Während der Staat auf die Aufsicht und eventuelle Gestaltung der Formen beschränkt bleiben soll, in denen der Wirtschaftsprozess abläuft, muß im Rahmen der Märkte, auch der Arbeitsmärkte, Freiheit bestehen. Walter Eucken, 1891 1950, deutscher Ökonom

8 SozialesSteuern und Finanzen

Zuschussrente: teurer und unnötig

Ohne Beitragserhöhung könne die Zuschussrente finanziert werden – so ließ es das Ministerium für Arbeit und Soziales verlauten. Und tatsächlich: Die Rentenkassen sind gefüllt wie seit langem nicht mehr. Doch die Gerechtigkeit bliebe mit der Zuschussrente auf der Strecke. Ohnehin ist deren Notwendigkeit zweifelhaft.

(mehr …)

Naturgemäß steigen mit der Beschäftigung auch die Beitragseinnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung. Und mit den Einnahmen wachsen sprichwörtlich auch die Begehrlichkeiten. Die Zuschussrente ist das jüngste Projekt aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Damit soll die Alterssicherung armutsfest gemacht werden und Bezieher niedriger Renten bezuschusst werden. Und noch viel besser: Trotz Zuschussrente bleiben die Rentenbeiträge sogar stabil. Denn ein Finanzierungsmix aus Rentenbeiträgen und Steuergeldern refinanziert die Mehrausgaben. Um wieviel die Rentenbeiträge aber gesunken wären und wie hoch die Steuererhöhung dank Zuschussrente ausfallen wird ist allerdings nirgendwo zu lesen.

Ohnehin ist die Begründung für eine Zuschussrente mehr als fragwürdig. Den deutschen Rentnern geht es in der Regel gut. 140 – 180 Euro Rente als Resultat von 45 Jahren Arbeit ist zum Glück nur der Ausnahmefall. Die Durchschnittsrente beträgt in Deutschland ca. 1200€/Monat, dazu kommen dann noch betriebliche Rente und private Einkünfte aus Ersparnissen und Nebenerwerb, wodurch ein Durchschnittsrentner ein Einkommen nahe dem Durchschnittseinkommen hat.

Unbestreitbar ist jedoch das Problem, dass der Lebensstandard aus Erwerbszeiten alleine durch die gesetzliche Rente nicht gehalten werden kann. Dafür wurde die gesetzliche Rentenversicherung aber auch nie konzipiert.  Altersarmut in größerem Ausmaß ist aber auch bis 2030 nicht zu erwarten. Und wenn der ein oder andere im Alter doch unter die Armutsgrenze sinkt, dann gibt es dafür eine Grundsicherung, die entsprechend der Bedürftigkeit aufstockt. Allerdings kann man auch nicht davon ausgehen, dass man, wenn man ein ganzes Leben lang 400-Euro-Jobs hatte, im Alter eine hohe Rente erhält. Um den Lebensstandard zu halten, ist privates Sparen unabdingbar, da die gesetzliche Bruttorente von 53% vom letzten Bruttogehalt im Jahr 2001 auf 48% heute und auf knapp unter 40% 2035 fallen wird. Vom Einkommen müssten 6-7% gespart werden, was bei einer derzeitigen Sparquote von 11-12% unproblematisch ist.

Besorgniserregend sind eher die Pläne zur Zuschussrente selbst, da dies keine bedarfsgerechte Lösung ist, sondern auch unnötig Geld des Steuerzahlers ausgegeben wird. Die Zuschussrente wäre eine Wohltat, die wir uns nicht leisten können und zudem ungerecht ist, da sie auch Rentner bezuschusst, die zusätzlich zur gesetzlichen Rente noch eine betriebliche Rente und Miet- und Kapitaleinkommen haben.

  • Autor

    Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

    ist Direktor des Forschungszentrum Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

    Alle Beiträge

  • Herr Raffelhüschen laut ihrem Titel sind sie Professor und somit Wissenschaftler. Liesst man Ihre Artikel, dann verliert man den Glauben an die Wissenschaft. Aber sie sind ein hervorragender Versicherungsvertreter. Warum sind sie gegen einen Rentenzuschuss? Ganz einfach er reduziert die Notwendigkeit privat zu sparen. Ihre Geldgeber würden weniger verkaufen. Aus diesem Grund können sie in das Jahr 2035 schauen und behaupten, dass das Rentenniveau fallen wird (ohne Zweifel).

    “Um den Lebensstandard zu halten, ist privates Sparen unabdingbar, da die gesetzliche Bruttorente von 53% vom letzten Bruttogehalt im Jahr 2001 auf 48% heute und auf knapp unter 40% 2035 fallen wird.”

    Würde ein Student einen solchen Quatsch in einer Diplomarbeit schreiben, dann würden sie ihn wahrscheinlich fragen wo er die Gewissheit hernimmt.

    “Vom Einkommen müssten 6-7% gespart werden, was bei einer derzeitigen Sparquote von 11-12% unproblematisch ist.”
    Der nächste komische Punkt. 6-7% Einkommensverzicht ist kein Problem, ein Zuschuss zu Rente aber schon da er zu teuer ist? Dabei würde der Zuschuss auf mehr Schultern verlagert. Die 6-7% sind ein Durchschnittswert. Gerade diejenigen, die mehr Geld im Alter bräuchten haben ein zu geringes Einkommen und könnten sich diese Sparquote gar nicht leisten. Was sie fordern, oder vorschlagen geht an der Realität vorbei.

    “Besorgniserregend sind eher die Pläne zur Zuschussrente selbst, da dies keine bedarfsgerechte Lösung ist, sondern auch unnötig Geld des Steuerzahlers ausgegeben wird.”

    Komisch, dass die Riester- und Rührupzuschüsse keine zu hohe Belastung darstellen. Dort wird auch unnötig Geld der Steuerzahler ausgegeben. Auch vernachlässigen sie die Rettung der Banken, welche auch eine Rettung der privaten Altersvorsorge bedeutete. Über eine Antwort zu meinen Anmerkungen würde ich mich freuen.

  • Es grenzt an Volksverdummung, was Herr Raffelhueschen hier verbreitet. Diejenigen, die im Alter nicht genug haben, sind eben meist auch diejenigen, die nicht mal einfach so 100 oder 200 EUR im Monat fuer eine private Absicherung hinterlegen koennen.

    Dass die gesetzliche Rente weiter absinkt, ist zudem keine Naturnotwendigkeit, sondern politisch gewollt. Das kann geaendert werden. Das Umlagesystem ist weiterhin die beste Rentenversicherung, da es direkt an den Wohlstand von morgen gekoppelt ist. Versicherungen und private Rentenkassen dagegen koennen durch das Auf und Ab der Kapitalmaerkte das Vermoegen der kuenftigen Rentner verlieren. Am Ende muss dann doch wieder der Staat einspringen. Das aber ist nicht sehr nachhaltig. Von daher: Riester abschaffen, Beitragsbemessungsgrenze abschaffen und die gesetzlichen Rentenbeitraege entsprechend aufstocken.

  • Rentner

    aber er hat doch Recht. Die Rente in Deutschland ist nie zur Wohlstandserhaltung konzipiert worden. Wer unter das Niveau von Hartz IV fällt, wird aufgestockt. Die Leistungen müssen immer von jemandem bezahlt werden. Und die Zahler werden immer weniger. Daher müssen zwangsläufig die Renten sinken. Die Steigerung der Einkommen macht den demografischen Effekt nicht wett.

  • “Und die Zahler werden immer weniger. Daher müssen zwangsläufig die Renten sinken.”

    Die Renten sind die letzten 100 Jahre real gestiegen, gleichzeitig nahm die Zahl der Einzahler im Verhältnis zu den Rentnern ab. Die Vergangenheit widerlegt diese Aussage, denn diese vernachlässigt die Produktionssteigerungen. Wenn die Einzahler an diesen Steigerungen partizipieren, dann ist das Rentensystem ohne weiteres finanzierbar. Das Problem ist nur, dass die Einzahler nicht partizipieren und die Löhne seit Jahren stagnieren.

  • Klaus Blömeke

    Das Prinzip ist ein immer weiteres Aufstocken der staatlichen Fürsorge.

    Wenn Geld fehlt, wird die Steuer oder der Rentenbeitrag erhöht.

    Wenn Geld zuviel da ist, wird eine Möglichkeit zum Ausgeben gesucht.

    Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Wenn die Rentenkassen zuviel Geld haben, wäre m. E. als erstes der steuerliche Zuschuss zu reduzieren, wenn immer noch was übrig ist wären die Rentenbeiträge zu senken.

    Viele Grüße,

    Klaus Blömeke

  • Surp

    BGE ist gerechter, das kann sogar pro Person extrem hoch sein, wenn man anfängt viele Arbeitsülätze abzubauen und den Bürger am Produktivitätsfortschritt teilhaben lässt.

    Ich persönlich empfinde unser Rentensystem als ungerecht und asozial, da unsere Erwerbsarbeitswelt extrem ungrecht und aozial ist. Dies wird dann in die Rente oder Pension weitergeführt.

    Für mich ist das gegen den Grundsatz der Leistungsgerechtigkeit und Chancengleichheit.

  • “Wenn die Rentenkassen zuviel Geld haben”
    Warum nicht die Renten erhöhen, damit Rentner wenigstens eine Inflationsbereinigung ihres Einkommens haben. Im übrigen finanzieren die Steuerzuschüsse die versicherungsfremden Leistungen innerhalb der Rentenkassen. Nur wenn diese an einer anderer Stelle finanziert werden, gebe ich Ihnen Recht. Sonst ist nicht zu erklären warum nur die gesetzlich Rentenversicherten Leistungen finanzieren müssen die jeder in diesem Land potentiell abrufen kann.

  • Pingback: HR-Digest Nr.15 vom 20.4.2012 mit 10 Beiträgen()