ist eher, dass dieses erhöhte Sparaufkommen dann zwingend im Ausland angelegt werden muss. Da waren dann die Deutschen Banken sehr umtriebig und haben von amerikanischen CDO bis Griechischen Staatsanleihen alles gekauft, wo eine amerikanische Ratingagentur BBB oder besser draufgeschrieben hat.
Das Ergebnis sieht man heute. Die Amerikaner haben auch ein Wort dafür: “Stupid German Money”
Die wirkliche Frage lautet: Wie schaffen wir es in Deutschland die Sparleistung zu reduzieren?
@ Kammerjäger
Nein, die entscheidende Frage lautet: Wie kriegen wir mehr Investitionen nach Deutschland? Bevorzugt in zukunftsträchtige Branchen?
Die Antworten (Regulierungsdickicht lichten & besseres Bildungssystem) sind seit Ewigkeiten bekannt, interessieren aber niemanden mehr.
@ Tim
Natürlich interessiert es. Aber keiner traut sich zu einem solchen Schritt. Obgleich es in fast jedem Parteiprogramm auftaucht…
@ Kammerjäger
Warum wird denn soviel gespart? Ist dies nicht auch, naja, historisch bedingt? Also eher eine Mentalität? Wie teilen sich denn die Sparquoten auf? Denn es gab auch noch nie soviele Privatinsolvenzen…nur wer hat, kann schliesslich auch sparen. Müssten Sie also in Ihrer Idee nicht viel tiefer ansetzen?
@Tim, ganz genau, dass ist was wir brauchen, mehr Investitionen nach Deutschland holen u. auch diese Unternehmen steuerlich erst einmal nicht voll belangen … aber auch Selbstständige, die erst einmal sich in die Selbstständigkeit wagen sollten erst einmal anfangen dürfen, ohne sie gleich mit
hohen Steuerbelastungen zu geiseln. Wollen wir mal hoffen, das wird gelingen!!!
Dann sollten auch Menschen hier Einwandern dürfen die Geld mitbringen. Ich kenne viele Amerikaner die gerne hier einwandern wollen möchten, gute Berufe haben, aber erst noch Deutsche lernen müssten, jedoch in der IT Branche ist das gar nicht so relevant!!
@ jazurpolitik
Ich kenne keinen Unternehmer, für den die deutschen Steuern ein Hinderungsgrund sind. Problematisch ist höchstens die Rechtsunsicherheit bei Steuerthemen, wobei es Rechtsunsicherheit leider auch in sehr vielen anderen Bereichen gibt. Es weiß eben kein Mensch, welchen regulatorischen Quatsch sich unsere Politiker morgen ausdenken.
@ jazurpolitk
Steuererleichterungen = Subvention = Wettbewerbsverzerrung + Bürokratie
Existenzgründer: Steuern werden nur erhoben, wenn Gewinne erwirtschaftet werden. Bei Neugründungen wird dies bilanziell nur sehr selten der Fall sein, da i.d.R. die Investitionen resp. Fremdkapital die Gewinne übersteigen. Also sind bei fast allen Neugründungen keine Steuern zu entrichten. Mit Ausnahme natürlich des Einkommens (was bei Personengesellschaften eben auch der Gewinn ist).
Aber mal ehrlich: Körperschaftssteur 15% ist top, Einkommenssteuer je nach Höhe, passt doch auch. Und wenn ich Gewinne thesauriere, zahle ich entsprechend weniger Steuern. Existenzgründungen scheitern definitiv nicht an der Steuerhöhe, eher an der Komplexität mangels Kenntnis. Aber hierfür gibt es zB das Kleingewerbe, und einfacher gehts nicht: Einnahme/ Überschussrechung als Bilanz.
“Ich kenne keinen Unternehmer, für den die deutschen Steuern ein Hinderungsgrund sind.”
Logisch. Diejenigen, für die die Steuern ein Hinderungsgrund sind, werden ja auch nicht zu Unternehmern.
@ Tim
“Nein, die entscheidende Frage lautet: Wie kriegen wir mehr Investitionen nach Deutschland? Bevorzugt in zukunftsträchtige Branchen?”
Angenommen, Deutschland wäre die einzige Nation die Produkte herstellt, was passiert dann?
Wir sollten mal langsam aufwachen.
@Surp. Warum soll man Ihre Unmöglichkeit auch nur in Betracht ziehen?
Auch in Griechenland wird hergestellt und “verbraucht” , wie in jedem anderen Land auch. Es gibt kein “einer versorgt alles und gut ist”. Da braucht man nicht aufzuwachen sondern kann es schlicht und einfach vergessen.
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