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24.04.2012 Umwelt, Wachstum

Energie(wende) braucht Wettbewerb!

Deutschland vollzieht die Energiewende. Doch die Umstellung gibt’s nicht zum Nulltarif. Noch immer sind die Erneuerbaren Energien teurer als konventionelle. Das trifft vor allem Haushalte mit niedrigen Einkommen. Damit die Energiewende möglichst effizient vollzogen werden kann, fehlt vor allem eins – Wettbewerb!

Die Energiewende in Deutschland scheint Konsens. Bis zur Mitte des Jahrhunderts soll die Energieversorgung zum Großteil auf CO2-arme und insbesondere erneuerbare Energien umgestellt werden. Das Vorhaben ist nicht neu, denn schon seit mehr als 20 Jahren wird die Erzeugung aus erneuerbaren Energien subventioniert – mit steigender Tendenz. So konnte der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen an der Bruttostromerzeugung auf 20 Prozent gesteigert werden. Doch diese Entwicklung hat ihren Preis.

Die Subventionierung mittels EEG-Umlage stieg fing moderat an: Von 2000 bis 2009 stieg die Umlage kontinuierlich von 0,2 Cent auf 1,3 Cent je KW/h. Danach ging es dramatisch weiter. 2010 erhöhte sich die Umlage auf 2,05 Cent, 2011auf 3,53 Cent und dieses Jahr auf 3,592 Cent. Darunter leiden vor allem Haushalte mit geringem Einkommen. Bei den einkommensschwächsten Haushalten fließt inzwischen fast 1 Prozent des verfügbaren Einkommens in die EEG-Umlage, bei Haushalten mit den höchsten Einkommen gerade einmal 0,1 Prozent. Die EEG-Umlage wirkt somit regressiv. Auch deshalb müssen die Kosten der Energiewende minimiert werden.

Doch dies wird mit dem bestehenden System nicht funktionieren. Denn die technologiespezifische Förderung durch EEG verhindert systematisch Wettbewerb zwischen den einzelnen, erneuerbaren  Energieformen. Das führt zu dem absurden Ergebnis, das Deutschland bei den Photovoltaikkapazitäten weltweit spitze ist. Der Standort ist durch den mangelnden Wettbewerb zweitrangig. Was bei der Investitionsentscheidung zählt ist der zu erwartende Fördersatz.

Wenn es gelingen soll, die Stromproduktion aus erneuerbaren auf 80 Prozent zu steigern, brauchen wir ein System, was die Kräfte des Wettbewerbs nutzt, statt sie zu unterbinden. Ein richtig ausgestaltetes europäisches Quotensystem wäre ein möglicher, marktwirtschaftlicher Rahmen. Wettbewerb schafft die Voraussetzung,  dass die Energiewende effizient und ohne überhöhte Kosten gelingen kann und alle Einkommensschichten nicht unnötig belastet.


Weitere Informationen

Zur Studie “Das Erneuerbare Energien Gesetz – Erfahrungen und Ausblick”

Positionspapier der INSM zur Umweltpolitik

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  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    Wissen sie was lustig ist Herr Bardt? Bei der Mehrwertsteuer hat die INSM keinerlei solche bedenken. Da wird sogar vorgerechnet, dass eine Erhöhung eine vernünftige soziale Wirtschaftspolitik darstellt.

  • http://www.energynet.de Andreas

    Die hohen Strompreise, die nachweislich nicht durch die EEG-Umlage verursacht sind, belasten ebenfalls die Geringverdiener am höchsten. Bestehen da keine Bedenken?

    Aber Ja, der Energiemarkt braucht mehr Wettbewerb. Ein Wettbewerb der Energieversorger und ein Wettbewerb der Energieträger, bzw. Energiequellen.

    Warum soll ein Quotensystem mehr Wettbewerb hervorbringen? Gibt es hierfür Belege? Bisher haben Quoten- und Ausschreibungssysteme eher höhere Preise hervorgebracht.

  • josh_ho

    Die Aussage ist ja richtig, das bestehende System kann nicht 80% Erneuerbare verkraften. Darauf war es ja auch nie ausgelegt und niemand behauptet das. Für die billigste und effizienteste Lösung (erst Wasserkraft, dann Windkraft onshore, dann offshore, dann Biogas, dann Photovoltaik )ist es ja bereits zu spät und die Jobs sind ja auch schon in China und die Technologie gleich mit. Was will&kann man daran noch ändern?

    “Technologie unabhängig” andererseits ist schnell zu CO² neutral geändert … damit sind alle Schrott AKW´s wieder Klima- und Gelbeutelretter gleich dazu.

    Deshalb brauchen wir ja endlich ein richtiges Umstiegsszenario und dazu brauchen wir höchstwahrscheinlich eine andere Regierung. Ein Vergleich der Schäden die Braunkohle und andere Kraftwerke ärmeren Menschen zufügen fehlt hier, von daher ist ja gar keine qualitative Aussage möglich. Aber die Aussage “es kann nicht so bleiben wie es ist” und “mehr Wettbewerb ist gut” stimmen selbstverständlich … meine Prognose: der kommende Winter wird nicht wärmer als der letzte Sommer!

  • Thomas

    Herr Bardt,
    das Quotensystem hat sich doch nirgendwo durchgesetzt.
    Die Energiewende seit 2000 hat außerdem eindeutig bewiesen, dass die Investoren in Erneuerbaren Energien nicht aus der Herkömmlichen Energiewirtschaft stammen. Die großen Energiekonzerne, welche 80% der konventionellen Stromgestehung bereitstellen, kontrollierten bekanntlich nur 6,5% der erneuerbaren Kapazitäten.
    Ein System, dass die Umsetzung der Energiewende in die Hände der Wirtschaftsakteure legt, die kein Interesse an der Umsetzung haben, ist doch zum Scheitern vorherbestimmt.

    Das EEG, bietet große Anreize für Wettbewerb, was man allein schon an der Vielzahl der Hersteller von Wind, Solar & Biomasse-Kraftwerken sehen kann. Jeder dieser Hersteller steht im Wettbewerb mit seiner Konkurrenz um ihrem Kunden die größt mögliche Rendite zu gewährleisten. Was das EEG zum Internationalen Erfolg geführt hat (selbst in US Staaten & Großbritannien gibt es heute Einspeisevergütungen), war die Schaffung von sicheren Investitionsbedingungen für den Teil der Wirtschaft, der das größte Interesse in die langfristige ökologisch & ökonomische Stabilität unserer Volkswirtschaft hat, die Bürger, kleinen & mittleren Unternehmen – sprich: Das Rückrat der Deutschen Wirtschaft.

    Das weitere Argument, dass das EEG schlecht sei, weil es keinen Wettbewerb zwischen den einzelnen Technologien erlaubt, ist doch dadurch schon eine sehr beschränkte Wahrnehmung, da das EEG auf eine Vollversorgung durch Erneuerbare Energien abziehlt und dafür alle Wissenschaftler & Studien einen Mix aus allen Erneuerbaren Energien als essentiell ansehn. Wie man im windstillen Sommer ein 100% EE-System wirtschaftlich nur mit Windkraft bauen kann, ist genauso illusorisch wie ein 100% atomares System. In Frankreich sind die Reaktoren nach 30-40 Jahren schon bei 80% nur zu 75% abgeschrieben.

    Bei 380.000 direkt Beschäftigten in der Erneuerbaren Energien Branche sollte genug Lohnsteuer Einkünfte da sein, um jährlich eine differenzierte Inflationsanpassung für die einzelnen Bereiche (auch Stromkosten) der Lebenserhaltungskosten für arbeitslose Mitbürger zu finanzieren. Etwas was aus sozialer Verantwortung eigentlich selbstverständlich sein sollte… Energiewende hin oder her.

    Die geringe Qualität ihrer Argumentation und das absichtliche (hoffentlich) vernachlässigen von Zusammenhängen diskreditiert Sie.

    Das EEG ist ein politischen Machwerk, das sich weltweit im Wettbewerb der Konzepte durchsetz. Es ist konzipiert, um essentielle Gefahren & Risiken für die Gesellschaft abzuwenden. Wenn Sie hier ein Quotensystem vorstellen, dass einen Mechanismus umfasst, der das erreichen der Quote so schnell wie Möglich & nicht erst bis zum planwirtschaftlich gesetzten Stichtag schafft, Wettbewerb zischen Akteuren neuer Technologien fördert und den Wettbewerb im Markt der Zukunft steigert, indem es neue Wirtschaftsteilnehmer ermutigt in den Markt einzusteigen… DANN lese ich es mir gerne durch und Sie können damit auf tour gehen und versuchen 60+ Länder auf der Welt von ihrem Konzept zu überzeugen.
    Darunter die 2-4 größte Volkswirstschaften der Welt.
    Viel Glück!

  • Isekon

    Sehr geehrter Herr Bardt,

    wenn ihre Studie genauso schlampig verfast wurde, wie der Vortext auf dieser Seite ist das ganze wohl ziemlich falsch. Meines Wissens – und ich bin mir sicher seeehr vieeel Zustimmung zu bekommen – liegt die EEG-Umlage nicht wie Sie beschreiben bei 10,47 ct (1.3 + 2,05 + 3,53 + 3,59), sondern jetzt gerade mal 3,592ct/kWh (auch Nachzulesen bei der Clearingstelle). Da hab ich schon keine Lust mehr weiter zu lesen, weil umglaubwürdig.

  • Markus

    Finde ich interessant: Denn eigentlich ist es nur Deutschland als einziger Staat, der unbedingt und um jeden Preis die alternativen Energien “braucht”.

    Wir suchen die Zukunft in einem ungewissen Wirtschaftszweig als klassischer Vorreiter und lassen uns dies enorme Summen kosten. Das bedeutet in der Wortschaft nichts anderes, dass wir das Versuchskaninchen sind und die Entwicklungskosten tragen – bei Erfolg ist das alles schnell kopiert, denn das Know-How ist eben nicht aus Deutschland bzw. nur zum Teil. Der Einfluss, besonders chinesischer Unternehmen, ist so enorm, dass wir fast ausschliesslich deren Technologie verwenden – welche durch deutsche Unternehmen transferiert wurde um Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Ein dummer Fehler, wie sich seit einigen Monaten zeigt.

    Dennoch wird darum gekämpft, die Zeile für 2020 zu erreichen. Von Effizienz spricht schon lange niemand mehr, sondern nur noch von eingespartem CO2 am Kraftwerk. Ein lapidarer Faktor im gesamten Prozess. Was herum passiert, wird in Verschwiegenheit debattiert – also gar nicht.
    Wir lassen uns eine Energiewende nicht nur Geld kosten, sondern nutzen hierzu auch Rohstoffe, deren Gewinnung nicht nur fragwürdig, sondern auch Umweltschädlich in aller höchstem Maße ist. Dies ist die Gewinnung der “seltenen Erden” – die übrigens gar nicht mehr in USA gewonnen werden, obwohl enorme Vorkommen existieren – weil höchst umweltschädlich.

    Ökonomisch betrachtet ist die sog. “Energiewende” schon lange gescheitert – siehe Subventionen!

  • Thomas

    @Markus:
    Das EEG bzw. wichtige Teile (besonders Einspeisevergütung) wurden bereits in über 60 Ländern nachgeahmt. Es kann also bei weitem keine Rede von “nur Deutschland als einziger Staat” sein. Zuletzt auch China & besonders Japan, wo das EEG nahezu 1:1 übernommen wurde und in diesem Sommer in Kraft treten wird.

    Sie beweisen mit solch bewussten oder unbewussten Falschaussage sehr geringen Verstand von der Sache. Dies diskreditert ihre Meinung ins Lächerliche.

  • Markus

    @ Thomas
    Wenn Sie das EEG als einzigen Indikator einer Energiewende verstehen, so glaube ich, betrachten Sie diese Entwicklung im allgemeinen Tunnelblick. Das EEG ist nur ein kleiner Teil des Gesamtkonzepts – auch das werden Sie vielleicht mal überblicken. Aber scheuen Sie doch selbst mal rein ins EEG. Ich darf Sie weiterhin daran erinnern, dass meine doch so “lächerliche” Meinung durchaus einen sehr harten Kern beweist: Dass nämlich genau dieses Instrument in anderen Ländern gescheitert ist, so zB in Italien und Spanien. Oder bestreiten Sie auch die harten Fakten?
    Und was glauben Sie in Ihrer kleinen ökologischen Welt, warum der politische Ruf nach einer Absenkung der Einspeisevergütung in Kombination mit einer Deckelung begründet ist? Nun, weil eben genau dies das ökonomische Scheitern darstellt – es findet kein Return on Investment statt. Jeder Betriebswirt kann ihnen das bestätigen.
    Alleine schon der Fakt, dass in Deutschland die meisten PV Anlagen installiert sind, ist der pure Wahnsinn – denn die Rentabilität steht in keinem Verhältnis. Die wahren kosten werden genau so wie bei der Atomkraft wieder wunderbar subventioniert. Dass dies nciht der ideale Lösungsweg ist, und nahezu jede Form der Subvention sich irgendwann höchst negativ auf die teilnehmenden Wirtschaftzweige niederschlagen wird, scheint Ihnen genauso unbekannt zu sein.

    Da Sie auf die anderen Argumente in Ihrer unzureichenden Ausführung gar nicht eingegangen sind erscheint es weitgehender Idealismus, der Sie antreibt, das EEG als Vorzeigegesetz zu verteidigen.

  • Bernhard K. Kopp

    Eine Anschub-Subventionierung muss zeitlich begrenzt, vielleicht 5 – 10 Jahre, und mengenmässig gedeckelt sein. D.h. die Subventions-Parameter müssen von Anfang an feststehen und dürfen nicht kurzfristigen politischen Änderungen unterliegen.

    Dies ist der wesentliche Mangel des EEG, insbesondere, aber nicht nur für die Photovoltaik.

Der Autor:

Dr. Hubertus Bardt

ist stellv. Leiter des Wissenschaftsbereiches II und Leiter der Forschungsstelle Umwelt- und Energieökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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