Kann sich irgendwer erinnern, daß die Zeiten einmal nicht hart waren und das Geld nicht knapp? Ralph Waldo Emerson, 1803-1882, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph

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Nein zum EWF!

64 von 91 befragten Ökonomen sprachen sich gegen die Einrichtung eines europäischen Währungsfonds aus, das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Wirtschaftswoche.
Der europäische Währungsfonds war eigentlich schon vom Tisch. Doch seit vergangenem Freitag gewinnt die Idee wieder Oberwasser. Nach Beratungen in Madrid, ließ der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, verlauten, dass ein Rettungsfonds für klamme Eurostaaten immer näher rückt.

Dabei ist sich die Wissenschaft bezüglich eines Rettungsfonds einig wie selten. Mit großer Mehrheit lehnen Deutschlands Ökonomen die Bildung eines europäischen Währungsfonds ab. Von 91 befragten Ökonomen sprachen sich 64 gegen solch einen Rettungsschirm für Euro-Länder aus. Der EWF hätte ein Glaubwürdigkeitsproblem – denn die Mitgliedsstaaten würden die entsprechenden Sanktionen gemeinschaftlich beschließen. Und dass Länder wie Italien und Portugal in anbetracht der eigenen Haushaltslage sich für tief greifende Sanktionen aussprechen würden ist unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass der Zorn des sanktionierten Landes sich gegen die EU richten würde, was die europäische Gemeinschaft und deren Währung weiter aufweichen würde.

Besser wäre es bei einer drohenden Staatsinsolvenz den IWF zu Hilfe zu rufen und sich deren politische Unabhängigkeit zu Nutzen zu machen. Es muss aber sicher gestellt sein, dass er die Führungsrolle übernimmt – wie das in Lettland und Ungarn geschehen ist. Der IWF hätte die nötige Expertise, Glaubwürdigkeit und Durchsetzungskraft – alles Eigenschaften an denen es der EU mangelt.

  • Autor

    Jürgen Matthes

    ist Senior Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den ökonomischen Aspekten der Globalisierung.

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  • Keynesianer

    “Angeschrieben werden hierfür 250 Professoren für Wirtschaftswissenschaften an deutschen Universitäten.”

    Da hat man wohl so ziemlich ein und die selbe ökonomische Denkschule erwischt! In Deutschland gibt es ja keinen nennenswerten Wettbewerb zwischen ökonomischen Denkschulen. Die überwiegenden Mehrheit der Ökonomen baut auch noch auf die falsche Modellhaftigkeit der neoklassischen Ökonomie und glaubt an den absurden Einheitsmenschen “Homo Oeconomicus”.

    Diese Ökonomen verstehen ja noch nicht einmall die Ungleichgewichte, die die Ursache der Problematik sind. deswegen ist ja das Kind in den Brunnen gefallen!

    Hoffentlich war die Studie günstig!
    Eine Aussagekraft hat sie nicht.

  • Stephan

    Deutschlands Ökonomen? Von 91 gehören unabhängig von der Fragestellung 60 sofort fristlos entlassen wegen Unfähigkeit. Und jetzt den IWF zu pushen ist auch so ein Pseudo-Argument. Vor ein paar Tagen haben die 64 Ökonomen noch einen Herzinfarkt gekriegt, als Blanchard das Inflationsdogma in Frage gestellt hat. Welcher Idiot von Ökonom findet Lettland vorbildhaft? 20% Arbeitslosigkeit und 18% BIP Schrumpfung 2009 – wenn das das Vorbild ist dann können wir auf Ökonomen und den IWF genausogut verzichten. Das gibt’s gratis.

  • @Stephan

    Lettland ist vorbildlich, weil es brav allen Vorgaben des IWF nachgibt. Vom lettischen Volk gehört wahrscheinlich nur eine verschwindende Minderheit zu den Gewinnern.

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