Gewinn ist so notwendig wie die Luft zum Atmen, aber es wäre schlimm, wenn wir nur wirtschaften würden, um Gewinn zu machen, wie es schlimm wäre, wenn wir nur leben würden, um zu atmen. Hermann Josef Abs, 1901-1994, deutscher Bankier, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG (1957-1967)

Author Archives: Dr. Karen Horn

Der Mensch ist kein Homo oeconomicus. Auch wenn es um rein Wirtschaftliches geht, entscheidet niemand immer zuverlässig rational, niemand verfügt ständig über alle notwendigen Informationen, und wohl niemand verhält sich ausschließlich strikt eigennützig. Der Amerikaner Richard H. Thaler, der verdientermaßen mit dem diesjährigen Wirtschafts-Nobelpreis ausgezeichnet worden ist, hat das in vielen Facetten gezeigt. Mit seinen Konzepten, analytischen Methoden und Instrumenten hat er dazu eine wichtige und zugleich höchst populäre Forschungsrichtung in Gang gesetzt, die sogenannte Verhaltensökonomik, ausdifferenziert in „Behavioral Economics“ und „Behavioral Finance“. weiterlesen

Wenn die Waren wandern, müssen es die Menschen nicht. Die Vorstellung, bei freiem Handel könne der Produktionsfaktor Arbeit ruhig zuhause bleiben, die erhoffte Wohlfahrtssteigerung komme auch so zustande, stammt aus der ökonomischen Theorie. Die Realität aber zeigt, dass es ganz und gar nicht nützlich ist, sich zwischen beiden entscheiden zu müssen. Wer beides haben kann, ist besser dran. weiterlesen

Der Wohnraum ist in machen Gegenden Deutschlands knapp, die Miet- und Kaufpreise entsprechend hoch. Auf solche Entwicklungen hat die Politik seit jeher mit Regulierung reagiert. Sie verspricht den Wählern (vor allem den Mietern), die Lage zu ihren Gunsten zu verbessern. Doch das Gegenteil von gut ist bekanntlich gut gemeint. Kaum ein Markt ist mittlerweile mehr reguliert als der Wohnungsmarkt. Die Folge: Es wird weniger Wohnraum geschaffen als möglich wäre – den (höheren) Preis zahlen die Bewohner.  weiterlesen

Was sind die Quellen des Wohlstands? Das ist eine der Fragen, die den Ökonomen Angus Deaton umtreiben. Seine Antworten sucht er regelmäßig in der Empirie. Sein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, dass die Qualität der Ergebnisse entscheidend von der Qualität der erhobenen Daten abhängt, hat ihm den diesjährigen den Nobelpreis beschert. Dass die Wahl auf den Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Princeton University fiel, lässt sich aber auch als Kritik an einer Wissenschaft lesen, die bisweilen aus dem Auge verliert, dass es bei der Ökonomik um menschliches Zusammenleben geht und sie eben keine Naturwissenschaft ist.

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In den vergangenen Tagen ist viel von Spaltung und Zerfall die Rede gewesen. Die Geschehnisse in der AfD gaben den Tenor vor. Der Austritt einer noch durchaus überschaubaren Gruppe von knapp 60 Mitgliedern der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft hat danach dann einige Beobachter – die einen mit Häme, die anderen aus Sorge – sinngemäß zu dem Kommentar veranlasst, angesichts von solcherlei Gezänk könne es ja nichts werden mit dem Liberalismus. Der Einsatz für die individuelle Freiheit in der Marktwirtschaft wie auch in allen anderen Sphären des gesellschaftlichen Zusammenlebens sei ohne einen Schulterschluss zum Scheitern verurteilt. Das ist ein großer Irrtum. weiterlesen

Mit der Ehrung von Elinor Ostrom und Oliver Williamson hat das Nobelpreis Komitee ein richtiges Zeichen gesetzt schreibt Dr. Karen Horn vom Institut der deutschen Wirtschaft. Quelle Grafik:www.nobelprize.orgIst Ordnungstheorie veraltet? Karen Horn vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht das anders. Mit der Auszeichnung von Elinor Ostrom und Oliver Williamson hat die schwedische Akademie der Wissenschaften ein wichtiges und richtiges Zeichen gesetzt. Denn gerade in der Wirtschaftskrise hat sich gezeigt: auf den „richtigen“ Ordnungsrahmen kommt es an.

Am 12. Oktober 2009 sind Elinor Ostrom und Oliver Williamson mit dem Wirtschafts-Nobelpreis ausgezeichnet worden – oder, korrekt formuliert, mit dem 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestifteten Preis für ökonomische Wissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel. Ostrom wie Williamson haben auf dem Feld der Institutionenökonomik bahnbrechende Forschungsarbeiten geleistet. Die Institutionenökonomik ist der Frage gewidmet, wie sich der gesellschaftliche Rahmen von formellen und informellen Institutionen, also von Regeln, Gesetzen, moralischen Normen und Konventionen entwickelt – und wie er sich als Anreizsystem auf das menschliche Verhalten und damit auf das gesamte wirtschaftliche Geschehen auswirkt. Ihre Vertreter arbeiten interdisziplinär. Damit stellt die Institutionenökonomik eine moderne Fortentwicklung der Ordnungstheorie dar, wie sie vor allem in Deutschland Gegenstand und Erbe der Freiburger Schule war. Besonders bemerkenswert ist diese Entscheidung des Nobelkomitees vor dem Hintergrund, dass im Zuge der Wirtschaftskrise zwar vor allem der Mainstream der Makroökonomik berechtigt in die Kritik geraten ist, die Ordnungstheorie aber weithin als veraltet abgetan und nicht als überlegener Ansatz erkannt wurde. Der Nobelpreis hat jetzt aller Welt die Augen geöffnet: Ordnungstheorie ist aktueller und notwendiger denn je.

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