Der Euro im Leichentuch
Buchkritik: Philipp Bagus: Die Tragödie des Euro – ein System zerstört sich selbst, München 2011
Der Euro ist ein klarer Misserfolg. So sieht es Philipp Bagus. Die Währung ermögliche eine Umverteilung zugunsten von Ländern, dessen Bankensysteme und Regierungen das Geld schneller inflationierten als andere. In seiner „Tragödie des Euro“ gibt es selbstredend kein Happy End. Im Gegenteil. Der Autor ist sich sicher: „Das Euro-Projekt wird bald scheitern. Der Zusammenbruch ist weit davon entfernt, ein Zufall zu sein.“
Bagus zeigt sich als scharfer Gegner der These, Europa scheitert, wenn der Euro scheitert. Auch ohne eine gemeinsame Zentralbank könne es offene Grenzen, freien Handel und ein integriertes Europa geben. Mit den Rettungsschirmen, den die Regierungen ständig öffneten, mache die Eurozone deutlich, dass sie im Grunde nur eine Transferunion sei, „die direkte Kreditvergabe und Bailout-Garantien für überschuldete Regierungen“ ermögliche – letztlich finanziert „durch Steuerzahler soliderer Länder“.
Bagus, Professor für Volkswirtschaft an der Universität Rey Juan Carlos in Madrid, geht in seinem Buch zunächst der Geschichte des Euro nach – temperamentvoll, spitz, analytisch, durchweg in einem Sturmlauf: von den Verträgen von Maastricht bis zur aktuellen Griechenlandkrise. Der Euro habe als Gemeinschaftswährung von Anfang an Konflikte institutionalisiert und den Kampf und die Kontrolle der Geldmenge intensiviert. Das Ergebnis sei der Bailout und der Transfer von Geldern in Form subventionierter Kredite von der EWU nach Griechenland. Dieser unfreiwillige Akt habe mehr als alles andere das europäische Gemeinschaftsgefühl strapaziert und auf „Regierungs- und Bürgerebene Verachtung und Hass ausgelöst, besonders zwischen Deutschland und Griechenland“.
Bagus sieht den Euro letztlich als Prestigeobjekt der europäischen Sozialisten, insbesondere der französischen. Sie alle verband einst der Traum vom europäischen Zentralstaat. Zudem sei der Euro für sie das geeignete Instrument gewesen, den nach dem Zweiten Weltkrieg immer größer werdenden Einfluss der Deutschen Bundesbank auf Europa endlich zu schmälern, so Bagus’ gewagte These. Dass auch der Euro-Koloss Helmut Kohl in diesem Prozess eine erhebliche Rolle spielte, erwähnt er kaum.
Das Buch gibt allen Euro-Kritikern recht. Dass Bagus zum Schluss rhetorisch die Frage stellt, ob es überhaupt noch einen Ausweg aus Europas Defizitspirale gibt, ist das stilistische Finale einer im ganzen sehr intelligenten, doch oft zu offensichtlich auf Fehler fokussierten Euro-Leichenrede.


Ich frag mich immer:
1. dieser ganze Blödsinn von Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertung bla, ich mein klar funktioniert, aber was bringt er?
2. Warum soll ein Wettbewerb über Währungen und Steuern ein sinnvoller Wettbewerb sein?
Das habe ich nie verstanden.
3. Die Gewinner der Euro-Auflösung ist die Finanzwirtschaft, da sie hohe Transfergebühren etc. erheben kann. Also gerade jenes was den Kapitalismus zur Zeit zur Grunde richtet, sie hat soviel zerstört wie es kein Staat (ich lehne fast alle staatlichen Eingriffe strikt ab, nicht das sie mich missverstehen) hätte können.
4. Werden dann die Staatsapperate nicht noch schlimmer als jetzt werden? Die Korruption und Vetternwirtschaft ist jetzt schon unerträglich hoch, auch oder sogar gerade in Deutschland.
Ich glaube nicht, dass eine Rückkehr zum Nationalstaat einen großen Sinn macht, dass grundsätzliche Probleme wird auch dann die Vermögensverteilung sein und es entstehen zusätzliche überflüssige Dienstleistungen auf die man besser verzichten sollte.
“Bagus sieht den Euro letztlich als Prestigeobjekt der europäischen Sozialisten”
Das Buch braucht man wohl kaum kaufen!
Inzwischen würde ich als Staat einfach sagen, ich zahl euch nichts zurück.
Es trifft nur Reiche, daher kann man damit gut leben, außerdem bricht unsere derzeitige Finanzwirtschaft zusammen, auch ein sehr positiver Effekt.
Warum macht man es dann nicht? Nur wegen Riester/Rürup Blödsinn?
Wir vernichten unseren “extremen” Wohlstand für nix und lassen Menschen daran null teilhaben, soll das der Sinn das Kapitalismus sein?
Widerliche Versager werden zu Leistern gemacht, das kann doch alles nicht mehr wahr sein.
Und irgendwelche pseudo Wahrsager (Ökonomen) labern irgend einen scheiß, den keiner braucht und werden dafür auch noch vergütet, gehts noch schlimmer?
Das ist also das Versprechen, dass uns der Kapitalismus gegeben hat? Da finde ich ja inzwischen Sozialismus weit besser.
Ich habe das Buch teilweise gelesen.
Es offenbart nichts überraschendes. Viele Verschwörungstheorien die überall erzählt werden, gehen hier als Wissenschaft ein. Die Geschichte vom Tausch der Wende gegen den euro ist in den USA vielleicht weniger bekannt, aber in hier kennt die jeder.
Dazu überspitzt Bagus einfach Dinge die auch in jedem Buch zur Europäischen Integration stehen. Er ersetzt nur die deutschen bzw. franz. Standpunkte mit Schlagwörtern wie libertär und sozialistisch. Das Buch hat für Ökonomen wenig Neues.
Es ist eine schöne Schwarzmalerei der ideologischen Art, die sich aber gut liest und teilweise erheitert. Bagus verkauft alte Wahrheiten neu. Aber da ist er nicht der einzige. Das Buch gibt es kostenfrei zum Download. Das ist die gute Nachricht.