Überschuldung frisst Demokratie
Was ist unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung noch wert, wenn die politischen Eliten Hinterzimmerpolitik machen und die eigene Bevölkerung immer weniger auf den oft mühsamen Weg des politischen Kompromisses mitnehmen? Die Exekutive hat eine Machtposition gewonnen, die längst zu Lasten der demokratischen Legitimation geht. Es reicht ja, wenn die Regierung Politik macht. Das Volk stört doch nur. Diese Haltung zerstört aber die demokratische Kultur, für die sich Politiker in Sonntagsreden so gern vom Rest der Welt abheben wollen. Viele Bürgerinnen und Bürger spüren, dass ihre Meinung für die eigene Regierung weit weniger Gewicht hat als die so überhöhten Finanzmärkte.
Doch die vielbeschworene Macht der Finanzmärkte hat mit einem Politikverständnis zu tun, das die argumentative Auseinandersetzung mit dem eigenen Volk nicht mehr sucht. Schlechtestes Beispiel war der politische Attentismus in Deutschland nach der letzten Bundestagswahl. Union und FDP wollten die nordrhein-westfälischen Wähler nicht gegen sich aufbringen, die im Mai 2010 einen neuen Landtag zu wählen hatten. Also wurde eine monatelange Pause in der Reformpolitik verabredet, obwohl beide Parteien einen klaren bürgerlichen Regierungsauftrag hatten und sogar über die seltene Konstellation einer eigenen Mehrheit in der Länderkammer, dem Bundesrat, verfügten.
Angesagt gewesen wäre eine Spar-Strategie, mit der die demographiebedingte Kostensteigerung in der Kranken- und Pflegeversicherung strukturell gebremst werden kann. Auch eine umfassende Steuerstrukturreform stand auf der Agenda. Doch die Zeit wurde mut- und tatenlos verspielt, die Wahl in Düsseldorf aus bürgerlicher Sicht verloren, die Bundesratsmehrheit gleich mit. Die strukturellen Defizite sind geblieben und mit ihnen die Macht der Finanzmärkte, die sich vor allem aus der Unfähigkeit der Politik speist, die Überschuldung der öffentlichen Budgets wirksam zu stoppen.

“die sich vor allem aus der Unfähigkeit der Politik speist, die Überschuldung der öffentlichen Budgets wirksam zu stoppen.”
Lesen sie ihren eigenen Blog Herr Metzger.
http://www.insm-oekonomenblog.de/allgemein/40-milliarden-mehr-im-sackel/#comments
Wie will man die Überschudung stoppen, wenn bei leicht verbesserten Steuereinnahmen sofort Steuersenkungen ins Gespräch kommen?
Den ersten uns zweiten Absatz ist im Grunde zuzustimmen. Die Politik gebärdet sich als einen Teil einer Plutokartie, die das Volk nur noch als lästig dabei empfindet, sich gegenseitig dei Prfünde zukommen zu lassen.
Das dieses unmittelbar mit der Staatsverschuldung zu tun hat, wie sie im dritten Absatz schreiben, diesen Nachweis bleiben sie schuldig.
Ich sehe diese Problem auch.
Es ist derzeit eine echt abartige Entwicklung, wie eine kleine Pseudoelit zusammen mit ihren Handlangern eine Plutokratie, Oligarchie oder einen Neofeudalstaat errichtet, je nachdem wie man es nennen will.
Normalerweise unterstützt Herr Metger diesen Weg ja, aber ich bin diesmal immerhin zum Teil positiv überrascht.
Man sollte die ganze Staatsverschuldung endlich beenden (ich bin für Infaltion, bei gleichzeitigem einfrieren aller Renten und Pensionen), danach kann man dann ein nachhaltiges und demografiefestes Sozialsystem schaffen, welches über wenige und transparente Steuern finanziert wird.
Damit wird auch die Lüge der privaten Altersicherung entlarvt, sie ist so dermassen teuer (riesen Heer von Schmarotzern muss durchgezogen werden, angefangen vom kleinen Bankangestellten), dass sie trotz Subventionen, niemals mit einem guten Umlageverfahren konkurrieren kann.
Sehr geehrter Herr Metzger,
tut mir leid, aber ich muss immer wieder erkennen, dass sie das Problem nicht verstehen.
Wie man sich mit derartiger Vehemenz gegen Erkenntnis wehrt, ist mir nicht begreifbar zu machen.
Stellen Sie sich folgenden Fragen:
Was sind Kosten? Wo fließt das Geld hin und was bewirkt es dort?
Was bedeutet Globalisierung (wirklich)?
Ganz wichtig: Wie und wo entsteht Geld? Welche Folgen hat das?
Die Konsequenzen eines exponetiellen Geldwachstums (Geschichtsbuch) sowie das Zins- und Zinseszinssystem? Mögliche Alternative?
Viel Erfolg!