Es ist beispielsweise in höchstem Maße widerspruchsvoll, wenn der Staatsbürger über die unerträgliche Höhe der Steuerlast klagt, gleichzeitig aber vom Staate Hilfen erwartet, die diesem das moralische Recht geben, noch immer höherer Steuern einzuheben. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

8 ArbeitsmarktSoziales

Gebt den Kindern eine Stimme

Die Zahl der Rentner steigt stetig.Mit ihrer Rentenreform macht die Bundesregierung Politik für die Alten auf Kosten der Jungen. Kein Wunder: Die Stimmen der Senioren entscheiden jede Wahl. Die kurzsichtige Politik lässt sich stoppen – wenn das Wahlrecht bereits von Geburt an gilt.

(mehr …)

Union und SPD wissen, was sie für künftige Wahlsiege brauchen: die Stimmen der Rentner. Die Regierungsparteien machen deshalb eine höchst einseitige Politik. Ihre geplante Rentenreform nützt den Alten und belastet die Jungen. Gegen die Macht der Senioren lässt sich offenbar nicht mehr regieren. Deutschlands Zukunftsfähigkeit ist dadurch in Gefahr. Doch für das Problem gibt es eine einfache Lösung: Gebt Kindern das Wahlrecht!

Der Fokus der Politik verschiebt sich ansonsten immer weiter auf die Senioren. Bereits im Jahr 2030 wird die Hälfte der Bevölkerung hierzulande älter als 50 sein. Nicht Familien mit Kindern, sondern Rentner und Pensionäre bestimmen zunehmend stärker den Kurs. Die Folgen sind fatal. Investitionen in die Zukunft bleiben aus, konsumiert wird in der Gegenwart. Kinder haben keine Lobby. Weil sie kein politisches Gewicht haben, werden ihre Interessen ignoriert. Die Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 ist ein Paradebeispiel dafür, was das in der Praxis bedeutet: Schmusekurs mit den Senioren ohne Rücksicht auf kommende Generationen.

Um die Jungen vor der endgültigen Machtübernahme der Alten zu schützen, braucht es ein Gegengewicht. Das aktive Wahl- und Stimmrecht sollte deshalb bereits von Geburt an gelten. Für unter 18-Jährige würden die Erziehungsberechtigten abstimmen und dabei die Interessen ihrer Kinder vertreten. Die Änderung des Wahlrechts brächte aus Sicht der Generationengerechtigkeit enorme Vorteile: Die Politik von heute hätte plötzlich einen Grund, auch die Anliegen der Steuer- und Beitragszahler von morgen im Blick zu behalten. Wenn künftig neue Wohltaten für Rentner gefordert werden, müssten die Jungen nicht länger machtlos zusehen.


Lesen Sie die Langfassung dieses Beitrags auf welt.de

  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

    Alle Beiträge